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Franziska will bei DM in Chemnitz Dominator Boll beerben

Tischtennis : Franziska will Dominator Boll beerben

Der Saarbrücker ist einer der beiden Topfavoriten auf den Titel bei den deutschen Tischtennis-Meisterschaften.

Der amtierende deutsche Meister ist nicht dabei. Timo Boll hat nach 13 Titeln genug. Wenn an diesem Wochende in der Chemnitzer Richard-Hartmann-Halle die 88. deutschen Tischtennis-Meisterschaften in den Einzel-, Doppel- und Mixedwettbewerben stattfinden, steht eine Frage im Mittelpunkt: Wer wird Bolls Erbe antreten?

Dabei lässt ein Blick auf die Weltrangliste schnell erkennen, dass zwei Spieler herausstechen: Dimitrij Ovtcharov, der auf Rang zehn aktuell bestplatzierte Deutsche, und Patrick Franziska vom 1. FC Saarbrücken, der in der Weltrangliste nur vier Plätze dahinter rangiert. „Die deutschen Meisterschaften sind ein Prestige-Event. Außerdem haben wir in Deutschland neben den German Open nicht so viele Termine. Deshalb ist es mein Ziel, einmal deutscher Einzelmeister zu werden“, sagt Franziska: „Ich habe jetzt schon öfter bei der DM gegen Timo verloren – meistens im Halbfinale oder Finale. In diesem Jahr ist er nicht mehr dabei. Vielleicht klappt es ja diesmal.“

Eine dieser Niederlagen gegen Boll erlitt Franziska im vergangenen Jahr, als er im Finale mit 0:4 unterlag. Ein Grund für die überraschend deutliche Niederlage war, dass Franziska auf allen drei Hochzeiten tanzte – und zwar bis zum Finale. Im Mixed hatte er kurz vor dem Spiel gegen Boll mit Petrissa Solja den Meistertitel gegen Shan Xiaona und Ricardo Walther gewonnen. Mit Letzterem hatte er auch im Herren-Doppel den Sprung ins Endspiel geschafft, wo die beiden gegen Dang Qiu und Benedikt Duda mit 1:3 verloren. „Da bin ich wirklich fast von Tisch zu Tisch gerannt. Und am Ende war dann die Luft raus“, erinnert sich Franziska an den wahrhaftigen Final-Marathon von Wetzlar.

Damit ihm das dieses Mal nicht passiert – und sicherlich auch, um sich mit Blick auf den Saisonhöhepunkt Olympia ein paar Kräfte zu sparen – tritt der 27-Jährige in Chemnitz nur im Einzel an. „Wir haben in Deutschland eine große Breite an Spitzenspielern, die den Titel gewinnen können – allen voran natürlich Dima“, sagt Franziska auf die Frage nach den Titelkonkurrenten, zu denen er neben dem unter dem Spitznamen „Dima“ bekannten Ovtcharov auch Walther, Duda und Dang Qiu zählt. „Die haben alle in letzter Zeit sehr stark gespielt. Bei den deutschen Meisterschaften ist die Chance für viele groß, sich nach vorne zu spielen“, findet Franziska.

Dennoch, und dazu muss man kein Experte sein, wird der Weg zum Einzeltitel bei den Männern nur über Franziska und Ovtcharov führen. Im Gegensatz zu Franziska hat Ovtcharov bereits einen Meistertitel auf der Habenseite. 2014 gewann der 31-Jährige die nationalen Titelkämpfe. Darüber, dass er in den vergangenen Wochen überspielt wirkte, macht sich Franziska nicht verrückt. „Klar kann ich besser Tischtennis spielen. Aber solche Phasen gibt es. Ich hoffe, dass ich dafür in den wirklich wichtigen Spielen in Topform bin“, bleibt der gebürtige Bensheimer ganz cool. Sollte es zum direkten Aufeinandertreffen der beiden Topfavoriten kommen, wird Franziska gegen seinen Nationalmannschafts-Kollegen „doppelt motiviert“ sein, wie er sagt.

Die Vereine der Topfavoriten dürften das Duell mit besonderem Interesse verfolgen. Denn nur einen Monat später treffen die Nationalspieler – Franziska mit dem 1. FC Saarbrücken Tischtennis und Ovtcharov mit dem russischen Titelverteidiger Fakel Orenburg – im Halbfinale der Champions League erneut aufeinander. Auch dafür wollen die beiden Leitwölfe ihrer Clubs in Chemnitz eine Duftmarke setzen.