DFB-Pokal Die nächste Pokal-Sensation! 1. FC Saarbrücken schlägt Eintracht Frankfurt

Saarbrücken · Der 1. FC Saarbrücken hat erneut Pokal-Geschichte geschrieben: Mit 2:0 besiegten die Saarländer am Abend Bundesligist Eintracht Frankfurt und stehen damit im Viertelfinale.

1. FC Saarbrücken gegen Eintracht Frankfurt – Fotos vom Spiel​
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1. FC Saarbrücken gegen Eintracht Frankfurt – Fotos vom Spiel

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Foto: BeckerBredel

Das nächste Wunder ist perfekt. Fußball-Drittligist 1. FC Saarbrücken hat am Mittwochabend ein weiteres Kapitel seines Pokal-Märchens geschrieben. Am Ende zwangen die wie bei der Sensation gegen Bayern München in der Runde zuvor in Weiß spielenden Saarbrücker auch den Bundesligisten und Europa-League-Sieger von 2022 in die Knie und gewannen sensationell mit 2:0. „Da muss man mega stolz sein“, sagte FCS-Trainer Rüdiger Ziehl beglückt, „das ist einfach geil!“

Noch weiträumigere Absperrungen als schon zuletzt und ganz schwierige Bedingungen für die Anhänger, ans Stadion zu gelangen, an fast jeder Ecke unterhielten und beschwerten sich Fans über das Polizeikonzept. Zum Sportlichen: Vor ausverkauftem Stadion stellte FCS-Trainer und Manager Rüdiger Ziehl mit Amine Naïfi, Kasim Rabihic und Kai Brünker in der Spitze drei Offensivspieler auf. Eine mutige Aufstellung. Pünktlich um 18.00 Uhr ging es vor mit 15 903 Zuschauern im ausverkauften Ludwigspark los. Und der FCS spielte gleich nach vorne in die Frankfurter Hälfte.

Die Gastgeber setzten immer wieder Akzente in der Offensive. In der sechsten Minute musste sich Kevin Trapp, der Saarländer im Tor der Eintracht, bei einem Kopfball von Boné Uaferro nach weitem Einwurf von Marcel Gaus erstmals strecken und zupacken. Nach einer Viertelstunde waberte dann schwarzer Rauch durch die FCS-Fankurve Virage Est. Kurz darauf fast die Führung für den FCS. Nach einer Ecke herrschte Konfusion im Frankfurter Strafraum, Luca Kerber stocherte kurz vor Trapp nach dem Ball, Trapp hielt aber. Dann traf der FCS-„Maskenmann“ Kai Brünker. Er köpfte eine Rabihic-Flanke aus kurzer Distanz ein (20.).

FCS schlägt Eintracht Frankfurt – die besten Bilder rund um die Pokal-Sensation​
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Der FCS schlägt Eintracht Frankfurt – die besten Bilder rund um die Pokal-Sensation

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Foto: BeckerBredel

Es gab aber Videobeweis, ab dem Achtelfinale des Pokals werden Entscheidungen durch den Video Assistent Referee (VAR) überprüft. Wegen eines Fouls von Naïfi am Frankfurter Robin Koch zuvor zählte der Treffer dann nicht, informierte Stadionsprecher Christoph Tautz, der das Tor schon durchgesagt hatte, die Zuschauer. Der FCS lieferte wie gegen Bayern einen beherzten Auftritt, verteidigte mit viel Geschick, die Spieler warfen sich in jeden Zweikampf, es kam kaum zu brenzligen Situationen. Ein Zwei-Klassen-Unterschied war nicht zu erkennen, das Spiel war erstaunlich offen. Das brachte auch Eintracht-Trainer Dino Toppmöller zur Verzweiflung, unzufrieden breitete er in der 44. Minute die Arme am Spielfeldrand aus.

30 Sekunden später wieder eine Riesenchance für Saarbrücken, nach einem weiten Ball scheiterten erst Manuel Zeitz an Trapp, ehe Kai Brünker vorbeischoss. Die Blau-Schwarzen lieferten den Hessen ein Duell absolut auf Augenhöhe

Die zweite Halbzeit hatte kaum begonnen, als beim FCS Bjarne Thoelke verletzt rausmusste. Für ihn kam Lukas Boeder. Die Hessen machten nun mehr für die Offensive. In der 61. Minute hatten die Blau-Schwarzen dann Aluminium-Glück, als Frankfurts zur Pause eingewechselte Aurélio Buta aus spitzem Winkel genau das Kreuzeck traf. Stattdessen traf dann der FCS. Naïfi legte ab, Brünker zog einfach mal ab, der Ball schlug genau rechts unten neben dem Pfosten ein, Trapp tauchte vergeblich ab (64.). Diesmal zählte der Treffer mitten in einer Frankfurter Drangphase. Und die Führung war nicht unverdient. „Das ist geisteskrank“, fasste Brünker beim Fernsehsender Sky nach dem Abpfiff zusammen: „Wir haben alles wegverteidigt, Hut ab vor der gesamten Mannschaftsleistung, einfach surreal. Wir sind eine Runde weiter – und wollen da weiter rocken! Gefühlt sollten wir in der ersten Liga spielen.“

Die Stimmung wurde immer lauter, von allen Tribünen schallten Anfeuerungsrufe. Aufopferungsvoll kämpfte der David gegen den Goliath weiter. Die Eintracht versuchte, Druck zu machen. Aber Tim Schreiber im FCS-Tor war nicht zu überwinden. Auf der anderen Site kam Zeitz nach einer Gaus-Eingabe etwas zu spät und verpasste das 2:0 (76.). Bei Frankfurt verließ dann der unauffällige WM-Finaltorschütze von 2014, Mario Götze, den Platz. Dann bebte der Park, Luca Kerber belohnte eine starke Druckphase des FCS mit dem Schuss zum 2:0 (78.). „Ich bin sauer, das ist brutal enttäuschend“, sagte Eintracht Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche: „Wir haben schlecht verteidigt und hatten keine Lösung nach vorne. Es geht im Fußball darum, Zweikämpfe anzunehmen, wir können nicht immer nur schön spielen.“

Im Ludwigspark hielt es in den Schlussminuten niemand mehr auf den Sitzen. Frustriert war Frankfurts Noel Futkeu, der eingewechselte Gästespieler sah die Rote Karte wegen einer Tätlichkeit (83.). Beim FCS kamen nun Dominik Becker und Julian Günther-Schmidt für Kai Brünker und Patrick Sontheimer (85.). Fast sogar das 3:0 nach einem kurz gespielten Freistoß, aber Trapp hielt (88.). Nach vier Minuten Nachspielzeit war die nächste Sensation geschafft.

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