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| 20:45 Uhr

Doping im Radsport
Froome sorgt für einen „Totalschaden“

Nicht nur bei der Tour de France, auch bei der Vuelta war Christopher Froome nicht zu schlagen. Ging es in Spanien mit rechten Dingen zu?
Nicht nur bei der Tour de France, auch bei der Vuelta war Christopher Froome nicht zu schlagen. Ging es in Spanien mit rechten Dingen zu? FOTO: Yuzuru Sunada / dpa
London. Der Radsport-Weltverband bestätigt eine positive Dopingprobe beim Vuelta-Gewinner. Noch ist er nicht suspendiert.

Dem Radsport droht der größte Skandal seit dem tiefen Fall von Lance Armstrong: Der viermalige Tour-de-France-Gewinner Christopher Froome ist bei seinem Vuelta-Triumph im September bei einer Dopingprobe positiv getestet worden. Dies teilte der Radsport-Weltverband UCI gestern mit. Damit steht Froomes Karriere auf dem Spiel. In der Urinprobe des 32-jährigen Briten vom Team Sky wurde während der Spanien-Rundfahrt eine unzulässig hohe Konzentration des Asthmamittels Salbutamol festgestellt. Die B-Probe bestätigte das Ergebnis der A-Probe.

„Es ist wieder ein Totalschaden“, sagte der Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel. Der Radsport habe „gerade den Kopf aus dem Loch gesteckt, sich langsam erholt, da kriegt er sofort eine mit dem Hammer drauf. Es trifft die gesamte Branche.“

Froome teilte in einer Erklärung mit: „Es ist weithin bekannt, dass ich Asthma habe, und ich kenne die Regeln genau. Ich weiß auch, dass ich jeden Tag getestet werde, wenn ich Spitzenreiter bin.“ Weiter heißt es: „Mein Asthma wurde während der Vuelta schlimmer. Und so habe ich die Anweisungen der Teamärzte befolgt, meine Salbutamol-Dosierung zu erhöhen. Aber wie immer habe ich mit größter Sorgfalt darauf geachtet, dass die erlaubte Dosierung nicht überschritten wird.“

Er nehme seine Führungsposition im Radsport sehr ernst, fuhr Froome fort. Die UCI habe absolut das Recht, die Testergebnisse zu prüfen, „und zusammen mit dem Team werde ich alle Informationen, die sie benötigt, zur Verfügung stellen“.

Teamchef Sir Dave Brailsford stellte sich in einer ersten Reaktion hinter seinen Star: „Ich habe die volle Überzeugung, dass Chris den medizinischen Anweisungen gefolgt ist, innerhalb der erlaubten Dosierung von Salbutamol zu bleiben.“

Die UCI sah gestern gemäß ihren Regeln noch von einer Suspendierung ab, sie will zunächst weitere Informationen von Team und Fahrer einholen. Im Fall einer Sperre wäre die Karriere von Froome ernsthaft in Gefahr, eine Entlassung bei Sky wäre eine konsequente Folge. Dies ist in Verträgen im Radsport nach den vielen Skandalen der Vergangenheit üblicherweise so vorgesehen.

Bei Salbutamol handelt es sich um ein Mittel, das bei einem entsprechenden Nachweis einer Asthma- oder Bronchial-Erkrankung mit einer UCI-Genehmigung verwendet werden darf, allerdings nur mit einer Konzentration von 1000 Nanogramm pro Milliliter. Bei Froome wurden in der Probe vom 7. September 2000 Nanogramm festgestellt.

Einen gesicherten wissenschaftlichen Nachweis für eine leistungssteigernde Wirkung gibt es nicht. Sörgel hält aufgrund der Komplexität eine lange Sperre des Topstars für unwahrscheinlich. „Es gibt sehr gute Chancen für ein Gutachten. Es wird wissenschaftliche Literatur geben, die dafür sorgt, dass er mit einer geringen Strafe davonkommt“, sagte der Nürnberger Pharmakologe.

Sperren bei Salbutamol-Fällen im Radsport hat es in der Vergangenheit gegeben. So wurde der italienische Sprinterstar Alessandro Petacchi 2008 für eine nachgewiesene Konzentration von 1360 Nanogramm für zwölf Monate gesperrt. Landsmann Diego Ulissi erhielt bei einer Konzentration von gut 1900 Nanogramm neun Monate.

Der in Kenia geborene Froome hatte am 10. September in Madrid als dritter Fahrer nach den Franzosen Jacques Anquetil (1963) und Bernard Hinault (1978) das Sieg-Double aus Tour und Vuelta geschafft. Er hatte bei der Vuelta zwei Etappen gewonnen und ab dem dritten Teilstück das Rote Trikot des Spitzenreiters getragen. Die Urinprobe mit dem positiven Testergebnis wurde einen Tag nach seinem Rückschlag bei der Bergankunft Alto de Las Machucos genommen. Mit der erhöhten Konzentration im Körper gelang es ihm am Tag darauf, den Vorsprung auf Rivale Vincenzo Nibali um 21 Sekunden auszubauen.