Foda ist kein Teufel mehr

Foda ist kein Teufel mehr

Gestern hat Stefan Kuntz, Vorstandschef des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, Trainer Franco Foda beurlaubt. Einen Nachfolger sucht der Tabellenvierte noch. Bis dahin betreut Oliver Schäfer die Mannschaft.

Es gab wahrscheinlich schon geruhsamere Wochen in der langen Geschichte des 1. FC Kaiserslautern. Erst das bitter-peinliche 0:4 beim VfR Aalen, dann der Wirbel um Stürmer Mohamadou Idrissou. Gestern folgte mit der Entlassung von Trainer Franco Foda der nächste unangenehme Höhepunkt für den Fußball-Zweitligisten. Am Nachmittag gab der FCK die sofortige Auflösung des Vertrags von Foda und Co-Trainer Thomas Kristl bekannt. Vorerst wird Fitnesstrainer Oliver Schäfer die Mannschaft mit Team-Manager Roger Lutz und Torwarttrainer Gerry Ehrmann betreuen.

Angesichts der Niederlage in Aalen und der durchwachsenen Auftritte zuvor war die Trennung eine nachvollziehbare Entscheidung. Allerdings hat der Zeitpunkt überrascht, lag das 0:4 doch bereits fünf Tage zurück. "Aus der Emotion heraus fällt man keine klugen Entscheidungen", erklärt der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz: "Wir haben es dann noch einmal analysiert." Der Glaube, dass Foda doch noch die Wende schafft, fehlte.

Was letztlich neben der fehlenden sportlichen Entwicklung der Grund für Fodas Demission war, da hält sich Kuntz zurück. Gerüchte, das Verhältnis zur Mannschaft sei zerrüttet gewesen, will er nicht kommentieren, aber auch nicht dementieren: "Da geht es dann ins Persönliche." Allerdings wird es auch Kuntz nicht entgangen sein, dass die bisherigen drei Siege mehr das Ergebnis individueller Klasse als das Ergebnis einer Entwicklung unter Foda waren: "Wir haben immer wieder Analysen gemacht. Und man muss ja auch sagen, dass die Siege, die wir errungen haben nicht total überragend waren." Eine Sichtweise, die Foda in einem Gespräch gestern nicht immer teilte: "Das ist natürlich nicht das Gespräch, das man gerne führt. Und da geht in meinem Job auch leider immer das Menschliche kaputt", so Kuntz.

Wer nun auf Foda folgen wird, da will sich Kuntz Zeit lassen. Eine längerfristige Beschäftigung des Trios Schäfer, Lutz und Ehrmann scheint zumindest nicht ausgeschlossen: "Das ist nicht begrenzt. Wir können ja Tag für Tag beobachten, wie Oliver und Roger das machen." Dennoch beginnt nun die Suche nach einem Nachfolger. "Wir haben ein Anforderungsprofil und natürlich auch einen finanziellen Rahmen." Bruno Labbadia, erst am Montag beim Erstligisten VfB Stuttgart entlassen, scheint derweil kein Thema, so Kuntz: "Bruno war ja mein Zimmerkumpel und da man sich in Lautern ja immer freut, wenn ich Zimmerkumpel einstelle, wird das nichts." Kuntz weiß, dass es wohl eine der wichtigsten Personalentscheidungen wird, die er je zu treffen hatte: "Wir brauchen Euphorie und Aufbruchsstimmung. Wir müssen die Leute mitnehmen."

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auf einen blickDer 1. FC Kaiserslautern verschliss 15 Trainer in 13 Jahren. 2000 ging Otto Rehhagel freiwillig. Danach erlebte keiner das Ende der Vertragslaufzeit: Andreas Brehme/Reinhard Stumpf, Karl-Heinz Emig (Interimstrainer), Eric Gerets Kurt Jara, Hans-Werner Moser (Interimstrainer), Michael Henke, Wolfgang Wolf, Wolfgang Funkel (Interimstrainer), Kjetil André Rekdal, Alois Schwartz (Interimstrainer), Milan Sasic, Schwartz (Interimstrainer), Marco Kurz, Krassimir Balakow, Franco Foda. dpa