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Fußball: Euro-Youth-Cup der U17 in St. Wendel mit vielen Top-Teams

Renommiertes Jugendturnier : „Wichtig ist, die Spieler nicht zu überlasten“

Der 1. FC Saarbrücken nimmt am Euro-Youth-Cup teil. U 17-Nationaltrainer erklärt, wie es gelingt, junge Spieler zu fördern.

Internationale Fußball-Talente zeigen am kommenden Samstag und Sonntag, 27. und 28. Juli, beim Euro-Youth-Cup im Sportzentrum St. Wendel ihr Können. Auch der 1. FC Saarbrücken ist dabei. Aber wie weit ist eigentlich der Weg, bis ein Spieler in der U 17-Nationalmannschaft auftaucht? Darüber hat U 17-Nationaltrainer Christian Wück in einem Interview mit der SZ gesprochen.

Herr Wück, zum zweiten Mal findet der U 17-Euro-Youth-Cup mit internationaler Beteiligung in St. Wendel statt. Was nehmen die Fußballer an Erfahrungen von solch einem Turnier mit?

Christian Wück: Die Erfahrungen aus solch einem Turnier sind für die Spieler sehr wertvoll, denn sie treffen auf internationale Top-Gegner. Sie lernen dadurch unterschiedliche Spielweisen, Mentalitäten und Taktiken kennen und entwickeln sich somit weiter.

Wird das Turnier, weil auch der Nachwuchs von Bundesligisten am Start ist, von Ihnen vor Ort beäugt?

Wück: Leider kann ich aus privaten Gründen nicht teilnehmen, aber ich lasse mich auf dem Laufenden halten.

Ihr Trainerkollege Stefan Kuntz hat es bei der Europameisterschaft mit der U 21 bis ins Endspiel geschafft. Die jüngeren U-Mannschaften sind derzeit nicht so erfolgreich. Wo sehen Sie die Gründe dafür?

Wück: Dafür gibt es viele Gründe. Auch andere Länder arbeiten gut im Jugendbereich. Mit Blick auf die individuelle Qualität haben uns einige Nationen in den vergangenen Jahren überholt. Wir sind etwas überprofessionalisiert. Das gesamte System und die Interessen der einzelnen Institutionen im Fußball haben leider in den vergangenen Jahren sehr viel Raum eingenommen und die individuelle Entwicklung der Spieler daher behindert. Darunter leiden auch die Ergebnisse im internationalen Vergleich.

Der demografische Wandel hat den Fußball erreicht. Ab dem B-Junioren-Alter wird die Bildung einer Mannschaft für die Vereine schwierig. Spielgemeinschaften bestehen teilweise aus sechs bis acht Clubs. Hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Konzepte, die diesem Problem entgegenwirken?

Wück: Das ist nicht nur ein Problem des Fußballs. Die Angebotsvielfalt wird immer größer. Dazu sind einige Spielformen nicht mehr zeitgemäß. Wir arbeiten daran, Mittel und neue Wege zu finden, den Fußball attraktiv zu halten. Ein ganz entscheidender Schlüssel dabei sind die Trainer. Mit neuen kindgerechten Spielformen, bei denen es vor allem um den Spaß geht, möchten wir mehr Kinder länger beim Fußball halten. Jeder einzelne Spieler ist wichtig.

Wie bauen Sie Ihr Training methodisch auf? Wie unterscheidet sich die Steuerung eines DFB-Trainers in Bezug auf das Spielsystem von der eines Vereinstrainers?

Wück: Wir sind in engem Austausch mit den Spielern. Es ist wichtig, einen Junioren-Spieler nicht zu überlasten, sondern Rücksicht auf Wachstumsphasen zu nehmen und sich klarzumachen, dass die Weiter­entwicklung eines jeden Spielers im Vordergrund steht. Hierfür werden Belastungsdokumente, Einschätzungen und Empfehlungen für die weiteren Wochen unter uns Trainern ausgetauscht.

Viele Spieler sind zu gleichförmig. Individualisten, die nicht immer ins System passen, fehlen. Das wird immer wieder bei Turnieren angesprochen. Muss man an der Basis wieder größeren Wert auf eine andere Trainingsmethodik legen, damit wieder individuell stärkere Spieler in die Spitze gelangen?

Wück: In erster Linie geht es darum, Spieler ganzheitlich auszubilden und sie nicht nur auf eine Fähigkeit zu reduzieren. Spieler brauchen ein gewisses Maß an individueller Freiheit, um kreative Lösungen zu finden. Das sind doch die Spieler, die wir sehen wollen, die eigene Lösungen finden, die mal etwas Überraschendes auf dem Spielfeld machen.

Welches Spielsystem bevorzugen Sie, und ist es auch auf den mittleren Leistungsbereich – Regional- oder Verbandsliga – übertragbar?

Wück: Wir haben in den vergangenen Jahren Leitlinien entwickelt, die aus unserer Sicht elementar sind für Spieler und Mannschaften, um ein Top-Level im Fußball zu erreichen. Diese Leitlinien sind vollkommen unabhängig von Spielsystemen. Wir U-Trainer sind daher an kein System gebunden, sondern wollen durch die Vermittlung von diesen erarbeiteten Leitlinien jeden einzelnen Spieler besser machen und Spiele und Titel gewinnen.

Wie sieht der Weg für einen U 17-Kicker aus, bis er zu Ihnen ins Training kommt?

Wück: Wir sind als U-Trainer in der Lage, drei Jahre intensiv mit einem Jahrgang zu arbeiten. Das heißt, ich beginne in der U 15 mit der Sichtung des Jahrgangs. In enger Abstimmung mit den Vereinen und Landesverbänden versuchen wir, die Spieler langsam auf das Top-Level vorzubereiten. In diesem Zeitraum stehen viele Kurzlehrgänge und die Vermittlung von Leitlinien auf dem Trainingsplan. Erst zum Abschluss des U 15-Jahrgangs haben die Spieler die Möglichkeit, über zwei Länderspiele internationale Erfahrung zu sammeln. Wir sichten viele Vereinsspiele in den Jahrgängen, um Entwicklungen von Spielern zu beobachten und zu fördern. Auch die Landesverbandsmaßnahmen werden von uns oft begleitet – und so ergibt sich mit viel Arbeit, Fleiß und Geduld die Möglichkeit, als U 17-Spieler das erste Mal eine Europameisterschaft zu spielen.

Christian Wück stammt aus der unterfränkischen Marktgemeinde Werneck im Landkreis Schweinfurt. Von 1990 bis 1994 spielte der Offensivakteur für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga. Fünf Jahre war er daraufhin für den Karlsruher SC im Einsatz. Nach einem einjährigen Intermezzo beim VfL Wolfsburg beendete er 2002 seine Karriere bei Arminia Bielefeld als Sportinvalide. Seit 2012 betreut der 46-Jährige diverse U-Mannschaften beim DFB, aktuell ist er für die U 17-Junioren verantwortlich.