Formel-1-Star Valtteri Bottas: Geheimtest im Rallye-Auto in Rohrbach

Kostenpflichtiger Inhalt: Deutschland-Rallye : Formel-1-Star Bottas: Geheimtest im Rennwagen

Diese Woche tobt die Deutschland-Rallye durch die Region. Das englische Ford-Team von M-Sport testete bereits vergangene Woche intensiv. Am Steuer saß dabei am Dienstag auch ein namhafter Fremdgänger aus der Formel 1.

Was macht ein Formel-1-Pilot eigentlich, wenn ihm in der vierwöchigen Sommerpause langweilig wird? Der WM-Führende Lewis Hamilton posierte als Model für seine neueste Kleider-Kollektion, während sein Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas diese Woche fremd ging. Der Finne gab im Rallye-Auto Gas, tauschte seinen rund 1000 PS starken Silberpfeil am vergangenen Dienstag gegen einen 380 PS starken Ford Focus aus der Rallye-WM.

Einen Tag lang testete der 29-Jährige in Rohrbach (bei Birkenfeld) im Vorfeld der Deutschland-Rallye für das Ford-Team von M-Sport. Es war ein Geheimtest, weder Bottas noch M-Sport vermeldeten ihn – nicht mal auf ihren Social-Media-Kanälen. Das Auto war schneeweiß, ohne einen einzigen Sponsoren-Aufkleber – vermutlich eine Voraussetzung dafür, dass Mercedes die Freigabe für den Test erteilte. Denn dass ein Auto-Hersteller seinem Piloten erlaubt, für eine Konkurrenz-Marke zu fahren, ist eher selten.

Und es war nicht der erste Ausflug von Bottas in die Rallye-Szene. Im Januar startete er bereits bei der Arctic-Rallye in Lappland, belegte am Ende den achtbaren fünften Platz. Im Juli unternahm er dann einen Test im Toyota Yaris WRC aus der WM. Bei beiden Tests beeindruckte das finnische „Renntier“. In Lappland raste Bottas auf verschneiten Straßen sogar auf einer Wertungsprüfung zur absoluten Bestzeit. Die Ingenieure zeigten sich erstaunt, dass der Rundstrecken-Spezialist auch in der freien Wildbahn so furchtlos Gas gab – dort, wo neben der Strecke statt einer Auslaufzone ein Baum steht. Nach dem Test für Toyota schwärmte Bottas: „Am Ende des Tages war ich genauso schnell wie zuvor Kris Meeke auf derselben Prüfung. Das war für meinen ersten Tag auf Schotter sehr ermutigend.“ Kris Meeke ist Stammfahrer bei Toyota, liegt in der WM-Wertung auf Platz sechs.

Auf Asphalt – wie jetzt bei dem Test in Rohrbach – sollte sich der Formel-1-Pilot eigentlich noch wohler fühlen. Doch ausgerechnet nun tat er sich offenbar schwer, einen Rhythmus zu finden und sich ans Limit heranzutasten. Dreher, Ausrutscher und andere kleine Fehler zeigen, dass er nicht nur am, sondern bisweilen auch über dem Limit war.

Warum Bottas das Ganze macht? „Zum Spaß“, sagt er. „Und man kann beim Fahren immer etwas dazulernen. Fahrzeugbeherrschung, Koordination, Reaktionsvermögen, generell das Gefühl für ein Auto.“

Aus Spaß könnte allerdings vielleicht auch bald Ernst werden? Denn die Formel-1-Zukunft des Finnen steht derzeit noch in den Polar-Sternen. 62 Punkte beträgt sein Rückstand in der Fahrer-WM auf Teamkollege Hamilton, nach Siegen steht es 8:2 für Hamilton – der Meisterschaftszug scheint abgefahren, das Mercedes-Cockpit für 2020 womöglich auch. Hartnäckig halten sich Gerüchte, wonach Bottas seinen Platz für Mercedes-Edeltestfahrer Esteban Ocon räumen muss.

Teamchef Toto Wolff wollte sich nach dem Ungarn-Grand-Prix nicht festlegen: „Die Wahl fällt unheimlich schwer. Es ist eine bittersüße Entscheidung, weil beide das Cockpit verdienen – und es einer nicht kriegt.“

Bottas wollte in Ungarn eigentlich mit einer guten Vorstellung glänzen und Werbung in eigener Sache machen. Doch nach zwei Kollisionen in der ersten Runde mit Teamkollege Hamilton und Ferrari-Pilot Charles Leclerc musste er zum Reparatur-Stopp an die Box – und belegte am Ende nur Rang acht, während Teamkollege Hamilton siegte.

Die Budapest-Pleite ging Bottas sicht- und hörbar an die Nieren. Hamilton habe ihn abgedrängt, polterte der 29-Jährige. Als Hamilton mit dem Team beim Siegerfoto posierte, fehlte Bottas.

Valtteri Bottas Foto: Laszlo Balogh/dpa. Foto: dpa/Laszlo Balogh

Zu seiner Zukunft sagt er selbst nur: „Wir werden bald Neuigkeiten hören. Ich kann jetzt nur noch warten.“ Und er gibt zu: „In meiner Situation musst du einen Plan B oder C haben.“ Sollte er den Platz bei Mercedes verlieren, könnte er in der Formel 1 nur noch bei einem Mittelfeld-Team einspringen. Bei Ferrari sind die Cockpits vergeben, Red Bull setzt traditionell nur auf Fahrer aus dem eigenen Nachwuchskader. Also vielleicht doch die Rallye-WM als Zukunft? „Werden wir sehen“, sagt Bottas. „Ich hatte im Rallye-Auto viel Spaß. Aber meine Ziele sind zunächst mal, in der Formel 1 zu sein.“

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