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"Fußballer sind ziemlich strack"

"Fußballer sind ziemlich strack"

Kutzhof. "Das Bein noch mehr strecken und dann 20 Sekunden halten. Dann wechseln und das Gleiche mit dem anderen Bein", ruft Hanna Balbier über den Rasenplatz des FC Kutzhof, wo Regionalligist SV Elversberg trainiert. Ihr gegenüber knien 22 SVE-Profis und machen Dinge, die auf den ersten Blick wenig mit Fußball zu tun haben

Kutzhof. "Das Bein noch mehr strecken und dann 20 Sekunden halten. Dann wechseln und das Gleiche mit dem anderen Bein", ruft Hanna Balbier über den Rasenplatz des FC Kutzhof, wo Regionalligist SV Elversberg trainiert. Ihr gegenüber knien 22 SVE-Profis und machen Dinge, die auf den ersten Blick wenig mit Fußball zu tun haben. Während sich Trainer Günter Erhardt um Ausdauer, Taktik und Technik kümmert, versucht die 25 Jahre alte Diplom-Sportlehrerin von der Universität des Saarlandes das Verletzungsrisiko bei den Spielern zu verringern. Es geht um mehr Beweglichkeit, um Krafttraining und stabile Muskulatur.

Stürmer Emre Güral berichtet: "Am Anfang war man schon gespannt, wie eine Frau das Training leiten würde. Aber die Übungen sind sinnvoll und machen Spaß." Dabei sagt Balbier: "Fußballer sind in der Regel ziemlich strack und nur einseitig trainiert. Es fehlt einfach eine ausgeglichen trainierte Muskulatur."

Die 25-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund: "Viele Muskelgruppen werden mit normalem Fußball-Training einfach nicht trainiert. Allerdings haben diese Muskelgruppen wichtige Funktionen, wenn es darum geht, Bandapparate in den Fuß- oder Kniegelenken zu stabilisieren. Je besser trainiert diese Muskelgruppen sind, desto geringer ist das Verletzungsrisiko." Balbier bringt neben den SVE-Kickern auch Handball-Mannschaften muskulär auf Vordermann. "Handballer sind wesentlich besser trainiert als Fußballer. Aber die Elversberger haben sich schon verbessert. Am Anfang hatten einige schon richtig Probleme mit manchen Übungen", sagt sie. Torwart Matthias Kuhn ergänzt: "Ich bin positiv überrascht. Das Training ist sehr anstrengend, aber auch sehr gut."

Vier bis fünf Mal pro Woche werden die Spieler von Balbier trainiert. Weniger macht keinen Sinn. "Das Training muss regelmäßig erfolgen. Am besten jeden Tag. Einmal pro Woche bringt so gut wie gar nichts", erklärt Balbier, bevor die nächste Anweisung folgt: In rhythmischen Bewegungen soll das rechte Knie den linken Ellenbogen in Höhe des Bauchnabels berühren. "Mach bloß keine Fotos davon", sagt Spielführer Martin Willmann mit angestrengtem Gesicht, während Denis Omerbegovic mit dem Gleichgewicht zu kämpfen hat. "Das sieht zwar alles komisch aus und ist auch nicht einfach, aber die Übungen bringen was. Das merkt man nach drei Wochen deutlich", kommentiert Omerbegovic das neue Koordinationstraining. Danach wurde es allerdings ernst.

Trainer Erhardt bat zum 30 Minuten dauernden Ausdauertest, mit dem Ergebnis, dass außer Lucas Ollbrich noch kein Spieler optimale Ausdauerwerte vorweisen konnte. "Wir müssen noch ein bisschen zulegen", analysierte Erhardt das Ergebnis zwei Wochen nach dem Trainingsauftakt trocken.

Positiv ist, dass es bis auf eine Meniskusverletzung bei Marc Gross keine schwereren Verletzungen gibt. "Es gibt hier und da Wehwehchen, aber das liegt an der Belastung in der Vorbereitung. Marc muss am kommenden Dienstag am Knie operiert werden. Wie lange er ausfallen wird ist noch nicht klar", sagte Erhardt nach der Trainingseinheit gestern. "Am Anfang war man schon gespannt, wie eine Frau das Training leiten würde."

Emre Güral,

Stürmer der

SV Elversberg