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Gesprächsbedarf

Nach dem 1:5-Debakel bei Holstein Kiel stellten sich die Spieler des 1. FC Saarbrücken den mitgereisten Fans. Sie mussten sich dabei vermutlich einiges anhören. Foto: Andreas Schlichter
Nach dem 1:5-Debakel bei Holstein Kiel stellten sich die Spieler des 1. FC Saarbrücken den mitgereisten Fans. Sie mussten sich dabei vermutlich einiges anhören. Foto: Andreas Schlichter FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. In Saarbrücken herrscht nach dem Debakel bei Aufsteiger Kiel Fassungslosigkeit. FCS-Präsident Paul Borgard will aus der ersten Verärgerung heraus „keine Köpfe abschlagen“ und Trainer Jürgen Luginger weder verbal noch im Training draufhauen. Von SZ-MitarbeiterPatric Cordier

Auch zwei Tage nach der 1:5-Schlappe des 1. FC Saarbrücken bei Aufsteiger Holstein Kiel ist die Enttäuschung beim Drittligisten groß. Harald Ebertz, der für den sportlichen Bereich zuständige Vize-Präsident, schlich am Samstag kreidebleich in die Katakomben. "Wir hatten das Spiel nach dem Anfangsdruck sehr gut im Griff, bis zum 1:0 waren wir sehr gut organisiert", versuchte er gestern mit etwas Abstand eine Analyse, "nach dem Ausgleich war das alles wie weggespült. Die Probleme zeigten sich quasi auf jeder Position". Ebertz war mit der Mannschaft nach Kiel gereist. Er konnte sich darum eigentlich einen guten Einblick in das Innenleben der Truppe verschaffen. "Das war so nicht vorherzusehen", sagte Ebertz: "Man kann im Fußball nicht immer alles erklären. Letztlich können es nur die erklären, die auf dem Platz stehen."

Die Spieler hatten gestern frei. Gelegenheit, sich Gedanken über die eigene Leistung zu machen und den Kopf für die beiden kommenden und richtungweisenden Spiele gegen Werder Bremen (DFB-Pokal, Sonntag 14 Uhr, Ludwigspark-Stadion) und gegen den Lokalrivalen SV Elversberg (10. August an gleicher Stelle) freizubekommen. "Wir müssen uns jetzt auf die nächsten Ziele fokussieren. Wir werden nichts schönreden", sage Trainer Jürgen Luginger, der populistischen Aktionen eine Absage erteilte: "Es ist jetzt nicht sinnvoll, draufzuhauen - weder verbal noch im Training. Die Spieler gehen sehr selbstkritisch mit der Situation um. Gute Mannschaften werden nicht geboren, sie entwickeln sich auf dem Platz. Daran arbeiten wir."

Die Spieler stellten sich diesmal der Kritik der mitgereisten 250 FCS-Fans am Zaun. Dass dabei auch nicht druckreife Dialoge geführt werden, liegt in der Natur der Sache. Persönliche Beleidigungen scheinen bei allem Frust aber ebenso wenig zielführend wie die Aussage "Dann bleibt doch zu Hause", die ein FCS-Spieler gegenüber einem Fan getätigt haben soll. "Ich kann jede Emotion in allen Bereichen nachvollziehen", bemüht sich Peter Thielges, der Fanbeauftragte des FCS, die Wogen zu glätten: "Ich denke, sie haben auch ihre Rechtfertigung. Nur die Mannschaft braucht in dieser Phase einfach unsere Unterstützung."

Auch FCS-Präsident Paul Borgard war in Kiel. "Mir haben die Fans leid getan. Auch ich habe zwei Tage gebraucht, bis ich den Schock verkraftet hatte. Die Mannschaft muss es jetzt richten. Es gibt keine Ausreden mehr." Man wolle die Leistung in den kommenden Wochen "sehr genau beobachten. Wir werden aber jetzt aus einer ersten Verärgerung heraus keine Köpfe abschlagen".


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Am RandeFCS-Abwehrchef Nils Fischer hat sich bei der Niederlage in Kiel eine Zerrung der Bänder in der Schulter zugezogen. Fischer soll je nach Heilungsverlauf bereits morgen wieder am Mannschaftstraining teilnehmen, auch sein Einsatz im Pokalspiel am Sonntag scheint nicht unmöglich. cor