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1. FC Saarbrücken: Familientreffen beim Pokalspiel des FCS gegen den KSC

Kostenpflichtiger Inhalt: Pokalspiel des FCS gegen den KSC : Familientreffen im Achtelfinale des DFB-Pokals

FCS-Sportdirektor Mann und Trainer Kwasniok haben familiäre Bindungen zum Karlsruher SC. Das galt bis gestern auch für Mario Müller.

1992 moderierte Werner Schulze-Erdel die erste Ausgabe der Fernsehsendung „Familienduell“ bei RTL. 2274 Ausgaben folgten auf unterschiedlichen Sendern, bis die Spielshow 2018 eingestellt wurde. Wenn der Fußball-Regionalligist 1. FC Saarbrücken an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/Sky) im Achtelfinale des DFB-Vereinspokals auf den Zweitligisten Karlsruher SC trifft, hätte es eigentlich gleich drei „Familienduelle“ geben können.

Sowohl FCS-Trainer Lukas Kwasniok als auch Sportdirektor Marcus Mann haben familiäre Bindungen zum Verein aus der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs. Doch nach der Entlassung von KSC-Trainer Alois Schwartz an diesem Montag fällt die dritte Familienzusammenführung morgen aus. „Das tut mir natürlich sehr leid“, sagt Mario Müller, Linksverteidiger beim FCS und Stiefsohn von Schwartz, „meine Mama und er sind zusammen, seit ich zwei oder drei Jahre bin. Ich bin mit ihm aufgewachsen, habe Erziehung genossen. Uns verbindet sehr viel. Das hätte am Mittwoch dann für zwei Stunden ruhen müssen.“ Mama Jutta kann jetzt dem Sohn uneingeschränkt die Daumen drücken. „Ich glaube, das hätte sie sowieso getan. Mutterliebe ist größer als alles andere.“

Die „Liebe“ der KSC-Verantwortlichen zu Trainer Schwartz, der die Badenser von einem Abstiegsplatz in Liga drei zurück in Liga zwei geführt hat, ist dagegen nach zwei verlorenen Spielen nach der Winterpause und insgesamt vier Niederlagen in Folge zu Ende. „Wir sind nach intensiver Analyse zu dem Schluss gekommen, in der aktuellen sportlichen Situation einen neuen Impuls setzen zu müssen, um unser großes Ziel, den Klassenverbleib, erreichen zu können“, sagte KSC-Geschäftsführer Oliver Kreuzer, „allen Beteiligten ist die Entscheidung sehr schwergefallen.“

Der nach zweieinhalb Jahren in Karlsruhe zusammen mit Co-Trainer Dimitrios Moutas geschasste Schwartz nahm die Entscheidung offenbar professionell auf. In einer Pressemitteilung des Vereins lässt der 52-jährige Ex-Trainer vermelden: „Ich habe in der Vergangenheit immer betont, dass es nicht um einzelne Namen, sondern um den KSC geht. Das schließt natürlich auch meine Person mit ein. Deshalb haben wir offene und ehrliche Gespräche über die aktuelle Situation geführt – und sind zu dem gemeinschaftlichen Entschluss gekommen, dass die Mannschaft eventuell einen neuen Impuls benötigt.“

Für Schwartz übernimmt der bisherige Co-Trainer Christian Eichner – pikanterweise ist das der Schwager von FCS-Sportdirektor Marcus Mann. „Da war es gut, dass wir in den letzten Wochen nicht so oft über das Spiel geredet haben – oder wäre es vielleicht doch besser gewesen“, scherzte Mann am Montag. Er ergänzte: „Fakt ist, dass der KSC damit ein Stück unberechenbarer geworden ist.“ Der in Leonberg geborene Sportdirektor Mann wurde in der Jugend des KSC ausgebildet und trug bis 2006 das blau-weiße Trikot. „Ich habe natürlich noch ein paar Kontakte dorthin, Teammanager Burkhard Reich war damals Co-Trainer, mit Manuel Stiefler habe ich hier in Saarbrücken gespielt. Ich war zwar elf Jahre dort, aber die emotionale Bindung lässt schon nach mit der Zeit.“

Kwasniok reagierte am Montag geradezu emotional auf die Nachricht von Schwartz’ Entlassung: „Alois war immer authentisch, hat immer mit Überzeugung das spielen lassen, was er für richtig gehalten hat. Und damit hatte der KSC viel Erfolg. Sie können keine 20 neuen Spieler holen, darum wird sich an der Grundausrichtung nichts ändern. Aber wie ich „Eiche“ kenne, wird er ein, zwei Überraschungen parat haben.“

Kwasnioks Sohn Brooklyn spielt in der U17 des KSC. Der neue FCS-Trainer selbst war Spieler und machte dort die ersten Schritte in die Trainerkarriere. „Es ist wie der erste Kuss, den vergisst du nicht. Ich habe dem Verein sehr viel zu verdanken. Es war mein erster Verein, ich war da elf, zwölf Jahre – es wird also immer eine besondere Beziehung sein. Ich fahre immer noch gerne in den Wildpark und habe zu vielen Mitarbeitern des Nachwuchsleistungszentrums einen sehr guten Kontakt. Ich habe dort viele Freunde gewonnen.“

FCS-Sportdirektor Marcus Mann wurde in der Jugend des Karlsruher SC ausgebildet. Foto: Andreas Schlichter

Der Platz in Völklingen ist übrigens trotz der starken Regenfälle in den letzten Tagen in gutem Zustand. „Er wurde bei der Begehung vom DFB sogar ausdrücklich gelobt“, sagte Mann und ordnete vor den Familienduellen die Kräfteverhältnisse noch einmal ein: „Natürlich ist die Lage dort angespannt. Aber Karlsruhe ist ein guter Zweitligist, davon sind wir wir noch ein Stück entfernt. Das wird ein echtes Kampfspiel.“ Und sicher spannender als manche Fernsehshow.