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Fußball-WM in Russland
Furcht vor der verkehrten Welt

Irans Trainer Carlos Queiroz gestikuliert auch heute gegen Spanien an der Seitenlinie.
Irans Trainer Carlos Queiroz gestikuliert auch heute gegen Spanien an der Seitenlinie. FOTO: dpa / Li Ming
Kasan. Iran trifft heute als Tabellenführer der Gruppe B auf den WM-Favoriten Spanien.

Der Fehlstart des Weltmeisters hat auch Spaniens Fußballstars aufgeschreckt. „Was Deutschland passiert ist, kann jedem passieren“, mahnte Trainer Fer­nando Hierro vor dem zweiten Gruppenspiel heute (20 Uhr/ARD) gegen Außenseiter Iran. Und Champions-League-Sieger Isco ergänzte: „Es zeigt, wie schwierig diese WM ist. Alle wollen uns überholen.“


Isco und Co. haben zwar nicht wie die deutsche Elf zum Auftakt verloren, sondern beim spektakulären 3:3 gegen Europameister Portugal ihre Klasse demonstriert. Allerdings stehen sie mit nur einem Punkt schon unter Druck: Ein Sieg gegen den überraschenden Tabellenführer ist Pflicht, sonst droht das Aus schon nach der Vorrunde wie 2014.

Das reine Vergnügen ist dagegen diese Weltmeisterschaft bisher für den ehemaligen Real-Madrid-Trainer Carlos Queiroz. Nach dem ersten WM-Sieg seit 20 Jahren grüßt sein iranisches Team erstmals in der Geschichte von Platz eins. „Die Tabellenführung gibt es weder zu kaufen noch zu mieten“, sagte Queiroz: „Das ist kein Wunder und auch keine Zauberei.“



In Teheran hatte der 1:0-Auftaktsieg gegen Marokko einen Jubelsturm ausgelöst. Frauen und Männer feierten und tanzten gemeinsam auf den Straßen und setzten sich damit über alle Verbote hinweg. Es schien, als habe ihr Team die WM gewonnen. „Wenn das Spiel gegen Marokko das Weltmeisterschafts-Finale für uns war“, merkte Queiroz mit einem Schmunzeln an: „Dann wird das Spiel gegen Spanien das Weltall-Meisterschaftsfinale.“

Für den Gegner soll es dagegen nicht mehr als der erste Sieg auf dem Weg ins Endspiel sein – mit dem Tiki-Taka-Fußball, der die Seleccion schon 2010 zum Weltmeister machte, und mit vielen Stars von damals. „Wir müssen mit dem Stil, der uns definiert, bis in den Tod gehen“, sagte Isco. Gegen Portugal gelang das über weite Strecken auf beeindruckende Art und Weise, allein Cristiano Ronaldo verhinderte mit seiner Drei-Tore-Gala einen spanischen Sieg. Den Glauben an die eigene Stärke raubte der Weltfußballer der Furia Roja damit nicht.