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Für die Beste ist Sport nicht alles

Für die Beste ist Sport nicht alles

Eine vierte Paralympics-Teilnahme 2020 in Tokio schließt Claudia Nicoleitzik nicht aus. Die 26-Jährige, die bereits sechs paralympische Medaillen gewonnen hat, will aber zunächst einmal andere Prioritäten setzen.

Claudia Nicoleitzik schwelgt kurzzeitig in Erinnerungen. "Wenn die deutsche Fahne für einen bei der Siegerehrung hochgezogen wird - das Gefühl ist unbeschreiblich. Das ist jedes Mal etwas Besonderes, und das werde ich nie vergessen." Die 26-Jährige, so möchte man meinen, ist fast schon ein alter Hase im Geschäft. Ein Rhythmus scheint sich eingestellt zu haben: Alle vier Jahre finden Paralympische Sommerspiele statt - und immer kehrt Nicoleitzik mit zwei Medaillen zurück. Das war vor acht Jahren in Peking genauso der Fall wie 2012 in London - und jetzt, vor gut zwei Wochen, auch in Rio de Janeiro. "Darauf bin ich schon ein bisschen stolz", sagt die Leichtathletin fast schon verlegen mit Blick auf die neuesten Medaillen.

Nach drei Wochen Abenteuer in Brasilien ist Nicoleitzik wieder in heimischen Gefilden angekommen. "Die Zeit ist sehr schnell vorbeigegangen", erzählt sie: "Wir waren insgesamt drei Wochen dort, aber ich habe schnell wieder in den Rhythmus zurückgefunden. Hier ist schon wieder alles wie vorher." Nach ihrer Ankunft am vergangenen Donnerstag hat sie sich ein wenig von den Strapazen erholt und lässt sich "überraschen, was so ansteht".

Aber egal, wo sie in diesen Tagen hingeht - die beiden Errungenschaften kommen meistens mit. Silber und Bronze gab es dieses Jahr für Nicoleitzik - über 100 Meter (14,64 Sekunden/persönliche Bestleistung) und 200 Meter (31,13). Auf den selben Distanzen schnappte sie sich 2008 in Peking zwei Mal die Silbermedaille, vor vier Jahren in London gab es dann jeweils Bronze. Die sechs Medaillen sind für Nicoleitzik, die beim TV Püttlingen von Evi Raubuch trainiert wird, alle gleichbedeutend. "Mit meiner Trainerin arbeite ich jetzt seit zwölf Jahren zusammen, ich muss für jede Leistung sehr hart trainieren. Deswegen ist jede einzelne Medaille etwas Besonderes. Dieses Mal habe ich nochmal mehr gearbeitet, weil ich unbedingt aufs Treppchen wollte", sagt Nicoleitzik, deren Bewegungskoordination durch eine Ataxie gestört ist.

Ihre Erfolge haben dazu beigetragen, dass Claudia Nicoleitzik Aushängeschild und Gesicht des saarländischen Behindertensports ist. Unter den vier Athletinnen vom Stützpunkt Saarbrücken , die mit nach Rio fuhren (auch Nicole Nicoleitzik, Vanessa Braun und Maike Hausberger), war sie die erfahrenste und erfolgreichste. Das erfülle sie mit Stolz, sagt die Sprinterin: "Die Medaillen motivieren mich weiterzumachen. Die Vorbereitung auf die Paralympics ist ziemlich anstrengend, deswegen bin ich noch nicht sicher, ob ich 2020 in Tokio antreten kann." Die Atmosphäre im Stadion sowie im Paralympischen Dorf alleine seien für sie Ansporn genug, sich noch einmal zu qualifizieren. "Außerdem ist es ein tolles Gefühl, bei der Eröffnungsfeier einzumarschieren", sagt sie.

Trotzdem ist der Sport nicht alles in Nicoleitziks Leben. Als sie mit 14 Jahren anfing zu trainieren, war er für sie sowieso nur eine Art Therapie, die verhindern sollte, dass sich ihre Krankheit noch mehr ausbreitet. "Dass daraus dann Leistungssport wird, hatte ich nicht erwartet", sagt sie. Deswegen konzentriert sie sich auch weiterhin fest auf ihre berufliche Laufbahn: "An erster Stelle ist mir wichtig, dass ich beruflich gut unter bin. Und dann kommt erst der Sport." Ab Oktober wird sie ein Praktikum beim Landessportverband für das Saarland beginnen. "Wir warten mal ab, wie ich klar komme - und dann schauen wir, in welche Richtung es weitergeht", sagt sie. Eine Richtung wird Claudia Nicoleitzik aber nicht aus den Augen verlieren: ihre vierten Paralympics - vielleicht ja wieder mit zwei Medaillen.