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Fifa droht ein Horror-Szenario

Fifa droht ein Horror-Szenario

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat gestern bekannt gegeben, dass die Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergaben 2018 und 2022 möglicherweise erst nach den Turnieren geklärt werden können.

Die Weltmeister 2018 und 2022 längst gekürt, die Korruptionsvorwürfe weiter ungeklärt: Dieses Horror-Szenario im Skandal beim Fußball-Weltverband Fifa wird immer wahrscheinlicher. Laut der Schweizer Bundesanwaltschaft können die Ermittlungen rund um die WM-Vergaben an Russland und Katar noch "Monate oder Jahre" in Anspruch nehmen.

"Der Zeitplan der Fifa ist mir völlig egal. Mich interessiert nur das Strafverfahren. Ich mache keine Politik mit diesem Fall. Ich versuche, das Gesetz durchzusetzen", sagte Bundesanwalt Michael Lauber auf einer Pressekonferenz gestern in Bern : "Die Fußball-Welt muss geduldig sein. Es wird länger als die legendären 90 Minuten dauern."

Die Fifa macht eine Überprüfung der umstrittenen WM-Vergaben von belastbaren Beweisen abhängig. Lauber erklärte, dass seine Behörde derzeit 104 Bankverbindungen untersucht. Insgesamt müssten neun Tera-Bytes an Daten analysiert werden. Dazu besteht in 53 weiteren Fällen der Verdacht der Geldwäsche . Diese Fälle seien von Banken gemeldet worden.

Der Bundesanwalt, der gemäß den Schweizer Gesetzen wegen "ungetreuer Geschäftsbesorgung" ermittelt, gab aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details über die Untersuchungen bekannt. Die Gefahr, dass durch Veröffentlichungen Beweismaterial verloren gehen könnte, ist laut Lauber zu groß. So blieb die Frage nach dem finanziellen Volumen der Bankverbindungen unbeantwortet. Einer der Hauptverdächtigen ist das frühere Exekutivkomitee-Mitglied Ricardo Teixeira (Brasilien), der einem Bericht des Londoner Internet-Portals "insideworldfootball" zufolge 30 Millionen Euro aus Katar erhalten haben soll.

Ob auch die WM-Vergabe 2010 nach Südafrika Bestandteil der Ermittlungen ist, ließ Lauber ebenfalls offen. Der Bundesanwalt wollte noch nicht einmal sagen, wie viele Beamte seiner "Task Force" angehören.

Lauber gab lediglich an, dass die Fifa nach wie vor als Geschädigter gelte - da der Verband die Ermittlungen durch eine Anzeige gegen Unbekannt am 10. März erst in Gang gebracht hat. Diese Einschätzung könne sich im Lauf der Ermittlungen aber noch ändern. Zudem wollte Lauber künftige Befragungen des scheidenden Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter und des Fifa-Generalsekretärs Jérôme Valcke nicht ausschließen.

"Mir stehen Zwangsmittel zur Verfügung - und ich bin unabhängig", sagte Lauber mit Blick auf den nach wie vor nicht veröffentlichen Bericht des ehemaligen Fifa-Ermittlers Michael Garcia - ob darin Korruptionsbeweise enthalten sind, ist umstritten.

Bisher sind laut Lauber zehn Personen befragt worden. Dazu zählen sieben Fifa-Funktionäre, die zum Zeitpunkt der WM-Vergaben im Exekutivkomitee saßen. Dass sich angeblich auch das FBI und die US-Staatsanwaltschaft mit den Vergaben beschäftigen, sieht Lauber nicht als zusätzlichen Druck: "Ich fühle mich überhaupt nicht am Gängelband der USA."

Die WM-Vergaben waren in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik geraten. Russland steht wegen des Ukraine-Konflikts am Pranger, Katar aufgrund von katastrophalen Arbeitsbedingungen für ausländische Gastarbeiter. Beide Länder hatten zuletzt bekräftigt, ihre Vorbereitungen trotz der Fifa-Krise wie geplant fortsetzen zu wollen.

Zum Thema:

Am RandeLiga-Präsident Reinhard Rauball traut Fifa-Präsident Joseph Blatter nicht über den Weg. Er schließe nicht aus, dass Blatter tatsächlich seinen Rücktritt vom Rücktritt erklärt. "Dass es Blatter nicht immer ernst gemeint hat mit seinen Aussagen über seine Amtszeit, hat schon seine Kandidatur 2011 bewiesen. Damals hat er versprochen, dass es seine letzte Amtszeit ist. Dieses Versprechen war 2015 reinste Makulatur", sagte der Präsident von Borussia Dortmund .Die Führung des Fußball-Weltverbandes müsse umstrukturiert werden, forderte Rauball. Der Vorschlag des 68-Jährigen beinhaltet die Installierung eines Aufsichtsrates von zwölf Personen. Dieses Gremium müsse einen Vorstand berufen und diesen auch kontrollieren. dpa