Giftig, giftig

Als Generalprobe für das Champions-League-Endspiel taugte das Bundesliga-Duell von Borussia Dortmund mit Bayern München nicht. Doch die Emotionen sorgten für einen Vorgeschmack auf das Duell in Wembley am 25. Mai.

Das deutsche Finale der Champions League begann bereits am Samstag in der 64. Minute, als sich Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp und Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer an der Seitenlinie anbrüllten und damit das nicht gerade liebevolle Verhältnis zwischen den Borussen und Bayern nachdrücklich demonstrierten. Das 1:1-Unentschieden "hatte trotz anscheinend nicht vorhandener Wichtigkeit genügend Pfeffer", stellte Klopp später fest. Er selbst leistete in jener Szene seinen Beitrag, als Rafinha nach seiner Gelb-Roten Karte zornig und pöbelnd den Platz verließ. Klopps Erregung über den Griff von Rafinha bei dessen Gang in die Kabine ins Gesicht des gefoulten Jakub Blaszczykowski hatte Sammer unter anderem mit den Worten "Lass ihn in Ruhe!" gekontert. Über den weiteren genauen Wortlaut schweigen sich die Hitzköpfe aus. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke deutete an: "Wenn ich es richtig gesehen habe, ist unser Trainer beleidigt worden."

Anschließend versuchten die Streithähne, ihre Ausdrücke verbaler "Wertschätzung" füreinander herunterzuspielen. "Man sollte das nicht auf die Goldwaage legen", sagte Sammer. Man habe sich, wie unter Sportlern üblich, emotional, aber voller Respekt die Meinung gesagt und anschließend die Hand gegeben. Allerdings erst auf Intervention von Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen).

Klopp hatte indes eine Erklärung für die unterhaltsame Ouvertüre für London parat: "Dass wir nicht glücklich darüber sind, wie zuletzt einige Dinge gelaufen sind, ist bekannt." Gemeint ist der Transfer von Mario Götze, der im Sommer für 37 Millionen Euro Ablöse das Lager wechseln wird. Ein Grund dafür, dass Watzke das obligatorische Essen vor dem Spiel mit Bayerns Klub-Bossen absagte und den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge mit Gefolge auf der VIP-Tribüne nur pflichtgemäß begrüßte. "Wenn die Bayern Redebedarf haben, können wir das auf Arbeitsebene jederzeit regeln. Wir haben ,Guten Tag' gesagt, die haben das erwidert, und gut ist's", erklärte Watzke.

Es fiel allen Beteiligten schwer, das Spiel zwischen zwei völlig umgekrempelten Mannschaften ohne zahlreiche Stammkräfte, welches in der Schlussphase von aggressiven Zweikämpfen und verbalen Scharmützeln auf dem Rasen geprägt war, in den Vordergrund zu stellen. Auf dem Rasen sorgten die Tore von Kevin Großkreutz (11. Minute) und Mario Gomez (23.) und der verschossene Handelfmeter von Robert Lewandowski (60.), der nach wie vor mit den Bayern in Verbindung gebracht wird, für die Höhepunkte. "Die Zweikämpfe waren hart, manchmal grenzwertig. Aber egal, wo und wann wir gegen Dortmund spielen, es ist nie ein Freundschaftsspiel", betonte Nationaltorhüter Manuel Neuer.