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Fildebrandt bangt um letzten Höhepunkt seiner Karriere

Kostenpflichtiger Inhalt: Schwimmen : Fildebrandt bangt um den letzten Höhepunkt

Der 30-jährige Topschwimmer wollte im Sommer nach Olympia seine Karriere beenden. Ob er jetzt ein Jahr dranhängt, ist noch offen.

Mit Plänen ist das derzeit so eine Sache. In der aktuellen Corona-Krise ticken die Uhren anders. So geht es auch Christoph Fildebrandt. Der beste saarländische Beckenschwimmer sitzt derzeit wie sein Freiwasser-Kollege Andreas Waschburger auf dem Trockenen. Seit zweieinhalb Wochen sind die Schwimmhallen dicht. „Ich habe direkt danach mit dem Olympiastützpunkt und Bundestrainer Hannes Vitense gesprochen. Er wollte ein Schreiben nach Saarbrücken schicken“, erzählt Fildebrandt von der Hoffnung auf eine Ausnahmegenehmigung, wie sie die Schwimmer in Berlin, Magdeburg und Hamburg bekommen hatten. „Was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Aber offenbar wohl nichts, sonst könnten wir ja trainieren“, meint „Filde“.

Der 30-Jährige hatte sich das Jahr 2020 wie wohl jeder ganz anders vorgestellt. „Mein Plan war, dieses Jahr nach Olympia meine Karriere zu beenden“, sagt der Freistil-Spezialist: „Für mich ist es echt bitter gelaufen.“ Er stellt sich jetzt wie zahlreiche andere Topsportler die Frage: Soll ich noch ein Jahr dranhängen?

Die Verlegung der Sommerspiele in Japans Hauptstadt Tokio von diesem Sommer in den nächsten birgt einige Probleme – auch für Fildebrandt, der seit sechs Jahren im Saarland lebt und trainiert. „Für mich wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, solche Spitzenleistungen zu erreichen. Andere, die noch hinter mir sind, haben jetzt ein Jahr Zeit aufzuholen. Da sind einige Jüngere dabei, die sind 21 oder 22“, erläutert Fildebrandt. Damit er weitermacht, müsste „schon alles passen“. Zentral wird sein, ob sein Arbeitgeber, die Polizei, das Vorhaben, noch ein Jahr dranzuhängen, unterstützt und absegnet. „Ich hätte da schon Lust drauf, habe schließlich vier Jahre lang ein Ziel verfolgt, das wären sonst vier verlorene Jahre“, rechnet der für den Sport freigestellte Polizeikommissar vor und klingt dabei durchaus positiv. Eine endgültige Entscheidung will er im Laufe der kommenden Woche treffen.

Für den aus Wuppertal stammenden Schwimmer wären es in Japan die dritten Olympischen Spiele nach 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro. „Man muss jetzt erst mal klaren Kopf bewahren“, sagt Fildebrandt, der sich auf die Verlegung der Spiele vorbereitet hatte und viele Gespräche mit anderen Sportlern in seinem Alter geführt hat.

In der aktuellen Situation gilt es, nicht zu viel Substanz zu verlieren. Dabei ist die Lage für Sprinter wie Fildebrandt nicht so schlimm wie für Langstreckenschwimmer. „Für Waschi ist das eine Katastrophe, weil er die Trainingskilometer braucht. Für mich ist es kein Weltuntergang, ich kann mich so fit halten. Dazu habe ich ein sehr gutes Wassergefühl und mache mir daher keine großen Sorgen, wieder schnell reinzukommen“, sagt der Wahl-Saarländer und hofft trotzdem, möglichst bald wieder im Becken trainieren zu können.

Stattdessen arbeitet er jetzt mit Hanteln, Gummiseilen. Im Keller seiner Vermieter durfte er sich einen kleinen Kraftraum zusammenstellen. „Mir macht das zum Glück total Spaß, die Arbeit im Kraftraum und das Athletische“, erzählt er davon, was für andere Quälerei ist.

Wenn die von Mai in den August verschobene EM in Budapest tatsächlich stattfinden könnte, rechnet sich „Filde“ gute Chancen auf eine Nominierung aus. In diesem Jahr war er nämlich bisher gut drauf. Beim EuroMeet Ende Januar in Luxemburg unterbot er über 50 Meter Freistil in 22,67 Sekunden im Vorlauf und 22,61 Sekunden als Zehnter im Finale zwei Mal den alten Saarlandrekord, der bei 22,69 gelegen hatte. „Das war seine drittschnellste Zeit jemals“, freute sich damals Landestrainer Felix Weins, der natürlich auch gerne bald Klarheit über Fildebrandts Zukunft hätte.

Über 100 Meter Freistil wurde „Filde“ in 49,25 Sekunden Vierter. Die Einzelnorm für Tokio knackte er zwar noch nicht, aber bei den deutschen Meisterschaften im Mai in Berlin wollte er das nachholen und unter die ersten Vier kommen, um einen Staffelplatz zu erhalten. Die deutsche Staffel hatte sich – mit Fildebrandts Hilfe – schon 2019 durch Platz elf bei der WM in Südkorea den Startplatz bei den Sommerspielen gesichert. Und vielleicht klappt es ja doch mit Fildebrandts Olympia-Teilnahme – auch wenn gerade keine gute Zeit zum Planen ist.