Gelbe und grüne Träume

Gelbe und grüne Träume

Gelb, Grün, Etappensiege: Die Aussichten der deutschen Radprofis bei der Tour de France sind erneut exzellent. Einzig ein echter Kandidat für eine Spitzenplatzierung im Gesamtklassement fehlt weiter.

Tony Martin träumt vom Auftakttriumph und Tagen im Gelben Trikot, für Top-Sprinter André Greipel und Klassiker-König John Degenkolb sind Etappensiege das realistische Ziel: Nach dem Rekord des Vorjahres mit sieben Tageserfolgen wollen die deutschen Radprofis bei der am Samstag beginnenden 102. Frankreich-Rundfahrt die "Tour d'Allemagne" wieder aufleben lassen. Vor allem in der ersten Woche stehen die Chancen auf die Fortsetzung der letztjährigen Erfolgsserie hervorragend.

Für den ersten großen Coup soll Tony Martin sorgen. Beim 13,8 Kilometer langen Auftaktzeitfahren im niederländischen Utrecht bietet sich dem dreimaligen Weltmeister die große Gelegenheit, sich den Kindheitstraum vom Gelben Trikot zu erfüllen. "Auf dem Treppchen ganz oben zu stehen, ist das erklärte Ziel. Die Chance wird es nicht mehr so oft geben", sagt Martin. Der flache Kurs in den Niederlanden kommt Spezialisten wie Martin oder seinen Konkurrenten Fabian Cancellara (Schweiz/Trek) und Tom Dumoulin (Niederlande/Giant-Alpecin) entgegen.

Motivation für seinen "Tag der Abrechnung" zieht Martin auch aus den Vorkommnissen vor drei Jahren, als er beim Tour-Prolog in Lüttich in Führung liegend von einem Reifenschaden ausgebremst und um das Gelbe Trikot gebracht worden war. "Gelb erobern und über die erste Woche verteidigen, ist die Idealvorstellung. Von der Form her bin ich da, wo ich sein will", sagt Martin.

Marcel Kittel, der in den vergangenen beiden Jahren für acht Tageserfolge gesorgt hatte, wurde vom deutschen Team Giant-Alpecin nicht ins Aufgebot berufen. Kittels guter Freund und Mannschaftskollege John Degenkolb bedauert dies - doch sieht darin zugleich auch Chancen für sich. Er ist nun der Mann für die Massensprints, darf aufgrund seiner Vielseitigkeit aber auf mehr hoffen. "Das Grüne Trikot ist ein Karrieretraum, den ich irgendwann erreichen möchte. Wenn ich darum mitfahren kann, werde ich es machen", sagte Degenkolb, der die Tour nach seinen Siegen bei den Klassikern Mailand-San Remo und Paris-Roubaix aber gelassen angeht: "Ich habe mir nichts mehr zu beweisen."

Als verlässliche Größe in den Massensprints gilt André Greipel . Der Rostocker vom Team Lotto-Soudal geht in seine fünfte Tour und will wie bei all seinen Starts für mindestens einen Etappensieg sorgen. "Wenn es einen Sprint gibt, dann wollen wir da sein", sagte Greipel. In den Sprintankünften der ersten Woche kann Greipel erneut auf die Unterstützung seines Kumpels Marcel Sieberg bauen.

Für Überraschungen will das deutsche Team Bora-Argon 18 sorgen. Neben dem neuen deutschen Meister Emanuel Buchmann steht Kapitän Dominik Nerz als derzeit bester deutscher Rundfahrer in den Reihen der Mannschaft von Teamchef Ralph Denk. "Wir müssen uns strecken, das ist uns bewusst, aber wir sind gut aufgestellt. In einer guten Form kann Dominik in Richtung Top 15 kommen", sagte Denk. Insgesamt nehmen zehn deutsche Radprofis morgen die Große Schleife in Angriff.

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