Vor Test gegen Darmstadt: Kwasniok beim 1. FC Saarbrücken mit neuen Methoden

Kostenpflichtiger Inhalt: 1. FC Saarbrücken testet gegen Darmstadt : Mit Kwasniok herrscht beim FCS ein neuer Ton

Neuer Saarbrücker Trainer fordert die Mannschaft bei den Einheiten richtig. Erstes Testspiel im Sportfeld gegen Darmstadt 98.

Seit vergangenem Freitag arbeitet Fußball-Lehrer Lukas Kwasniok mit der Mannschaft des Regionalligisten 1. FC Saarbrücken an der Misson Aufstieg. Für die zahlreichen Trainingskiebitze beim Tabellenführer ist seither deutlich erkennbar: Mit Kwasniok ist ein anderer Ton ins Trainingsgelände eingezogen. „Genau genommen sind es sogar drei Töne“, sagt der neue Cheftrainer schmunzelnd und zieht ein knapp 20 Zentimeter langes, orangenes Gerät aus seiner Hosentasche: „Es ist eine elektrische Pfeife, die ich hin und wieder benutze. Sie hat neben den drei Tönen den Vorteil, dass sie jeder benutzen kann, ohne dass er die Geschmacksrichtung des Vorgängers abbekommt.“

Doch auch die tägliche Arbeit mit den Spielern sieht bei Kwasniok anders aus – und hört sich auch anders an als bei seinem Vorgänger Dirk Lottner. Läuft eine Übung nicht so, wie der 38-Jährige sich das vorstellt, unterbricht er schnell und macht lautstark deutlich, was er verlangt. „Es wird mal lauter, und das ist auch gut so, damit wir da einen Push kriegen“, sagt der selbst für seine Emotionalität bekannte Mittelfeldspieler Fanol Perdedaj.

Kwasniok erklärt: „Wir legen derzeit den Fokus auf die Arbeit gegen den Ball. Da gibt es zwei Schwerpunkte: das extreme Jagen, also ein sehr aktives Spiel, aber auch Erholungsphasen, wo wir überwiegend unser Tor verteidigen. Da einen Rhythmus reinzubekommen, wird die Herausforderung sein.“

Herausfordernd sind Kwasnioks Trainingsformen bislang allemal. So sollten die Spieler in einer Übungsform den Verteidiger anfeuern, der den ballführenden Angreifer agressiv anläuft. Das sorgte für verwunderte Blicke auf dem Feld. „Wenn ich gegen den Ball arbeite, hilft es mir und erschwert dem Gegner die Situation ungemein, wenn ich eine gewisse Lautstärke mit auf den Platz bringe“, erklärt Kwasniok, der seine Prüfung als Fußball-Lehrer mit 1,0 abgeschlossen hat. „Wenn du das selten gemacht hast, ist es ungewohnt, aber irgendwann wird es zum Automatismus. Ich denke, jeder Mensch sollte auf und außerhalb des Platzes bereit sein, neue Dinge aufzunehmen.“

Dazu nutzt der neue Cheftrainer  die gesamte Klaviatur der Tonlagen. Während der Übungen lobt er viel, gibt kleine Korrekturen mit auf den Weg und bringt in vielen Einzelgesprächen Hinweise und Anregungen ein. Die Intensität ist hoch, die Einheiten dauern immer deutlich länger als beim Vorgänger. „Der Mensch neigt zur Bequemlichkeit. Selbst der Kofferraumdeckel geht heutzutage auf Knopfdruck zu“, sagt Kwasniok, „nur die Arbeit auf dem Feld wird immer die gleiche bleiben. Extrem viel arbeiten, extrem viel leiden auch. Und das fällt leichter, wenn die Kollegen mich dabei unterstützen.“ Wie das aussehen soll, wurde beispielsweise am Mittwoch auch in einer fundierten Videoanalyse aufgezeigt. „Das war schon sehr stark“, sagt selbst Torwart Ramon Castellucci zur taktisch-theoretischen Arbeit des neuen Cheftrainers.

Deren erste Ergebnisse soll es an diesem Freitag im Sportfeld um 14 Uhr im ersten Testspiel gegen Zweitligist SV Darmstadt 98 zu sehen geben. Kwasniok wird voraussichtlich allen Spielern Spielzeit geben. „Zu diesem Zeitpunkt können wir die Jungs nicht 90 Minuten durchlaufen lassen. Aber ich will schon sehen, wer die Inhalte umsetzen kann.“ Kwasniok gibt beim FCS den neuen Ton an – und wenn es sein muss, pfeift er auch auf den Fingern.