Herbert Binkert vom 1. FC Saarbrücken stirbt mit 96 Jahren

Kostenpflichtiger Inhalt: Tod mit 96 Jahren : Der Saar-Fußball trauert um eine Legende

Herbert Binkert stirbt mit 96 Jahren. Er war Teil einer mythischen Mannschaft des 1. FC Saarbrücken und der Saar-Nationalmannschaft.

Als Jules Rimet, der damalige Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, den 1. FC Saarbrücken als „die interessanteste Mannschaft des Kontinents“ bezeichnete, war Stürmer Herbert Binkert einer der interessantesten Spieler dieses Teams. Der Krieg hatte den gebürtigen Karlsruher nach Saarbrücken verschlagen, die Liebe ihn hier gehalten – die Liebe zu seiner Frau und seinem Verein. Binkert prägte die wohl erfolgreichste Zeit der Blau-Schwarzen, trug das Trikot der saarländischen Nationalmannschaft. Am Samstag starb Binkert, der zuletzt in einem Altenheim in Bischmisheim lebte, nach einem kürzlich erlittenen Schlaganfall im Alter von 96 Jahren.

„Herbert Binkert war immer ein interessanter und interessierter Gesprächspartner. Sich mit ihm zu unterhalten, war immer ein Gewinn“, sagt FCS-Präsident Hartmut Ostermann: „Er steht für die großen Erfolge des FCS nach dem Krieg und ist trotz all seiner Verdienste und seiner großartigen Laufbahn immer ein bescheidener Mensch geblieben. Er ist eine einzigartige Persönlichkeit unserer Vereinsgeschichte.“

Binkerts Fußball-Karriere begann bei Phönix Karlsruhe, dem späteren KSC. 1942 kam er als Flak-Soldat nach Saarbrücken. „Krieg ist unbeschreiblich grausam“, sagte Binkert viele Jahre später. Dass er als Gastspieler beim FV Saarbrücken – aus ihm entstand später der FCS – für zehntausende Menschen die Gräuel des Krieges für eine gewisse Zeit vergessen machen konnte, sah er als großes Glück und Geschenk an.

Zu den Erfolgen über den FC Mülhausen (5:1), die Kölner SV Victoria (5:0), den VfR Mannheim (3:2) und First Vienna FC 1894 Wien (2:1) trug Binkert mit fünf Toren für „die Mannschaft aus Soldaten und Bergarbeitern“ bei. „Obwohl nur von niederem Wuchs, hat gerade er sich glänzend herausgemacht“, schrieb das Programmheft des Reichsbundes für Leibeserziehungen 1943 über den 1,68 Meter großen Binkert, der das Finale um die deutsche Meisterschaft gegen den Dresdner SC in Berlin damals aber fast verpasst hätte. Nur Beziehungen bewahrten ihn vor einer Versetzung zum Afrika-Corps. „Feines Ballgefühl und gute Spielübersicht, dabei sehr temperamentvoll und schussentschlossen“, hieß es über den damals 19-Jährigen. Dresden siegte mit 3:0. 1952 sollten Binkert und der FCS erneut im Finale stehen und mussten sich in Ludwigshafen dem VfB Stuttgart knapp mit 2:3 beugen.

Legendär bis heute ist der 21. Februar 1951, als der FCS mit Binkert Real Madrid in deren Stadion mit 4:0 vom Platz fegte. Mit 37 Jahren, nach 174 Oberliga-Spielen mit 110 Treffern, beendete Binkert seine Spielerkarriere, blieb als Trainer und später Funktionär dem Sport verbunden. „Ich habe einen Freund verloren“, sagt Werner Cartarius, mit Binkert seit vielen Jahren im Ehrenrat des FCS tätig: „Er hat seinen Namen in die Tore in ganz Europa geschrieben, blieb immer ein wertvoller Ratgeber und großartiger Mensch.“

Zwölf Mal trug Binkert das Trikot der saarländischen Fußball-Nationalmannschaft. Mit sechs Treffern ist er Rekordtorschütze. Er und sein langjähriger Weggefährte Werner Otto trafen beim 3:2-Erfolg in Norwegen in der WM-Qualifikation 1954, wo das kleine Saarland den späteren Weltmeister Deutschland zumindest ärgern konnte. Das 1:3 im brechend vollen Ludwigsparkstadion war dann aber das Ende der Saar-Träume. „Ich war und bin Realist. Das habe ich Fritz Walter nach dem Spiel so gesagt. Deutschland hatte bei der WM viel mehr Chancen als wir Saarländer“, erzählte Binkert bei seinem 95. Geburtstag. Er sollte Recht behalten. „Herbert Binkert hat sich immer durch seine große Fairness ausgezeichnet“, würdigt der Vize-Präsident des Saarländischen Fußballverbandes, Adrian Zöhler, die Verdienste des Verstorbenen: „Er hat damit auf und neben dem Platz viele Sympathien erworben. Für sich selbst, aber auch für den Saarfußball.“

Vor wenigen Wochen war Binkert Gast bei der Gala-Veranstaltung zur Wahl der Saarsportler des Jahres. Mit seinem Freund Werner Otto, der am Freitag seinen 91. Geburtstag feierte, und Kult-Trainer Klaus Schlappner wurden viele Geschichten aus vergangenen Fußballtagen aufgefrischt. „65 Jahre nach dem Wunder von Bern Werner und Herbert auf der Bühne zu haben, war etwas ganz Besonderes“, erinnert sich Thomas Wollscheid, der Vorsitzende des Vereins Saarländische Sportjournalisten und Moderator des Abends, an Binkerts letzten öffentlichen Auftritt: „Mir ging es da wie vielen Gästen: Ich hätte noch Stunden zuhören können.“

So haben ihn die Anhänger des 1. FC Saarbrücken kennen- und lieben gelernt: Herbert Binkert in seiner typischen Art als Torjäger. Foto: Hartung
Nach seiner aktiven Karriere war Herbert Binkert als Trainer tätig – hier mit dem heutigen FCS-Aufsichtsrat Egon Schmitt. . Foto: EliaScan/Hartung
Sein letzter Auftritt: Bei der Saarsportler-Wahl war Herbert Binkert (Mitte) Teil einer launigen Runde mit Werner Otto und Klaus Schlappner. Foto: Thomas Wieck

Die Frage, ob er denn heute etwas in seinem Leben anders machen würde, hat Herbert Binkert stets verneint – auf seine eigene, unvergessliche Art: „Ich hätte meine Frau nicht kennen gelernt, und meine Kinder und Enkelkinder gäbe es dann auch nicht. Und ich hätte diese wunderbare Zeit mit dem FCS nicht erlebt. Es ist alles gut, so wie es war.“