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Frauenfußball: Lena Lattwein und die TSG Hoffenheim mischen Bundesliga auf

Auch eine Saarländerin hat Anteil am Erfolg : Das Hoffenheimer Modell trägt Früchte

Die TSG mit der Saarländerin Lena Lattwein ist die neue dritte Kraft im deutschen Frauenfußball.

Der Blick auf die Tabelle macht Ralf Zwanziger Spaß. „Es fühlt sich gut an“, sagte der Leiter des Mädchen- und Frauenfußballförderzentrums der TSG Hoffenheim. Bundesliga-Zweiter hinter dem Serienmeister VfL Wolfsburg, noch vor den großen FC Bayern – der Ausbildungsverein ist Anwärter für die Champions League.

Doch es geht gleich knallhart los nach der Winterpause. An diesem Freitag (19.15 Uhr/Eurosport) empfängt die TSG die Wolfsburgerinnen zum Spitzenspiel, noch nie gelang gegen den Branchenprimus ein Punktgewinn. Doch das Selbstvertrauen ist gestiegen im Kraichgau. „Wir können Wolfsburg ärgern, aber dafür muss alles passen“, sagte Zwanziger, Sohn des früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, und seit der Gründung 2007 für die Hoffenheimer Frauenfußball-Abteilung zuständig.

Beim VfL setzte es die einzige Niederlage der ersten Saisonhälfte (0:3). „Dass die Ausbeute so gut ist, das überrascht uns ein bisschen“, gibt Zwanziger zu, „aber die Leistung an sich nicht.“ Denn Grundzutaten für das Erfolgsrezept sind Kontinuität – Trainer Jürgen Ehrmann ist beispielsweise schon seit zwölf Jahren an Bord -– und ganzheitliche Förderung von Talenten.

In einer Zeit, in der die Rufe nach mehr Engagement von Männer-Lizenzklubs in Deutschland lauter werden, nennt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg das TSG-Modell vorbildlich. „Sie ernten die Früchte einer langfristig angelegten, strukturierten Arbeit. Das fing mit dem Aufbau des Leistungszentrums für Mädchen an. Und sie haben eine klare Spielidee. Das ist ein klares Signal, wie es gehen kann.“

Noch ein großes Pfund ist die Anbindung an die vorzügliche „Infrastruktur der Profis“, wie Zwanziger es ausdrückt. Und, natürlich: Birgit Prinz. Denn die dreimalige Weltfußballerin und Rekordnationalspielerin arbeitet als Sportpsychologin bereits seit 2013 bei der TSG.

„Der mentale Aspekt gehört bei uns schon lange dazu. Birgit erfüllt diese Rolle perfekt, auch weil sie ihre eigenen Erfahrungen mitbringt“, sagt Zwanziger. Zudem mischt die frühere Stürmerin auf dem Platz mit, wenn es ums Torschusstraining geht. Die 42-Jährige wäre natürlich auch eine perfekte Botschafterin für den Verein, doch Prinz hat sich nach ihrem Karriereende aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Aushängeschilder in Form von Weltstars hat der Kader der TSG (noch) nicht zu bieten, dafür junge Nationalspielerinnen wie Lena Lattwein (19) oder die österreichische Torjägerin Nicole Billa (14 Saisontore). Nur Wolfsburg-Star Pernille Harder (18) hat in dieser Spielzeit häufiger getroffen. Die Hüttigweilerin Lattwein hat sich in Hoffenheim sehr gut entwickelt, verlängerte vor einem Monat bis 2021. Für Lattwein, aktuell neben Kim Fellhauer (SC Freiburg) die einzige Saarländerin in der höchsten Spielklasse, läuft derzeit die dritte Spielzeit bei der TSG, in elf Partien erzielte Lattwein vier Tore.

Die Bodenhaftung verlieren sie bei allem Erfolg nicht bei der TSG, auch wenn Zwanziger sagt: „Unser Ziel ist die Champions League. Das betrifft aber nicht allein diese Saison.“ Die ursprüngliche Vorgabe, im siebten Bundesliga-Jahr erstmals die 40-Punkte-Marke zu knacken, ist nur noch sechs Zähler entfernt.

An ihrem Konzept halten sie im Kraichgau vorerst fest. Man werde nicht „hingehen und europäische Topspielerinnen holen. Das können wir nicht.“ Die Lücke zu einem Kader wie Wolfsburg zu schließen, das sei „Stand heute nicht absehbar“. Auch wenn die Lücke in der Tabelle derzeit nur drei Punkte beträgt.