1. FC Saarbrücken gegen Gladbach Kein Ticket gekauft und trotzdem drin: Meine sechs kuriosen Minuten Stadion-Glück

Saarbrücken · Bevor es abgesagt wurde, war der Hype um das Spiel des 1. FC Saarbrücken gegen Borussia Mönchengladbach groß. Unsere Autorin ergriff jedoch erst kurz vor Anpfiff das Fußball-Fieber. Der Ludwigspark war da längst ausverkauft. Und trotzdem landete sie über einen kuriosen Umweg im Stadion.

1. FC Saarbrücken - Gladbach​: Meine kuriosen 6 Minuten Stadion-Glück
Foto: BeckerBredel

10 Minuten nach Start des Vorverkaufs sei er leer gefegt gewesen, der Ticketmarkt fürs große DFB-Spiel gegen den Erstligisten Gladbach. Fans beginnen in wochenlanger Vorfreude zu träumen, malen sich den nächsten Sensationssieg des FCS aus. Saarbrücken bereitet sich auf seinen Scheinwerfer-Moment vor ganz Deutschland vor.

Im Gegensatz dazu fällt mir, gegen 19.30 Uhr spontan vom Fußball-Fieber mitgerissen, auf, dass auch ich gerne Teil der Sensation sein will. Strömender Regen lässt hoffen, auf den ein oder anderen Schön-Wetter-Fan, der kurz nach 20 Uhr doch noch seinen Platz beim Geschichte-Schreiben frei macht. Vorm Stadion allerdings, statt Tickets, fassungslose Reaktionen über diese unfassbare Naivität und Dreistigkeit, sein Glück so herauszufordern. „Komm Määdsche, geh hemm!“ – nur eine der Reaktionen gestresster, aufgeregter Fans und Ordner.

Entgegen aller gut gemeinten Ratschläge, ein letzter Versuch am Kassenhäuschen, über den ich schon beim Fragestellen selbst lachen muss: „Ich weiß, sau blöde Frage, aber habt ihr zufällig…?“ Bevor ich meine Frage beenden kann, lacht die Frau auf der anderen Seite der Glasscheibe mit mir mit, steht auf und kommt mit einem einzelnen Ticket zurück.

Wir freuen uns gemeinsam über meine einzige, nicht besonders vielversprechende Hoffnung: Ein nasses Ticket, das kurz vorher im Regen gefunden wurde, mit langsam aufweichendem QR-Code. Gute 10 Minuten vor Spielbeginn, zum zweiten Mal in meinem Leben überhaupt im Ludwigspark, stehe ich etwas nass und noch etwas zufriedener mitten in der feiernden Virage Est und muss lachen.

Hier ist es: Mein Ticket.

Hier ist es: Mein Ticket.

Foto: Antonia Trinkaus

Auch dann, als es keine sechs Minuten später kurz vor 20.45 Uhr durch die Stadionlautsprecher hallt, dass nicht nur ich „hemm“ gehen sollte, sondern alle anderen auch. Ein Abend mit einer großen Niederlage für den FCS und Saarbrücken und mit einem für mich stärker wiegenden persönlichem Triumph. Ratschläge konsequent zu ignorieren, lohnt sich eben manchmal – allerdings nicht, wenn es um Rasenverlegung und Stadionbau geht.

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