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Freiwasserschwimmerin Bosslet will 2019 durchstarten

Schwimmen : Ungewöhnlicher Weg für den Olympia-Traum

Von Kapstadt, über São Paulo nach Montpellier: Die saarländische Schwimmerin Sarah Bosslet will 2019 den Durchbruch schaffen.

Sarah Bosslet wirkt unbeschwert und fröhlich. Die erste Trainingseinheit des Tages an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken hat sie hinter sich, Physiotherapie und eine Einheit am Nachmittag stehen noch an. Die Freiwasserschwimmerin von den Schwimmfreunden St. Ingbert, die als eine der Besten Deutschlands gilt, ist über die Feiertage auf Heimatbesuch gewesen. Trainiert wird trotzdem jeden Tag, außer sonntags.

Diese Woche geht es für die Lehramtsstudentin (Biologie und Mathe) wieder zurück in ihre neue Wahlheimat – Montpellier. Es war ihr erster Besuch im Saarland seit ihrem Umzug, erzählt sie. Seit September lebt sie nun schon in der Stadt an der französischen Mittelmeerküste, hat dort eine eigene kleine Wohnung mit Balkon. Mit ihrem Studium ist die 25-Jährige so gut wie fertig.

Das sind gute Nachrichten. Vor allem, wenn man weiß, dass hinter der Sportlerin kein einfaches Jahr liegt. Zuerst verließ im vergangenen Winter der ehemalige Landestrainer Hannes Vitense das Saarland. Ein schwerer Schlag – nicht nur für Bosslet, die heute noch immer regelmäßig Kontakt zu ihrem ehemaligen Trainer und Berater hat. „Ich habe 13 Jahre bei ihm trainiert. Er hat mich quasi von den Kinderschuhen an großgezogen und zu der Sportlerin geformt, die ich heute bin“, erzählt Bosslet.

Anstatt ihm – wie viele andere saarländische Top-Athleten – nach Neckarsulm zu folgen, entschloss sich die St. Ingberterin, einer Einladung in eine internationale Trainingsgruppe zu folgen – in Kapstadt. Eine einmalige Chance, da in dieser Gruppe unter anderem die Brasilianerin Ana Marcela Cunha, die weltweit als beste Freiwasserschwimmerin gilt, und deren Trainer Fernando Possenti vertreten waren.

„Ich war sechs Wochen dort, und das Projekt hat sich plötzlich in Luft aufgelöst“, sagt Bosslet. Da das Training in dieser Konstellation aber passte, folgte sie Cunha und Possenti nach São Paulo. In der brasilianischen Großstadt fühlte sich die Saarländerin jedoch nicht wohl. „Das war gar nichts für mich. Ich konnte die Sprache nicht und war die meiste Zeit relativ alleine“, erzählt die Saarländerin. Nach fünf Wochen entschied sie sich für eine Rückkehr in die Heimat.

Es folgte eine schwierige Zeit für die ehrgeizige Freiwasserschwimmerin – ohne Trainer und ohne Gewissheit, wie es weitergehen soll. „Durch dieses Hin und Her fehlten mir einfach der richtige Fokus und die richtige Vorbereitung“, sagt Bosslet. Dementsprechend lief es in den Wettkämpfen: Für die EM in Schottland im August qualifizierte sie sich gar nicht erst.

Ganz nach dem Motto „Alles oder nichts“ und der festen Überzeugung, dass noch mehr in ihr steckt, entschied sie sich, wie ihr Saarbrücker Freiwasser-Kollege Andreas Waschburger nach Montpellier zu gehen, um dort bei dem französischen Star-Trainer Philippe Lucas zu trainieren, der als einer der härtesten Übungsleiter im Schwimm-Geschäft gilt. „Am ersten Tag hatte ich noch Angst vor ihm“, erzählt sie lachend. Nicht ohne Grund, denn Lucas’ Image ist so hart wie sein Training. „Manchmal bin ich so platt, dass ich schon um 20 Uhr schlafe. Das hatte ich hier in Saarbrücken selten“, erzählt Bosslet.

Nach knapp vier Monaten in Montpellier sieht sie mittlerweile die ersten Fortschritte. Beim Weltcup in Abu Dhabi, dem ersten Teil der Qualifikation für die WM 2019 in Südkorea, landete Bosslet im November über zehn Kilometer auf Platz 26. Der zweite Weltcup findet im Februar in Doha statt. Die beiden Rennen werden zusammengezählt, und die zwei besten deutschen Freiwasserschwimmer qualifizieren sich für die WM. In Doha sieht sie ihre Chance vor allem über fünf und 25 Kilometer. „Ich will endlich diesen Schritt nach vorne machen und nicht immer nur mitschwimmen“, sagt sie klar und hat die Olympischen Sommerspiele 2020 im Visier.