Für „Kurzweil“ war stets gesorgt

Für „Kurzweil“ war stets gesorgt

Die Olympischen Spiele der Antike sind für viele Menschen ein Begriff. Auch von den Turnieren der Ritter im Mittelalter haben einige schon gehört, gelesen oder Szenen in Filmen gesehen. Leute, die sich für den Sport auch abseits des aktuellen Geschehens interessieren, wissen vielleicht sogar etwas über die Ballspiele der Maya-Kultur.Wer nur bruchstückhafte Kenntnisse über die Entwicklung der "Leibesübungen" im weitesten Sinne hat und diese erweitern möchte, dem sei die "Kulturgeschichte des Sports" des Saarbrücker Professors Wolfgang Behringer zur Lektüre empfohlen.

In dem Buch erfährt der Interessierte ausführlich und fundiert, wie sich der Sport im Laufe der Jahrtausende entwickelt hat und warum in welchen Epochen welche Art der körperlichen Ertüchtigung "en vogue" war.

"Kurzweil" ist eine früher gebräuchliche Umschreibung des Begriffs Sport. Das mutet angesichts des martialischen bis kriegerischen Charakters so mancher Sportart vom Bogenschießen über das Fechten und Speerwerfen bis zum Biathlon fast anachronistisch an. Doch wer welche Sportart auch immer aus Spaß und zum Zeitvertreib ausübt, kann das tatsächlich als höchst "kurzweilig" empfinden. Und es gab durchaus Epochen, wo diese Leitgedanken im Vordergrund standen. Bei den heutigen Leistungssportlern (und deren Fans) fragt sich der Betrachter hingegen gelegentlich, ob wirklich die Freude überwiegt, oder ob es ums Siegen um (fast) jeden Preis geht. Was nun besser und was schlechter ist, mag jeder für sich entscheiden.

Wolfgang Behringer ermöglicht es allein durch die Stofffülle und das geballte Wissen jedem Leser, sich ohne Bevormundung sein eigenes Bild von der Bedeutung des Sports für die Allgemeinheit und für sich selbst zu machen.

Der Autor hat zudem überaus interessante Eckdaten herausgearbeitet. Im 16. Jahrhundert gab es bereits eine Art Sportunterricht an den Ritterakademien für den Adel. Eine Professionalisierung des Sports bei Wettkampfstätten, Aktiven, Betreuern und Schiedsrichtern setzte im 15. und 16. Jahrhundert ein. Die Kommerzialisierung des Sports begann im 17. Jahrhundert beim Boxen in England. Heute befinden wir uns in einer Ära des globalisierten Sports, der auch ökonomisch in vielen Bereichen eine feste Größe ist.

Neben Fakten, Fakten, Fakten liefert Wolfgang Behringer viele verblüffende Einsichten zum menschlichen Bewegungsdrang, wobei das alles trotz des wissenschaftlichen Anspruchs spannend und unterhaltsam geschrieben ist. Ich finde, dass das Buch das Zeug zum Standardwerk hat.

Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Sports - Vom antiken Olympia bis ins 21. Jahrhundert, Verlag C.H.Beck, München 2012, 494 Seiten mit 62 Abbildungen, ISBN 978-3-406-63205-1, 24,95 Euro.

Mehr von Saarbrücker Zeitung