So tickt Lukas Kwasniok, neuer Trainer des 1. FC Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: So tickt der neue FCS-Trainer : Ein emotionaler Wecker für den FCS

Stark in der Theorie, aber auch emotional und offen: So präsentierte sich Lukas Kwasniok, neuer Trainer des 1. FC Saarbrücken, am Freitag erstmals den Journalisten.

Ruft man nach Verlassen der Geschäftsstelle des 1. FC Saarbrücken den Aufzug, leuchtet nur eine Taste: die nach oben. Und genau dahin soll der neue Trainer Lukas Kwasniok den Tabellenführer der Fußball-Regionalliga Südwest führen. „In der Winterpause eine Mannschaft zu übernehmen, die ganz oben steht, ist völlig ungewöhnlich“, sagte der 38-Jährige bei seiner Vorstellung an der Berliner Promenade gestern, „der FCS ist derzeit die vielleicht spannendste Aufgabe im deutschen Fußball.“

14 Spiele hat der Neue, der „diesen Job unbedingt haben wollte“. Anders als bei anderen Kandidaten, mit denen die Verantwortlichen gesprochen hatten, sei beim gebürtigen Gleiwitzer die Laufzeit des Vertrages nie ein Thema gewesen. Dass Kwasniok nur über das Saisonende hinaus FCS-Trainer bleibt, wenn er in die 3. Liga aufsteigt, hat ihn nicht abgeschreckt. „Als Trainer hast du immer Druck – ob im Aufstiegskampf oder Abstiegskrampf. Wer mit Druck nicht umgehen kann, sollte sich einen anderen Beruf aussuchen.“

Offen antwortet er, warum er nach dem fast sensationellen Klassenverbleib mit seinem Ex-Club FC Carl Zeiss Jena dann in Liga 3 nicht in die Spur gekommen ist. „Ich habe mich weder als Held noch als Versager gefühlt. Wir haben im Sommer ein paar kapitale Fehler gemacht. Das Anforderungsprofil der Spieler war das falsche. Ich hatte die Entwicklung der Spieler über den Erfolg gestellt.“

Mit seinen neuen Spielern hatte der neue Trainer bereits telefonisch Kontakt – nur Kianz Froese hat er noch nicht erreicht. „es war mir wichtig, dass sie zum Gesicht auch schon mal eine Stimme gehört haben.“ Dass ihm der Ruf vorauseilt, ein Freund des 4-4-2-Systems zu sein, unterschreibt er nicht. „Man muss das System spielen, zu dem man das Spielermaterial hat. Aber in den letzten zehn Jahren ist meines Wissens nach außer Chelsea keine Mannschaft Meister geworden oder aufgestiegen mit einer Dreierkette.“ Das war die bevorzugte Taktik seines Vorgängers Dirk Lottner. „Unabhängig vom System kannst du mit vier, fünf oder sechs Spielern angreifen“, sagt der zweifache Vater Kwasniok, dessen Familie zunächst weiter in Muggensturm wohnen wird, „es ist ein schmaler Grat zwischen offensivem Fußball und Absicherung. Unterm Strich zählen aber nur die zwei Boxen. Da wollen wir präsent sein. Daher würde ich eher mit sechs, als mit vieren angreifen.“

Kwasniok hat seine Fußballlehrer-Ausbildung mit der Note 1,0 abgeschlossen. „Mitschüler“ berichten von einer herausragenden Fachkompetenz, aber auch von großer Leidenschaft an der Seitenlinie. „Man kann sich in der Theorie einiges aneignen und trotzdem seine Emotionalität bewahren. Ich versuche, eine gesunde Mischung zu finden“, sagt Kwasniok und erklärt: „Du kannst von Spielern nur das erwarten, was du selbst vorlebst. Wenn du am Anschlag arbeitest, gehören Emotionen dazu. Es ist auch Aufgabe eines Trainers, Spieler mal emotional zu wecken.“ Auch da wurden dem Vorgänger Defizite nachgesagt. „Wir wollten den Trainer holen, der mit unserer Mannschaft erfolgreich ist. Da sind wir bei Lukas hängengeblieben“, begründet FCS-Sportdirektor Marcus Mann die doch überraschende Entscheidung, „er bringt all das mit, von dem wir glauben, dass es die Mannschaft benötigt.“

Ein Co-Trainer soll noch kommen, der Kader nur verändert werden, sollten Spieler den Club noch verlassen wollen. Kwasniok, der beim Handwerken Entspannung findet, spricht deutsch, polnisch und englisch, will künftig spanisch und in Saarbrücken auch französisch vertiefen. „Ich habe hier eine Mission“, weiß er, „der Reiz ist, über diese Mission eine Vision zu erarbeiten. Aber dem Aufstieg wird in den kommenden Wochen und Monaten alles untergeordnet.“ Denn der Fahrstuhl soll nach oben gehen – ohne Wenn und Aber.