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| 20:45 Uhr

Skispringen
Freitag und der Fluch von Engelberg

Skispringer Richard Freitag blickt ein wenig skeptisch auf das Weltcup-Wochenende in Engelberg in der Schweiz. In der Vergangenheit war die Tournee-Generalprobe meist wenig aussagekräftig.
Skispringer Richard Freitag blickt ein wenig skeptisch auf das Weltcup-Wochenende in Engelberg in der Schweiz. In der Vergangenheit war die Tournee-Generalprobe meist wenig aussagekräftig. FOTO: Patrick Seeger / dpa
Engelberg. Der Skispringer dominiert den Weltcup. Am Wochenende steht die Generalprobe für die Vierschanzentournee an.

Es ist die Ruhe vor dem Vier-Schanzen-Sturm: Im beschaulichen Schweizer Engelberg proben die deutschen Skispringer um die zuletzt beängstigend starken Richard Freitag und Andreas Wellinger den Ernstfall. Die Favoritenrolle im Kampf um den ersten deutschen Tournee-Gesamtsieg seit 16 Jahren ist der derzeitigen Nummer eins und zwei im Weltcup-Ranking schon vor der Generalprobe eigentlich nicht mehr zu nehmen – wäre da nicht der Engelberg-Fluch.

„Ich bin schon einmal mit einem Sieg in Engelberg zur Tournee gefahren. Aber dort, das ist einfach etwas ganz anderes“, sagt Freitag vor den Einzelspringen an diesem Samstag und Sonntag. Die Geschichte der altehrwürdigen Gross-Titlis-Schanze lehrt: Wer dort glänzt, den erwischt oftmals die gefürchtete Weihnachts-Delle – und er enttäuscht beim ersten Saisonhöhepunkt.

So war es 2014 bei Freitag, der in Engelberg triumphierte und zum Sieganwärter für die Vierschanzentournee aufstieg. Die ging dann zwar mit Gesamtplatz sechs – dem besten seiner Karriere – und einem Tageserfolg in Innsbruck nicht völlig in die Hose, wie so oft in seiner Laufbahn blieb Freitag aber hinter den Erwartungen zurück.

Das aber soll der alte Freitag gewesen sein, der neue ist nicht nur dank mittlerweile doch zünftigen Schnurrbarts und Gelben Trikots kaum wiederzuerkennen: Sieg und Platz zwei hinter Wellinger in Nischni Tagil, Sieg vor Wellinger in Titisee-Neustadt. Aber auch wenn Freitag derzeit so stabil wirkt wie nie in seiner Karriere, warnt Bundestrainer Werner Schuster davor, den Rausch des Augenblicks zur dauerhaften Erwartung zu machen. „Es wird nicht Doppelsiege bis Mitte März geben“, sagt der Österreicher auch mit Blick auf die Winterspiele in Südkorea. Ein Rückschlag schon in Engelberg liegt im Bereich des Möglichen, wäre aber nicht einmal tragisch. Denn als Omen taugt das Abschneiden in der Schweiz nicht.

Seit 2006 gab es 14 verschiedene Sieger am Titlis – nur drei gewannen danach auch die Tournee, zuletzt 2015/2016 Peter Prevc. Im Vorjahr setzten sich Domen Prevc und Michael Hayböck durch. Ersterer wurde anschließend Tournee-Neunter und verlor danach bis heute völlig die Form – erst in Engelberg feiert Sloweniens Wunderkind nun seinen Saisoneinstand im Weltcup. Hayböck beendete die Tournee als 19. und gewann seitdem nichts mehr. Doch auch umgekehrt funktioniert die Engelbergsche (Un-)Konstante: Sven Hannawald verabschiedete sich im Dezember 2001 mit Platz 15 in Richtung Tournee – und feierte dort seinen legendären Grand Slam.

Somit ist es für Richard Freitag nur in zweiter Linie wichtig, wie er seine Form von Titisee auf seine Lieblingsschanze bringt, auf der er auch in schwachen Karrierejahren überzeugte (nie schlechter als Platz acht seit 2012). Vielmehr – Stichwort Weihnachts-Delle – kommt es darauf an, wie der Sachse die Zeit zwischen Engelberg und Tournee überbrückt. „Das sind ja immerhin noch zwei Wochen“, sagt Schuster: „Und wer weiß, wer von den anderen da noch kommt.“ Engelberg gibt ja bekanntlich nur ungern Aufschluss.