FCS wirkt im ersten Spiel ohne Lottner wie von einer Last befreit

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußball-Regionalliga Südwest : FCS wirkt wie von einer Last befreit

Der Regionalliga-Tabellenführer gewinnt das erste Spiel nach der Lottner-Trennung mit 7:0 gegen Rot-Weiß Koblenz.

Am 27. August hatte der 1. FC Saarbrücken bei Rot-Weiß Koblenz durch zwei ganz späte Tore von Sebastian Jacob mit 3:1 gewonnen. Es war eines dieser zahlreichen Spiele unter Trainer Dirk Lottner, an dessen Ende nur das Ergebnis stimmte. Am Samstag zeigte der FCS im ersten Spiel ohne Lottner 45 Minuten begeisternden Fußball – zugegeben gegen eine Koblenzer Mannschaft, die in dieser Verfassung nichts in der Fußball-Regionalliga Südwest verloren hat. Dennoch: Das 7:0 (6:0) war in verschiedener Hinsicht bedeutsam.

„Es war ein Zeichen an die Konkurrenz, dass wir vorne stehen und uns diesen ersten Platz nicht nehmen lassen“, sagte Sportdirektor und Interimstrainer Marcus Mann. „Wir wollten von Beginn zeigen, wer gewinnen wird“, erklärte Jacob, der an diesem Montag am Knie operiert werden wird: „Meniskus und Knorpel werden geglättet. Ich hoffe, das Ganze wird künftig reizfreier.“

Reizend gemacht war das 1:0 nach elf Minuten. Tobias Jänicke hinterlief Anthony Barylla auf der rechten Seite, RW-Torwart Leon Erbstroh klatschte den Ball vor die Füße von Jacob, der Rest war Formsache. Manns Umstellung vom auch im Team ungeliebten Lottner’schen 3-5-2 auf 4-4-2 schien eine Befreiung für die Mannschaft „Die schönsten Spielzüge über außen haben wir dabei gar nicht genutzt“, übte Mann einen Hauch von Kritik.

Doch auch dem 2:0 (14.) ging eine Jänicke-Flanke voraus, diesmal vollendete Markus Mendler. Es folgte der „erste Dreierpack in meiner Karriere“, gab Fanol Perdedaj zu Protokoll. Nach Vorarbeit von Jänicke und Barylla passte Jacob nicht ganz freiwillig quer. „Das Schlachtfeld vorm Tor ist schon fies“, sagte Jacob zu seinem „Auge für den besser postierten Mitspieler“. Perdedaj vollstreckte zum 3:0 (25.). Beim 5:0 (31.), einem Freistoß aus 35 Metern, und dem 6:0 (34.), einem Schüsschen aus 18 Metern, sah Erbstroh ganz schlecht aus. Beim 4:0 (27.) hatte Jacob am Ende einer wunderbar anzuschauenden Kombination den jungen Koblenzer Torwart wie eine Trainingsstange ausgespielt.

„Wir hatten der Mannschaft unter der Woche vermittelt, wie wir uns den Auftritt vorstellen. Die Mannschaft hat das hervorragend umgesetzt“, sagte Mann, der wegen der Kürze der Trainingswoche auf pesonelle Experimente verzichtet hatte: „Wir haben keine großen taktischen Übungen gemacht, darum war es wichtig, dass die Spieler wissen, wie wir anlaufen wollen. Aber es war egal, wen wir aufstellen und mit welcher Taktik. Ich wusste, dass wir das heute positiv gestalten und eine gute Leistung zeigen.“

In der zweiten Hälfte war das Feuerwerk abgebrannt, der FCS immer noch dominant, aber nicht mehr so zielstrebig. Es fehlte auch offensichtlich die Frische – ob der hohen Belastung der vergangenen Wochen geschuldet oder einer nicht adä­quaten Trainingssteuerung, ist offen. „Die Luft war einfach raus“, sagte Jacob, der in der 76. Minute nach Flanke des ganz starken Jänicke per Kopf den 7:0-Endstand herstellte.

„Wir haben den Fans ein schönes Weihnachtsgeschenk gemacht, jetzt können wir alle mal durchschnaufen“, sagte Jacob. Alle bis auf Mann, der bis zum Trainingstart am 3. Januar einen neuen Trainer präsentieren will. Aus dem Umfeld der Vereinsspitze verlautet, man wolle auf einen erfahrenen Übungsleiter setzen. Die Spekulationen darüber werden aber auch nach der Jahreshauptversammlung an diesem Montag um 19 Uhr in der Saarbrücker Congresshalle weitergehen.