| 21:14 Uhr

Skiflug-WM in Oberstdorf
Freitag wie Phönix aus der Asche

Richard Freitag ließ sich auf der Heini-Klopfer-Schanze auch vom mäßigen Wetter nicht beeindrucken und zeigte zwei starke Sprünge.
Richard Freitag ließ sich auf der Heini-Klopfer-Schanze auch vom mäßigen Wetter nicht beeindrucken und zeigte zwei starke Sprünge. FOTO: Karl-Josef Hildenbrand / dpa
Oberstdorf. Skispringer liegt bei der Skiflug-WM in Oberstdorf auf Medaillenkurs.

Richard Freitag riss voller Adrenalin die Arme in die Höhe, die erträumte WM-Medaille ist zum Greifen nah: Deutschlands bester Skispringer hat zwei Wochen nach seinem Sturz bei der Vierschanzentournee eine starke Rückkehr gefeiert und am ersten Tag der Flug-WM in Obertsdorf groß aufgetrumpft. Freitag liegt zur Halbzeit der Weitenjagd in seiner Wahlheimat hinter dem Norweger Daniel Andre Tande auf Rang zwei.


„Das waren zwei schöne Flüge, ich freue mich tierisch. So nervös war ich schon lange nicht mehr, das muss ich gestehen“, sagte Freitag. Im ersten Wettkampf nach seinem Sturz in Innsbruck segelte der 26-Jährige trotz Hüftschmerzen auf 228,0 und 225,0 Meter. Mit 438,7 Punkten liegt Freitag nur hinter dem überragenden Tande (449,6), Dritter ist der polnische Tournee-Triumphator Kamil Stoch (431,8). Die Entscheidung fällt an diesem Samstag (16 Uhr/ARD und Eurosport) in zwei weiteren Durchgängen.

„Was Richard hier macht, ist eine ganz große Leistung“, sagte Christian Winkler. Der deutsche Co-Trainer vertrat in Oberstdorf den erkrankten Bundestrainer Werner Schuster. Auch Holger Freitag, einst ebenfalls erfolgreicher Skispringer, lobte seinen Sohn: „So kurz nach dem Sturz – das ist ganz großer Sport. Das kann man gar nicht in Worte fassen.“

Weil der Österreicher Stefan Kraft als Vierter mit 412,3 Punkten schon einen deutlichen Rückstand auf den Sachsen hat, darf Freitag bereits mit einer Medaille liebäugeln. Gut im Rennen liegt auch Andreas Wellinger (Ruhpolding), der auf 206,0 und 207,0 Meter kam und mit 398,3 Zählern den achten Rang belegt. „Die Schritte sind klein, es geht in die richtige Richtung. Aber ich komme noch nicht richtig ins Gleiten“, sagte Wellinger, der in der Qualifikation seinen Schanzenrekord an Tande verloren hatte. Der Norweger verbesserte die erst ein Jahr alte Bestmarke auf der Heini-Klopfer-Schanze um einen halben Meter auf 238,5 Meter.

Die übrigen DSV-Adler blieben etwas hinter den Erwartungen zurück. Der deutsche Rekordhalter Markus Eisenbichler (Siegsdorf/197,5 und 205,5 Meter) belegt den zwölften Rang, Stephan Leyhe (Willingen/183,5 und 197,5) folgt auf Platz 19. Lokalmatador Karl Geiger (Oberstdorf) musste nach einem mäßigen Auftritt im Training zuschauen, da pro Nation nur vier Starter erlaubt sind.



Eine Schrecksekunde gab es im ersten Durchgang bei einem Sturz von Michael Hayböck. Der Österreicher kam nach der Landung zu Fall, stand aber sofort wieder auf eigenen Beinen. „Er hat Schmerzen im Ellbogenbereich“, sagte Österreichs Cheftrainer Heinz Kuttin. Hayböck stieg aus dem Wettkampf aus.