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Ferrari von der Justiz ausgebremst

Monte Carlo. Ferrrrrrrari - von italienischen Journalisten-Kollegen stets mit sieben "r" ausgesprochen - hat in der Formel 1 seit deren Existenz 1950 einen besonderen Klang Von SZ-Redakteur Walter Koster

Monte Carlo. Ferrrrrrrari - von italienischen Journalisten-Kollegen stets mit sieben "r" ausgesprochen - hat in der Formel 1 seit deren Existenz 1950 einen besonderen Klang. Von Anfang an dabei in diesem Wanderzirkus, hat der italienische Renommier-Rennstall in 783 Grand Prix 16 Konstrukteurs-WM-Titel eingefahren, 15 Mal den Fahrer-Weltmeister präsentiert, 209 Mal die Konkurrenz besiegt, ist 203 Mal von der Pole Position (bester Startplatz) in ein Formel-1-Rennen gestartet und hat 218 Mal die schnellste Rennrunde bestritten. Zweifellos eine beeindruckende Bilanz.Eilantrag abgeschmettertUnd genau dieser Erfolgs-Rennstall musste noch vor dem ersten Training gestern zum Glitzer- und Glamour-Grand-Prix in Monaco am kommenden Sonntag (14 Uhr/live bei RTL) eine seiner bittersten Niederlagen in der Rennsportgeschichte hinnehmen. Die französische Justiz, das "Tribunal de Grande Instance" in Paris, vergleichbar mit einem deutschen Oberlandesgericht, hat einen Eilantrag der Scuderia (italienischer Rennstall) abgeschmettert. Ferrari hatte im Machtkampf mit dem allgewaltigen Automobil-Weltverband Fia eine einstweilige Verfügung beantragt, die Budget-Obergrenze für Formel 1-Teams von 45 Millionen Euro (ohne Fahrergehälter, Motorkosten und Marketing-Aktivitäten) zu stoppen. Falls diese Forderung nicht erfüllt werde, droht Ferrari, sich aus der Formel 1 zu verabschieden.Richter Jacques Gondrand de Robert begründete sein Urteil gegen Ferrari damit, dass "das Risiko eines unmittelbar eintretenden Schadens, der abgewendet werden muss, oder juristischer Probleme nicht besteht". Formel 1-Rebell Ferrari will sich aber mit dieser Entscheidung nicht zufrieden geben und weitere rechtliche Schritte gegen die Regelreform der Fia unternehmen und in Berufung gehen. Die Beschlüsse des Verbands seien "einseitig ohne Respekt für die vereinbarten Prozeduren" getroffen worden, kritisierte Ferrari in einer Pressemitteilung.Das Gericht akzeptierte zwar weitgehend das Veto-Recht von Ferrari, stimmte aber wiederum mit der Fia überein, dass die Scuderia dies viel früher hätte nutzen sollen. Damit scheiterten die sportlich taumelnden und sport-politisch nun ebenfalls angeschlagenen Italiener, den bis 29. Mai festgesetzten Ablauf der Anmeldefrist für die neue Saison zu kippen.Im ersten freien Training belegten die Ferrari-Piloten Felipe Massa und Kimi Räikkönen die Plätze zwei und fünf. Schnellster auf dem 3,340 Kilometer kurzen Stadtkurs war Brawn GP-Pilot Rubens Barrichello. Nachmittags dominierte Williams-Pilot Nico Rosberg vor Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) und Rubens Barrichello. Bester Ferrari-Fahrer war Massa als Fünfter. Meinung


Nur ein heftiges Säbelrasseln

Von SZ-RedakteurWalter Koster Der Automobil-Weltverband Fia geht nach dem Pariser Gerichtsurteil gegen den Formel-1-Rennstall Ferrari als Sieger hervor und darf sich als Etappensieger fühlen. Die Niederlage im Machtkampf gegen die mächtige Fia kam für Insider nicht unerwartet. Ferraris Drohung, aus der Motorsport-Königsklasse Formel 1 auszusteigen, könnte nach dem "schwarzen Mittwoch" für die Roten wieder ein Stück näher rücken. Doch diese Entscheidung will wohl überlegt sein.Ein Ausstieg von Ferrari aus der Formel 1 käme einem Erdbeben gleich. Das ist auch der Fia bewusst, obwohl sie beteuert, ohne Ferrari existieren zu können. Der Rennstall aus Maranello würde eine Bühne verlassen, die ihr bisher viel Ruhm und Ehre trotz aller politischer Querelen in 60 Jahren Formel 1 eingebracht hat. Das wissen auch die roten Formel-1-Rebellen.Ob die verbündeten Rennställe Renault, Toyota, Red Bull, Toro Rosso und BMW nach diesem Urteil noch hinter Ferrari stehen, sollten sie mit ihrer Ausstiegs-Drohung wirklich ernst machen, ist fraglich. Letzlich sind diese Drohgebärden nicht mehr als ein heftiges Säbelrasseln. Beide Parteien, Fia und Ferrari, werden am Ende klein beigeben, um einen Kompromiss zu schließen. Weder die Fia noch der Traditions-Rennstall Ferrari können auf die Formel 1 verzichten. HintergrundMercedes-Motorsportchef Norbert Haug hat ein Gespräch bei Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger über die Zukunft der Formel 1 auf dem Hockenheimring gelobt. "Es war eine konstruktive Sitzung. Alle Teilnehmer wollen den Grand Prix gern halten", sagte Haug am Rande des Trainings zum Großen Preis von Monaco am Donnerstag. Oettinger hatte von einem "großen Interesse"am Erhalt gesprochen. Konkrete Zusagen für Landesmittel gab es von Oettinger aber nicht.