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Finale furioso am Persischen Golf

Finale furioso am Persischen Golf

Abu Dhabi. Verspätete Geschenke überraschen und erfreuen zugleich. Formel 1-Herrscher Bernie Ecclestone genießt solche Situationen ganz besonders. Zweieinhalb Wochen nach seinem 80. Geburtstag "gratulieren" drei seiner schnellsten Zirkusartisten ihrem Dompteur mit einer Nummer der ganz besonderen Art. Und treffen dabei den Geschmack des Zampanos ganz genau

Abu Dhabi. Verspätete Geschenke überraschen und erfreuen zugleich. Formel 1-Herrscher Bernie Ecclestone genießt solche Situationen ganz besonders. Zweieinhalb Wochen nach seinem 80. Geburtstag "gratulieren" drei seiner schnellsten Zirkusartisten ihrem Dompteur mit einer Nummer der ganz besonderen Art. Und treffen dabei den Geschmack des Zampanos ganz genau. Nach 18 Rennen innerhalb von acht Monaten auf vier Kontinenten hat sich die fahrerische Spreu vom Weizen getrennt. Übrig geblieben sind mit Ferrari-Star Fernando Alonso, den Red-Bull-Piloten Mark Webber und Sebastian Vettel und Mc-Laren-Pilot Lewis Hamilton vier Fahrer, die an diesem Sonntag den Besten ihrer Zunft auf der Halbinsel Yas Marina im Wüstenstaat Abu Dhabi ermitteln.Es ist die erste Fahrer-WM-Entscheidung am Persischen Golf, aber zum 26. Mal wird der Weltmeister in einem Herzschlagfinale ermittelt. Die Entscheidung über den besten Fahrer, den Weltmeister 2010, könnte erst in der letzten Kurve vor der Zielgeraden fallen. So wie zuletzt 2008 auf der Berg- und Talbahn in Interlagos in Brasilien. Wir erinnern uns: In einem mitreißenden "Showdown" schlüpft McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton noch in der letzten Kurve am Hessen Timo Glock im Toyota vorbei, wird Fünfter und entreißt mit diesem Manöver der brasilianischen Ferrari-Hoffnung Felipe Massa bei seinem Heim-Grand Prix im letzten Moment noch die Fahrerkrone. Massa durfte sich zuvor 20 Sekunden lang als neuer Weltmeister fühlen. Anschließend ließ der Brasilianer als WM-Zweiter bei der Siegerehrung seinen Tränen freien Lauf.

Ein Jahr zuvor, 2007 ebenfalls in Interlagos, war Kimi Räikkönen im Ferrari lachender Dritter. Der Finne, vor dem Finale Dritter, siegt und überholt damit in der WM die beiden McLaren-Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton und Fernando Alonso. Die Rüttelpiste Interlagos war auch 2006 Schauplatz eines Finalkrimis. Als WM-Zweiter pflügt Michael Schumacher nach einem Reifenschaden durchs Feld auf Platz vier. Das reicht für den Ferrari-Piloten aber nicht, Fernando Alonso seinen zweiten WM-Titel noch zu entreißen.

Die japanische Achterbahn Suzuka war viermal spektakuläres "Finale furioso". 2003 benötigte Kimi Räikkönen als McLaren-Pilot einen Sieg für den Titel und Schumi durfte nicht punkten. Der Ferrari-Pilot preschte nur von Platz 14 los, ergatterte als Achter gerade noch einen WM-Punkt und wurde bei einem Sieg seines Stallgefährten Rubens Barrichello zum sechsten Mal Weltmeister.

Seinen ersten Titel brachte der ungestüme Kerpener 1994 im Unfall-Finale von Adelaide, Australien, unter Dach und Fach. Schumi liegt im Benetton einen Punkt vor Williams-Dauerrivale Damon Hill, als er im Rennen die Tür zuschmeißt, beide fallen aus, der Kerpener wird Weltmeister.

Ebenfalls mit einem Unfall versuchte Schumi 1997 im Finale von Jerez, Spanien, seinen zweiten Titel zu erobern. Schumi hat einen Zähler Vorsprung. Als Williams-Pilot Jacques Villeneuve den Deutschen im Ferrari überholen will, rammt ihn Schumi und fliegt dabei von der Piste. Villeneuve wird Weltmeister vor seinem Teamkollegen Heinz-Harald Frentzen.

Die bisher knappste aller Entscheidungen um den Titel des besten Rennfahrers fiel im WM-Finale 1984 im portugiesischen Estoril. Niki Lauda startet als Elfter im McLaren, fährt auf Platz zwei und zerstört die Hoffnung seines siegreichen Teamkollegen Alain Prost, dem am Ende bei einem WM-Stand von 72:71,5 ein halber Punkt zum Titel fehlte.

Fast genau so spannend kann es am Sonntag zwischen Alonso (246 Punkte), Webber (238) und Vettel (231) zugehen. Hamilton (222) hat nur dann eine Chance, wenn seine drei Konkurrenten alle ausscheiden und er gewinnt. "Das wird ein gigantisches Finale. Es ist einfach fantastisch, wenn die Meisterschaft hier auf dieser tollen arabischen Rennstrecke entschieden wird. Damit wird sich hier bei einem grandiosen ,Event' der Vorhang zu einer sagenhaften Show öffnen," freut sich der kleine schmächtige mächtige Zirkusdirektor in der englischsprachigen Tageszeitung "Gulf News". Und es wird wieder einmal ein überraschendes, verspätetes Geburtstagsgeschenk für "Mister E".