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Winter-Paralympics
Fleig beendet Männer-Fluch nach 2918 Tagen

Martin Fleig bejubelt nach dem Biathlon-Rennen über 15 Kilometer sitzend seinen Sieg und den Gewinn der Goldmedaille bei den Winter-Paralympics in Pyeongchang.
Martin Fleig bejubelt nach dem Biathlon-Rennen über 15 Kilometer sitzend seinen Sieg und den Gewinn der Goldmedaille bei den Winter-Paralympics in Pyeongchang. FOTO: Karl-Josef Hildenbrand / dpa
Pyeongchang. Zwei weitere Goldmedaillen und einmal Bronze für die deutschen Behindertensportler bei den Winter-Paralympics in Südkorea.

„Irre“, „verrückt“, rief Friedhelm Julius Beucher seiner „Gold-Dame“ Andrea Eskau gerade noch euphorisch zu, da hatte Martin Fleig mit seinem Triumph auch schon den deutschen „Männer-Fluch“ gebrochen. „Wo soll ich denn jetzt mit meinen Emotionen hin? Das ist ja unglaublich, ein Wahnsinn“, sagte Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), im dichten Schneetreiben aufgeregt und glückselig.


Innerhalb von nicht einmal einer halben Stunde hatten Eskau und Fleig Deutschland zwei weitere goldene Momente bei den Paralympics in Pyeongchang beschert. „Wenn’s funkt, dann funkt’s. Es läuft fast von alleine. Das ist ein Traum, es geht alles auf“, sagte die 46 Jahre alte Eskau strahlend, nachdem sie ihre unglaubliche Erfolgsgeschichte mit der insgesamt achten paralympischen Goldmedaille fortgesetzt hatte.

Auch Fleig schwebte nach seiner ersten Paralympics-Medaille im siebten Himmel. „Im Moment denke ich nur, dass ich jeden Moment aufwache, und es ist nur ein Traum. Das ist genial“, sagte der 28-Jährige. Als er auf die Anzeigetafel geschaut habe, „dachte ich zunächst, dass ich im falschen Film bin“. War er nicht. Und so ganz nebenbei rettete Fleig auch noch die deutsche Männer-Ehre. Die hatten zuletzt vor exakt 2918 Tagen oder über acht Jahren in Vancouver durch Gerd Schönfelder Paralympics-Edelmetall geholt. Danach waren 29 (!) Medaillen in Serie auf das Konto der starken deutschen Frauen um Eskau und Anna Schaffelhuber gegangen. Deshalb sei sein Sieg „umso schöner“, betonte Fleig: „Aber wir haben eben einfach starke Frauen im Team.“

Allen voran Eskau, die wie Mono­skifahrerin Schaffelhuber zum zweiten Mal in Südkorea triumphierte. Die „alte Frau“, wie sie sich selbst gerne bezeichnet, siegte in der sitzenden Klasse über 12,5 Kilometer nach fehlerloser Vorstellung mit 18,8 Sekunden Vorsprung vor der Amerikanerin Oksana Masters. Fleig war über 15 Kilometer in der sitzenden Klasse nicht zu schlagen: 45,5 Sekunden vor dem Amerikaner Daniel Cnossen kam er jubelnd ins Ziel.

Auch die junge Clara Klug trug ihren Teil zu einem erfolgreichen deutschen Freitag bei. Die 23-Jährige holte sich über 12,5 Kilometer wie schon über 10 Kilometer Bronze. „Das ist der Hammer“, sagte die sehbehinderte Athletin noch völlig aus der Puste. Schon in der ersten Runde wollte sie eigentlich aufhören, „weil mir alles weh getan hat. Ich bekam keine Luft mehr.“ Doch ihr Begleitläufer Martin Härtl trieb sie an – mit Erfolg.



Und erfolgreich soll es weitergehen. An diesem Samstag könnte im Langlauf über 5 Kilometer für Eskau eine weitere Medaille in Gold hinzukommen. Auch Fleig, in den Rennen zuvor Vierter und Sechster, rechnet sich über 7,5 Kilometer Chancen aus. Zudem gehören die Alpinen um Schaffelhuber, Anna-Lena Forster und Andrea Rothfuss zum Abschluss der Spiele am Sonntag im Slalom noch einmal zum Favoritenkreis. Man werde „voll auf Angriff fahren“, kündigte Schaffelhuber bereits an. Für das deutsche Team stehen bisher 15 Medaillen in der Bilanz, schon genauso viel wie 2014 in Sotschi. Zu sechs goldenen kommen sieben Silbermedaillen und zwei Bronzemedaillen hinzu.