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Gerolsteiner fährt langsam aus dem Doping-Schatten von T-Mobile

Hans-Michael Holczer, Ex-Teamchef bei Gerolsteiner. Foto: dpa
Hans-Michael Holczer, Ex-Teamchef bei Gerolsteiner. Foto: dpa
Hamburg. Mit dem Rückenwind neuer Ermittlungen hat die italienische Justiz die Verfolgung von Radprofi Davide Rebellin aufgenommen, und in Deutschland muss der radelnde Sportbetrüger Stefan Schumacher mit der ganzen Härte des nationalen Verbandes rechnen

Hamburg. Mit dem Rückenwind neuer Ermittlungen hat die italienische Justiz die Verfolgung von Radprofi Davide Rebellin aufgenommen, und in Deutschland muss der radelnde Sportbetrüger Stefan Schumacher mit der ganzen Härte des nationalen Verbandes rechnen. "Wir werden die volle Bandbreite ausschöpfen: lebenslanger Ausschluss aus dem BDR, Schadensersatzklage und Strafanzeige gegen die Hintermänner", sagte Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). "Ich finde das eine ziemliche Scheiße, um es einmal ganz deutlich zu sagen. Es ist schade, dass man sich nicht einfach mal auf ein Rennen wie in Frankfurt freuen kann, weil irgendjemand wieder in unverantwortlicher Art und Weise gehandelt hat", sagte Scharping.


Schumacher gehört zu den sechs Sportlern, die bei IOC-Nachkontrollen der Pekinger Olympia-Proben positiv auf Doping getestet wurden. Der 27-Jährige wurde wie bereits im Juli 2008 bei der Tour de France mit CERA-Doping erwischt. Der Schwabe wurde damals für zwei Jahre bis zum 21. Januar 2011 gesperrt, hat dagegen jedoch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS Berufung eingelegt.

Neue Ermittlungsverfahren, Doping-Razzien und Beschlagnahme von Medikamenten - jetzt hat auch die italienische Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Olympia-Dopingsünder Rebellin ins Visier genommen. Bei Durchsuchungen im Haus des ehemaligen Team-Gerolsteiner-Fahrers beschlagnahmte Polizei nach Angaben der "La Gazzetta dello Sport" die Arzneimittel. Außerdem sei das Haus seiner Schwiegereltern und seines Sportarztes Enrico Lazzaro in Montegrotto Terme durchsucht worden.



"Ich bin gescheitert", gesteht Hans-Michael Holczer, der langjährige Chef des Teams Gerolsteiner, angesichts der "Endlos-Schleife" immer neuer Enthüllungen ehemaliger Gerolsteiner-Profis. Die Fälle Schumacher und Rebellin zeigten, dass der Doping-Sumpf in der Vulkaneifel wohl ähnlich tief war wie der beim Team T-Mobile in Bonn. "Ich glaube gar keinem mehr - keinem Radsportler und keinem Sportler überhaupt. Und ich muss auch davon ausgehen, dass die Leute mir nicht glauben. Damit muss ich leben", räumte Holczer ein. dpa