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Fußballverband am Pranger

Saarbrücken. Der Saarländische Fußballverband hat bislang eine bundesweite Erklärung im Kampf gegen Schwulenfeindlichkeit nicht unterzeichnet. Mit Unverständnis reagieren darauf Spielerinnen des FV Fischbach. Sie verfassten einen offenen Brief an Verbands-Präsident Franz Josef Schumann. Von SZ-Redakteur Matthias Zimmermann

Nach dem ersten öffentlichen Bekenntnis eines saarländischen Schiedsrichters zu seiner Homosexualität fordern Spielerinnen den Saarländischen Fußballverband (SFV) auf, eine bundesweite Erklärung gegen Homophobie (Schwulenfeindlichkeit) zu unterzeichnen. In einem offenen Brief der Frauenmannschaft des FV Fischbach an den SFV-Präsidenten Franz Josef Schumann sprechen die Unterzeichnerinnen von "Unverständnis, Enttäuschung und Empörung bis hin zu starker Verärgerung" darüber, dass ihr Verband bislang die Erklärung nicht explizit unterstützt. Dadurch entstehe der Eindruck, dass Schumann "dieser Form der Diskriminierung nicht entschieden mit Worten und Taten" entgegen trete. Er solle deshalb "eine eindeutig ablehnende Position zum Thema Homophobie im Sport beziehen".

Die Spielerinnen, Trainerinnen und Betreuerinnen verlangen nicht nur eine Unterschrift unter die so genannte Berliner Erklärung "Gemeinsam gegen Homophobie - Für Vielfalt, Respekt und Akzeptanz im Sport". Der SFV soll darüber hinaus die Informationsbroschüre "Fußball und Homosexualität" des Deutschen Fußball-Bundes auf der eigenen Internetseite publik machen. Außerdem brauche der Verband an der Saar "eine sensibilisierte Ansprechpartnerin und einen sensibilisierten Ansprechpartner für Homosexuelle".

"Rund 20 Frauen haben zuerst die Petition unterschrieben", sagt Hilke van den Elsen. Die Fischbacher Fußballerin gehört zu den Initiatorinnen und ist damit eine der Erstunterzeichnerinnen dieses Forderungskatalogs an den Verbandschef. Sie unterstrich, dass es ihrer Überzeugung eines Vertreters bedarf, "der sich mit der Thematik auskennt".

Rückendeckung für diese Aktion erhalten die Aktivistinnen von Marcus Urban, dem ersten deutschen geouteten Ex-Fußballprofi. "Eigentlich sind die Forderungen sehr einfach zu erfüllen", sagte er. Woran es mangele, sei Öffentlichkeitsarbeit. "Doch das ist das A und O, um gegen Schwulenhass vorzugehen."

Mittlerweile reagierte SFV-Präsident Schumann mit einem Schreiben an die Initiatorinnen. Darin verteidigt er: Der SFV trete dafür ein, dass in jedem der rund 400 Vereine "ein Klima des Respekts und der Mitmenschlichkeit selbstverständlich ist". Der DFB als Dachorganisation habe im Übrigen die Berliner Erklärung auch für die 21 Landesverbände mitunterzeichnet. SFV-Vizepräsident Adrian Zöhler bestätigt: "Das geschah in Rücksprache mit den jeweiligen Ansprechpartnern auf Landesebene." Allerdings setzten bislang schon der Bremer, der Badische sowie der Württembergische Fußballverband ihre Unterschriften separat unter die Erklärung.

Gleichwohl werde es laut Schumann Anfang 2014 einen Termin mit SFV-Vertretern und Jörg Litwinschuh geben. Der Weiskircher ist geschäftsführender Vorstand der von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Magnus-Hirschfeld-Stiftung, die sich für die Interessen Homosexueller stark macht. Sie ist Hauptverantwortliche der Berliner Erklärung vom Juli. Litwinschuhs Reaktion auf die Fischbacher Petition: "Ich hoffe, dass das Thema Akzeptanz von Lesben und Schwulen zur Chefsache beim SFV wird."

Anstoß zu dieser Debatte gab Bernd Beres (FV Fischbach). Er ging im November als erster saarländischer Schiedsrichter im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung mit seiner sexuellen Orientierung an die Öffentlichkeit.