Forum in Saarbrücken: Cacau und Jimmy Hartwig sprachen über Integration

Jimmy Hartwig und Cacau waren in Saarbrücken : Fußball als Schule für Integration

DFB-Botschafter Jimmy Hartwig und Cacau sprechen bei Integrationsforum in Saarbrücken. Neues Konzept im September.

„Fußball ist eine Schule des Lebens“, sagt William Georg Hartwig, der den meisten unter seinem Rufnamen „Jimmy“ geläufig ist. Der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler, von 1986 bis 1988 auch beim FC Homburg in der Bundesliga aktiv, spricht am Freitag in seiner Rolle als Integrationsbotschafter des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) zu etwa 50 Zuhörern in einem Tagungsraum der Hermann-Neuberger-Sportschule. Sie sind alle zur DFB-Veranstaltung „Integration im Dialog“ gekommen. „Fußball sollte genauso Schule für Integration sein“, fährt Hartwig fort. Die Gäste, in erster Linie Vereins- und Verbandsrepräsentanten aus den Landesverbänden Saarland, Rheinland und Südwest, sollen dazu beitragen, dass dieser geäußerte Anspruch an den Fußball künftig noch ein Stück weit mehr gilt als er es aktuell vielleicht tut.

Der DFB-Termin in Saarbrücken ist das zweite von fünf bundesweiten Foren, bei denen über Integrationschancen und -herausforderungen im Fußball diskutiert wird. Die Erkenntnisse aus diesem Austausch nahe an der Basis sollen in einem neuen Integrationskonzept münden, das im September dem DFB-Bundestag präsentiert wird. So soll das bisherige, aus 2008 stammende Konzept laut DFB „in einem partizipativen Prozess neu gestaltet werden.“

„Inzwischen sind elf Jahre vergangen, und in unserer Gesellschaft ist viel passiert“, sagt Claudemir Jerônimo Barreto, der den meisten ebenfalls unter anderem Namen geläufiger ist. Cacau, 1981 in Santo André in Brasilien geboren, gab vor fast genau zehn Jahren sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft, mit der er 2010 in Südafrika WM-Dritter wurde und für die er bis 2012 in 23 Länderspielen sechs Tore erzielte. Seit 2016 ist Cacau Integrationsbeauftragter des DFB. „Ich möchte in meiner Funktion nicht von oben herab vorgeben, sondern denjenigen zuhören, die an der Basis so wichtige Arbeit leisten“, erklärt der 38-jährige Schirmherr von „Integration im Dialog“.

Cacau kam vor 20 Jahren aus Brasilien nach Deutschland – nicht, um Fußballer zu werden, sondern als Tänzer einer Samba-Gruppe. Seitdem sind wie er Millionen Menschen nach Deutschland gekommen, gerade im Zuge der Flüchtlingsströme ab 2015. „Integration ist natürlich kein neues Thema“, betont Stefanie Schulte, die DFB-Abteilungsleiterin für Gesellschaftliche Verantwortung und Fanbelange und Gastgeberin der Veranstaltung. Dennoch haben sich die Voraussetzungen verändert: Fast ein Viertel der Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Die Zahl der Passanträge für Spieler mit ausländischen Wurzeln hat in jüngerer Vergangenheit, speziell durch die vermehrte Zuwanderung aus Syrien und Nahost, stark zugenommen – einhergehend mit jeder Menge Erkenntnisse und Erfahrungen derer, die Schulte als „Integrationsmotoren“ hervorhebt: „Wir möchten mit den Leuten reden, die tagtäglich in den Vereinen die Integration vorantreiben. Möchten wissen, was die Leute an der Basis beschäftigt.“

Cacau pocht besonders „auf einen ehrlichen Austausch“, in dem auch nicht so schöne Aspekte klar zur Sprache kommen. Die erste Station in Hamburg habe schon „viele Impulse gebracht“. Und die Erkenntnis: „Es gibt zum Glück weiterhin ganz viele Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren“, so Cacau. Für die und deren Arbeit wünscht er sich eine größere Wertschätzung. Und uns allen eine gemeinsame Wertvorstellung, mit positiven Attributen, wie sie uns das Spiel mit dem runden Leder im eigentlichen Sinne vermittelt: Teamgeist, Zugehörigkeit, Zusammenhalt, aber auch Respekt und Fair Play. „Ich kann mit dem Wort Integration nix mehr anfangen“, sagt Jimmy Hartwig einerseits. Andererseits weiß er genau: „Das Spiel ist gelernte Integration“ – und dass der Fußball eine immense integrative Kraft besitzt, darüber sind sich im Saal alle einig.

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