DFB-Pokal: 1. FC Saarbrücken schlägt Karlsruher SC mit 5:3 im Elfmeterschießen

Kostenpflichtiger Inhalt: Größter Pokal-Erfolg seit 35 Jahren : Nervenstarker FCS darf auf großes Los hoffen

Der 1. FC Saarbrücken erreicht als erst dritter Viertligist das Viertelfinale im DFB-Pokal. Jetzt geht es auf jeden Fall gegen einen Bundesligisten.

Fünf Schritte Anlauf. Ein Schuss. Ein Schrei. Innenverteidiger Christopher Schorch hat den Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken gegen Zweitligist Karlsruher SC ins Viertelfinale des DFB-Pokals geballert. „Wahnsinn, ich bin so unfassbar stolz. Es war eine geile Leistung von allen. Wir hatten alle bis zum Schluss den absoluten Willen, das Ding zu gewinnen“, sprudelte es aus Schorch heraus, nachdem er mit dem letzten Schuss des Elfmeterschießens den 5:3 (0:0)-Sieg perfekt gemacht hatte. Während Schorch noch Interviews geben musste, war in der Kabine schon Party angesagt. Markus Mendler schleppte die erste Kiste, Sebastian Jacob nur Augenblicke später die zweite in den Umkleidebereich – und dann kam der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Hälsig mit einem Tablett.

„Geiler Abend. So ein Feierabend­bier kann man sich gönnen. Es kann vielleicht auch das ein oder andere mehr sein, schließlich ist das nächste Pflichtspiel ja noch ein paar Wochen entfernt“, sagte Verteidiger Mario Müller, „wir sind aus der kalten Hose gekommen, hatten bislang kein Pflichtspiel. Was wir hier kämpferisch und läuferisch gezaubert haben, war überragend. Es spricht für den Charakter und die Qualität unserer Mannschaft.“

Der Mittwochabend begann mit einer großen Geste. Die FCS-Fans verabschiedeten sich auf dieser ganz großen Bühne von Herbert Binkert. Die saarländische Fußball-Legende war vor einigen Wochen verstorben. Danach brannte das Feuerwerk zunächst nur auf den Tribünen. Trotz verstärkter Kontrollen gab es Pyrotechnik in beiden Blöcken, es wird für beide Vereine wieder unnötig teuer.

Die entscheidende Szene: FCS-Torhüter Daniel Batz macht sich ganz lang und hält den Elfmeter von Karlsruhes Kapitän David Pisot. Foto: Andreas Schlichter

Wer Spektakel-Fußball erleben wollte, war in Völklingen fehl am Platz. Torraumszenen waren Mangelware. Doch das ist eher ein Lob für die taktisch clevere, aber enorm laufintensive Defensivarbeit des Regionalligisten. „Man kann heute jeden einzelnen loben“, sagte Kapitän Manuel Zeitz stolz, „wir haben 120 Minuten defensiv ein richtig gutes Spiel gegen einen Zweitligisten gemacht. Aus dem Spiel raus haben wir verdammt wenig zugelassen.“

Ein Schuss von Anton Fink, den FCS-Torwart Daniel Batz parierte (2.), ein Kopfball von David Pisot nach einer Ecke (34.) und ein Schuss des freistehenden Fink über das Tor (52.) war alles, was gefährlich in Richtung FCS-Tor kam. Die Hausherren wurden von Minute zu Minute stärker. „Wir haben Luft für 120 Minuten. Gegen Köln sah das noch ganz anders aus, da waren wir am Ende“, sagte Schorch, „wir hatten auch eine richtig gute Vorbereitung.“

Und Chancen, die Partie vorzeitig zu entscheiden. Fabian Eisele scheiterte kurz nach der Pause mit einem Schuss aus der Drehung an KSC-Schlussmann Marius Gersbeck, den der eingewechselte Gillian Jurcher vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit überlupfte. Doch der Ball ging neben das Tor. Noch dichter dran am Siegtreffer war Schorch, der nach einer Ecke von Timm Golley danebenschoss (111.). „Es wäre geil gewesen, einen zu machen. Der eine ins lange Eck wäre schön gewesen“, sagte Schorch, „so konnte ‚Batzi’ Geschichte schreiben.“

Auf den Tag genau 35 Jahre zuvor hatte FCS-Torwart Carsten Hallmann gegen Bundesligist VfB Stuttgart zwei Elfmeter gehalten und den damaligen Zweitligisten ins Pokal-Viertelfinale geführt. Seitdem war der FCS nie mehr so weit im Pokal gekommen, 1985 war nach einem Sieg gegen Hannover 96 (1:0) im Halbfinale gegen Bayer Uerdingen (0:1) Endstation. Der aktuellen Nummer eins Daniel Batz genügte am Mittwoch eine Parade. Beim Schuss von Pisot ins vom Schützen rechte Eck fuhr Batz den linken Arm aus und hielt. „Es war nur einer von fünf, aber ich bin unfassbar glücklich, dass ich den halten durfte“, sagte Batz, „und unsere Jungs haben unfassbar geschossen.“

Die Saarbrücker Fans erinnerten mit einer Choreografie an die vor einigen Wochen verstorbene FCS-Legende Herbert Binkert. Foto: Thomas Wieck

Steven Zellner war der erste. Er spielte völlig überraschend im Sturm, behielt auch vom Punkt die Nerven. Golley legte nach, ballerte unter die Latte. Auch Zeitz traf souverän. Dann kam Nino Miotke. „Der Trainer hat gefragt, wer noch schießen will. Da habe ich mich gemeldet“, so der 22-Jährige, „ein Stück nervös ist man immer, aber ich habe es mir zugetraut.“ Schorch machte nach Pisots Fehlschuss den Traum zur Realität: Bayern München, Schalke 04, Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf, Union Berlin stehen im Viertelfinale des DFB-Pokals – und der FCS. Die Auslosung ist am Sonntag ab 18 Uhr in der ARD-Sportschau, gespielt wird das Viertelfinale am 3. und 4. März.