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Franziska hat den Horror hinter sich

Seine Premierensaison beim 1. FC Saarbrücken ist vorbei, bei der Einzel-Weltmeisterschaft in Düsseldorf will Patrick Franziska an sein starkes WM-Ergebnis von 2015 anknüpfen. Foto: Ruppenthal
Seine Premierensaison beim 1. FC Saarbrücken ist vorbei, bei der Einzel-Weltmeisterschaft in Düsseldorf will Patrick Franziska an sein starkes WM-Ergebnis von 2015 anknüpfen. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Düsseldorf. Heute startet die Tischtennis-WM in Düsseldorf. Für den deutschen Verband sind die Titelkämpfe ein Meilenstein. Tobias Fuchs

Niemand sollte sie verpassen. Deshalb lief auf der Internetseite der Tischtennis-WM seit Monaten ein Countdown. Heute wird das Großereignis auf dem Messegelände in Düsseldorf beginnen. Es dauert eine Woche, bis Pfingstmontag. Für Deutschland startet jemand, bei dem lange unklar war, ob er pünktlich fit sein würde: Patrick Franziska, einer der Topspieler des 1. FC Saarbrücken in der Bundesliga.


Dass der 24-Jährige zu den besten Tischtennis-Profis in Deutschland gehört, steht außer Frage. Aber sein Körper spielte in den vergangenen Monaten nicht mit. Hüftprobleme zwangen ihn im Winter zu einer Pause, deren Ende lange nicht absehbar war. Die Heim-WM hatte er aber immer im Blick. "Das war schon der Horror für mich", erinnert sich Franziska: "Das Schlimme war, dass ich nicht einschätzen konnte: Schaffe ich es, schaffe ich es nicht?"

Nun wird Franziska dabei sein. Bundestrainer Jörg Rosskopf nominierte ihn für den Einzel-Wettbewerb - neben Dimitrij Ovtcharov (Fakel Orenburg), Timo Boll (Borussia Düsseldorf) und dem Ex-Saarbrücker Bastian Steger (Werder Bremen). Dieses Quartett bildet den A-Kader, nahm 2016 auch an den Olympischen Spielen in Rio teil. Ovtcharov steht in der Weltrangliste als bester Deutscher auf Platz fünf. Boll kehrte vor der WM als Achter in die Top Zehn zurück. Außerdem gehen Ruwen Filus (Fulda-Maberzell) und Ricardo Walther (Bergneustadt) an den Start. Steffen Mengel und Benedikt Duda (beide Bergneustadt), die nur im Mixed dabei sind, komplettieren die Mannschaft des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). "Alle haben den internen Wettbewerb sehr gut angenommen", lobt Roßkopf, der sein Team zuletzt bei zwei Lehrgängen im Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf vorbereitete.



Die letzte Einzel-WM fand 2015 im chinesischen Suzhou statt. Damals erreichten Boll und Franziska das Viertelfinale. Für den Saarbrücker das beste Ergebnis bisher. "Da hat so gut wie alles gepasst", sagt Franziska. Und diesmal? Trotz seiner Verletzungspause gehört er im Einzel-Wettbewerb zu den 64 gesetzten Spielern, aber nicht zu den Top 32. Das heißt: Franziska muss in der ersten Runde einen Qualifikanten schlagen.

Der Rechtshänder tritt aber nicht nur im Einzel an. Mit dem Dänen Jonathan Groth bildet er ein aussichtsreiches Doppel. Das Duo gewann im Herbst 2016 den EM-Titel, ist in Düsseldorf an Nummer zwei gesetzt. "Das hat uns sehr verwundert", sagt Franziska über diese Platzierung. Allzu aussagekräftig ist sie nicht. So findet sich das aus Boll und dem Weltranglisten-Ersten Ma Long bestehende Doppel im unteren Mittelfeld. Mit diesen Schwergewichten könnten es Franziska und sein Partner deshalb früh zu tun bekommen. Trotz der Setzliste.

Für den DTTB ist die WM in Düsseldorf ein Meilenstein. Vor dem Start wirbt der Verband mit Superlativen. Die Weltmeisterschaft sei die größte Hallensportveranstaltung der Welt. Auf dem Messegelände sind 50 000 Quadratmeter für Tischtennis reserviert. 50 000 Tickets standen zur Verfügung, fast alle sind verkauft. Erwartet werden 700 Sportler aus 170 Ländern. Zuletzt fand die Einzel-WM vor 28 Jahren in Deutschland statt, damals in Dortmund. Bundestrainer Roßkopf holte mit Steffen Fetzner den Titel im Doppel. Ein solcher Erfolg im eigenen Land könnte dem Sport viel Aufmerksamkeit bringen.

Franziska hat registriert, dass sich schon jetzt mehr Menschen für Tischtennis interessieren. Auch wegen der WM vor der Haustür. Als er sich mit der Nationalmannschaft in Düsseldorf traf, wurde er sogar auf der Straße angesprochen. Das geschieht sonst eher selten, obwohl er früher für den deutschen Rekordmeister Borussia Düsseldorf spielte, bis April in der Rhein-Metropole wohnte.

Auch wenn er Ortskenntnisse besitzt: Franziska ist früh angereist, machte sich mit allen Wegen vertraut. "Auf dem Messegelände war ich erst einmal", erzählt er. Dort wird der Deutsche nicht der einzige Saarbrücker sein: Der Portugiese Tiago Apolonia gilt als einer der Stars des Turniers. FCS-Kapitän Bojan Tokic startet für Slowenien - ebenso Deni Kozul, eine Saarbrücker Neuverpflichtung für die zweite Mannschaft. Mit dem Tschechen Tomas Polansky geht außerdem einer von Kozuls zukünftigen Mitspielern an den Start. So eine WM will schließlich niemand verpassen.

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Petrissa Solja führt die deutschen Frauen an Bei der Tischtennis-WM in Düsseldorf kämpfen bis 5. Juni rund 700 Spieler aus 170 Ländern um Titel in Einzel, Doppel und Mixed. Der Weltverband ITTF veranstaltet die WM jährlich, aber im Wechsel: 2017 stehen die Einzelsportler im Fokus, in geraden Jahren die Teams. Der Deutsche Tischtennis-Bund nominierte bei den Männern Dimitrij Ovtcharov (Fakel Orenburg), Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Bastian Steger (Werder Bremen), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken), Ruwen Filus (TTC Fulda-Maberzell) und Ricardo Walther (TTC Bergneustadt). Steffen Mengel und Benedikt Duda (beide Bergneustadt) sind im Mixed dabei. Die Frauen führt Petrissa Solja, früher TTSV Fraulautern, heute TTC Berlin Eastside, an. Außerdem im Aufgebot: Sabine Winter, Kristin Silbereisen (beide Kolbermoor), Nina Mittelham (Bad Driburg), Chantal Mantz (Berlin) und Yuan Wan (Bingen).