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„Wir sind nicht die bösen Revoluzzer“

„Wir sind nicht die bösen Revoluzzer“

Beim 1. FC Saarbrücken spielt derzeit der Start der Fußball-Regionalliga nur eine untergeordnete Rolle. Derzeit beherrschen Vereinsthemen den Club. Gestern stellte sich die Oppositionsgruppe „UnserFC“ vor.

Es ist wohl ein einmaliger Vorgang in der Vereinsgeschichte des 1. FC Saarbrücken . Auf der einen Seite die Gruppe "UnserFC" - auf der anderen Seite die Führung des Vereins. So stellt sich die Gemengelage für viele Anhänger des 1. FC Saarbrücken derzeit da. Dabei sieht sich die Gruppe "UnserFC" nicht als Oppositionsgruppe. Sie wolle "keinen Keil in den Verein treiben", sagt Michael Haubrich, Sprecher der Gruppe. "Wir sind nicht die bösen Revoluzzer. Wir wollen den Verein mit allen gemeinsam nach vorne bringen", beteuert er.

Gemeinsam? "Wir haben uns zum Beispiel mit Präsident Hartmut Ostermann getroffen", sagt Salvo Pitino von "UnserFC". Die Gespräche seien sehr konstruktiv gewesen. "Wir haben aber Stillschweigen vereinbart." Ostermann scheint auch nicht alles, was die Gruppe vorgetragen hat, abzulehnen. Zumindest hat er am Samstag bei einem Fantreffen angekündigt, sich mit der Gruppe nochmal in den kommenden zehn Tagen zusammenzusetzen zu wollen. "Wir suchen kein gegeneinander, sondern ein Miteinander", sagt Pitino, der im Schattenkabinett als Schatzmeister vorgesehen ist - trotz einer Haftstrafe von Pitino wegen Inverkehrbringens von Falschgeld aus dem Jahr 2010. "Das ist eine Sache, die mehr als sieben Jahre her ist. Die ist für mich abgeschlossen", sagt Pitino, jetzt "will ich, mich an den Ergebnissen meiner Arbeit messen lassen." Pitino ist zwar als Schatzmeister vorgesehen, will sich aber nur um die Sponsorenaquise kümmern. "Die Buchhaltung wollen wir auslagern", sagt Haubrich.

Zwei Millionen Euro seien fix

Gestern stellte sich die Gruppe in der Soccerarena in Saarbrücken vor. Dabei hatte sie auch erste Zahlen. "Wir haben bereits jetzt die Zusage über zwei Millionen Euro an Sponsorengeldern", sagte Pitino. Wer die Geldgeber sind, dazu wollte und konnte die Gruppe nichts sagen. "Die Sponsoren haben uns um Diskretion gebeten", sagt auch Horst Hinschberger, Präsidentschaftskandidat der Gruppe. Zumal ja noch nicht klar sei, ob sich "UnserFC" mit seinen Ideen durchsetzen kann. "Viele Mitglieder fühlen sich so, als ob ihr Vertrauen missbraucht wurde. Wir wollen, dass der Verein wieder in die Herzen der Menschen zurückkehrt", sagt Hinschberger. "Dazu müssen wir uns im Verein die Hände reichen."

Das hätte auch gerne Ex-FCS-Profi Eugen Hach. Er, der bis Freitag bei Regionalliga-Aufsteiger SV Saar 05 sportlicher Leiter war, ist der Schatten-Sportdirektor der Gruppe und sagt: "Mit zwei Millionen Euro kann man eine schlagkräftige Regionalligamannschaft auf die Beine stellen." Das würde er tun. Auch ein Nachwuchsleistungszentrum will Hach vorbereiten, die U23 wieder einführen. Darf er das?

Diese Frage können nur die Mitglieder beantworten. Letztlich sind sie es, die in einer ordentlichen oder außerordentlichen Mitgliederversammlung den Aufsichtsrat wählen. Der gewählte Aufsichtsrat bestellt das Präsidium. Wann Wahlen sind, steht und fällt auch mit der Gruppe. Sie hat die Möglichkeit, Unterschriften von mindestens zehn Prozent der Mitglieder zu sammeln. Damit könnten sie eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit dem Tagesordnungspunkt "Neuwahl des Aufsichtsrates" beantragen. Oder sie wartet bis Herbst 2016. Für diesen hat Ostermann eine ordentliche MV angekündigt. Auf dieser würde denn der Aufsichtsrat eh gewählt, weil seine Amtsperiode 2016 abläuft. Wie sich die Gruppe entscheidet, ob sie wartet oder eine Liste vorlegt, scheint davon abzuhängen, wie das nächste Gespräch mit Ostermann läuft.

Ein aktuelles Aufsichtsratsmitglied ist Claude Burgard, der auch Mitglied bei "UnserFC" ist. Er hat in der Pinigate-Affäre Gespräche aufgezeichnet (wir berichteten) und wird daher von einem Teil der Fans und Mitgliedern zum Rücktritt aufgefordert. Zuletzt am Samstag, als sich der neu gegründete Dachverband der Fans entschloss, in seiner ersten Pressemitteilung Burgard zum Rücktritt aufzufordern. Das hat auch Ostermann bereits vor Monaten getan. Er hat gefordert, dass Rat und Präsidium in Gänze zurücktreten sollen, um Neuwahlen zu ermöglichen. "Ich habe daher dem Aufsichtsrat mehrfach angeboten, zurückzutreten. Unter der Bedingung, dass alle anderen auch zurücktreten. Doch das wollten sie nicht", sagt Burgard. Also blieb er. Denn ein alleiniger Rücktritt hätte seiner Satzungsauffassung nach auch nicht dazu gedient, dass sich das Gremium auflösen muss. "Der Rat ist auch nur mit zwei Mitgliedern beschlussfähig", sagt Burgard.

Meinung:

Das Gift im FCS-Blut

Von SZ-RedakteurMichael Kipp

Im Blutkreislauf des 1. FC Saarbrücken ist Gift. Die Affären und Skandälchen der vergangenen Monate, der verpasste Aufstieg - ins FCS-Blut von Fans und Mitgliedern schleicht sich nach und nach das Übel der Uneinigkeit ein und zersetzt den inneren Zusammenhalt. Die Folge: Der FCS ist kein Verein mehr, der gemeinsam denkt und miteinander handelt.

Da gibt es eine Oppositionsgruppe, die "zunächst" keine Opposition sein will, sich aber auf ihrer Internetseite als nichts anderes als Opposition mit einem neuen Personaltableau darstellt. Ein Teil der Fans und Mitglieder unterstützt sie. Auf der anderen Seite gibt es den Dachverband der Fans , der gegen die Oppositions-Gruppe ist.

All das führt wohl zu einem: zu einer Spaltung. Vor allem, wenn die Gruppen nur über-, aber nicht miteinander reden. Sowas kann kein Verein der Erde gebrauchen. Daher gilt: Redet miteinander. Denn nur so könnt ihr den FCS wieder zu dem machen, was er sein will: zu einem Verein.