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Krisensitzung beim LSVS
Finanzskandal erreicht die Verbände

Sie haben einiges zu klären: Sportminister Klaus Bouillon (Mitte) fordert von LSVS-Präsident Klaus Meiser (links) eine „umfassende und vollständigte Darstellung“ des Finanzlochs beim Verband. In der Amtszeit von Gerd Meyer (rechts), den Meiser im Oktober 2014 beerbte, dürfte es entstanden sein.
Sie haben einiges zu klären: Sportminister Klaus Bouillon (Mitte) fordert von LSVS-Präsident Klaus Meiser (links) eine „umfassende und vollständigte Darstellung“ des Finanzlochs beim Verband. In der Amtszeit von Gerd Meyer (rechts), den Meiser im Oktober 2014 beerbte, dürfte es entstanden sein. FOTO: rup
Saarbrücken. Wegen des Millionendefizits beim Landessportverband trifft sich heute der Gesamtvorstand zu einer Krisensitzung. Von Kai Klankert und Tobias Fuchs
Kai Klankert

Der Finanzskandal beim Landessportverband für das Saarland (LSVS) wird nicht ohne Folgen bleiben. Für heute hat LSVS-Präsident Klaus Meiser eine Dringlichkeitssitzung des Gesamtvorstandes anberaumt, für morgen eine außerordentliche Personalversammlung. Es gibt viel zu klären, nachdem der LSVS am Freitag ein Haushaltsloch von voraussichtlich fünf Millionen Euro bestätigt hat. Dieses soll laut Meiser entstanden sein, weil die Dachorganisation des Saarsports über Jahre mehr Geld ausgab, als zur Verfügung stand. Nach LSVS-Angaben fehlten etwa 700 000 Euro pro Jahr. Der Verband hat seinen Hauptgeschäftsführer freigestellt.



Noch am Freitag hatte Meiser betont, der LSVS sei zahlungsfähig, es werde kein Personal entlassen und der nun zwangsläufig anstehende Sparkurs werde nicht zulasten der Verbände oder Vereine gehen. Der SZ liegen allerdings andere Informationen vor. So berichten einzelne Sportfachverbände von zugesagten Zuschüssen, teils in fünfstelligen Bereichen, die bis auf weiteres einbehalten wurden. Da der LSVS seinen Haushalt für 2018 frühestens Ende Januar verabschieden wird, hängen alle 48 Mitgliedsverbände mit ihrer Etatplanung in der Luft. Einige haben nach SZ-Informationen intern ebenfalls einen Sparkurs angeordnet. Ein Verband will die Jugendarbeit auf ein Minimum reduzieren.

Innen- und Sportminister Klaus Bouillon (CDU) hat eine umfassende und vollständige Darstellung des Sachverhaltes seitens des LSVS angefordert. Bouillon, dessen Ministerium die Rechtsaufsicht obliegt, hat eigener Aussage zufolge am 30. November von den Finanzproblemen erfahren – von Meiser. Der ließ am Freitag die SZ-Anfrage, wann er erstmals Kenntnis davon hatte, unbeantwortet. Meiser ist seit 2014 Präsident des LSVS, sein Vorgänger war Gerd Meyer (2002 bis 2014).

Auch während Meyers Amtszeit müsste es massive Finanzprobleme gegeben haben. Bei einem jährlichen Defizit von 700 000 Euro wäre von einem Zeitraum von etwa sieben Jahren auszugehen. Nach Informationen unserer Zeitung sind die externen Wirtschaftsprüfer der Firma Atax aus Neunkirchen beauftragt worden, die genauen Fehlbeträge zu ermitteln. Die bisherige Prüfgesellschaft Audittax Prof. Raber, von der LSVS-Mitgliederversammlung gewählt, hatte zumindest für die Jahre 2009 bis 2011 nichts zu beanstanden. Das geht aus einem Protokoll hervor. Fragen der SZ ließ das Unternehmen bislang unbeantwortet.

Wusste außer dem Geschäftsführer niemand von den Haushaltslöchern? Der langjährige Angestellte war nach SZ-Informationen seit mehreren Wochen erkrankt und nicht mehr im Dienst. Er steht vor dem Ruhestand. Seine Nachfolgerin, zuvor für die Talentförderung des LSVS zuständig, übernahm seine Aufgaben Stück für Stück. Als sie den Haushalt für das Jahr 2018 vorbereitete, sollen die roten Zahlen aufgefallen sein.



Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hatte bis Freitag laut Sprecher Christoph Rebmann keine Kenntnisse von den Vorgängen. Ob sie Ermittlungen einleiten wird, ist unklar.

Der Skandal dürfte in jedem Fall die Landespolitik beschäftigen. Aus dem Innen- und Sportausschuss des Landtages äußerte sich am Wochenende öffentlich zwar niemand zu den schlechten Nachrichten aus der Hermann-Neuberger-Sportschule. Dafür forderte Jochen Flackus, parlamentarischer Geschäftsführer und Landesvorsitzender der Linken, schnellstens Aufklärung und Klarheit für die Sportvereine im Land: „Die ausreichende finanzielle Förderung ihrer wichtigen Arbeit muss trotz dieses Finanzskandals sichergestellt werden.“

Für die FDP, im Landtag nicht vertreten, meldete sich der Bundestags­abgeordnete Oliver Luksic zu Wort. Er nahm LSVS-Präsident Meiser und Sportminister Bouillon in die Pflicht. Sie müssten schnell aufklären, wie es zu solch einem gewaltigen Haushaltsloch habe kommen können. Das Ministerium habe als Rechtsaufsicht des LSVS die Verantwortung, für ordnungsgemäße Finanzen zu sorgen, erklärte der Landeschef der Liberalen. Auch Luksic sagte: „Die Förderung des Sports im Saarland darf nicht leiden.“