FCS-Trainer Lottner nimmt Stadion-Posse mit Humor

Fußball-Regionalliga Südwest : Lottner nimmt Stadion-Posse mit Humor

Regionalliga-Tabellenführer 1. FC Saarbrücken startet zuhause gegen Pirmasens in die Rückrunde. Aufstieg ist fest im Visier.

An diesem Samstag um 14 Uhr startet der 1. FC Saarbrücken im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion gegen den FK Pirmasens in die Rückrunde der Fußball-Regionalliga Südwest. An deren Ende soll für den souveränen Tabellenführer die Meisterschaft stehen. Doch was passiert, wenn der FCS den Titel holt, aber wegen fehlender Spielstätte die Lizenz für die 3. Liga nicht bekommt? „Dann ist das halt so“, hatte Saarbrückens Sport- und Sicherheitsdezernent Harald Schindel im November 2017 geantwortet, seine Aussage aber kurz darauf dementiert.

Die Frage stellt sich im November 2019 erneut. „Toleranz-Abweichungen“ bei Betonstützen, die künftig die Dachkonstruktion tragen sollen, sorgen dafür, dass es wieder einmal nicht richtig weitergeht auf der großen Baustelle an der Camphauser Straße. Verzögerungen bis Februar haben die Verantwortlichen bereits eingeräumt, Mehrkosten neben den kürzlich bekannt gewordenen drei Millionen für Flutlichtsanierung, Beschallung oder Sicherheit (noch) nicht. „Der 1. FC Saarbrücken soll im nächsten Jahr so schnell als möglich im Ludwigspark spielen können“, hatte Saarbrückens neuer Oberbürgermeister Uwe Conradt am Donnerstag gesagt. Dabei ist aber fast interessanter, was er nicht gesagt hat: nämlich dass das Stadion zum Saisonbeginn Ende Juli 2020 zur Verfügung stehen wird.

Der Unmut der blau-schwarzen Fangemeinde ist groß. Die Anhänger wollen zurück in den Park. Die Verantwortlichen des potenziellen Hauptmieters – noch ist kein Mietvertrag zwischen Stadt und FCS unterschriftsreif ausgehandelt – halten sich mit Schuldzuweisungen allerdings wie bislang immer zurück. „Man sollte sich ausgerechnet auf der Zielgerade nicht mehr vom Weg abbringen lassen“, sagt FCS-Präsident Hartmut Ostermann: „Wir haben Vertrauen in die Stadt, dass es zu einer Lösung kommen kann, mit der der Verein im Sommer im Ludwigspark spielen kann.“ An einen längeren Verbleib im Völklinger Exil – und den damit verbundenen Investitionen für den notwendigen Ausbau – verschwende man im Verein derzeit keinen Gedanken.

FCS-Trainer Dirk Lottner nimmt die Stadionposse, über die viele nicht mehr lachen können, mit Humor. „Wie erfolgreich muss man denn sein, um diesen Umzug noch zu erleben?“, scherzt der 47-Jährige und ergänzt ernst: „Es macht keinen Sinn, sich damit zu beschäftigen. Innerhalb des Vereins sind wir kompetent genug, um die Dinge in die Wege zu leiten, dass wir im Sommer im neuen Stadion spielen.“

Lottners Kompetenz ist gegen Pirmasens vor allem auf der linken Seite gefordert, wo nach Mario Müller und José Pierre Vunguidica (beide gesperrt) nun auch Tobias Jänicke (Zerrung) ausfällt. „Ich habe schon links gespielt“, sagt Anthony Barylla – er stand bei allen 17 Ligaspielen bislang in der Startformation, allerdings eher auf der rechten Seite. „Es ist eine besondere Situation, aber wir werden eine Lösung finden“, sagt Lottner, der auf den wiedergenesen Nachwuchsspieler Rasim Bulic zurückgreifen kann, aber auf Téo Herr (Beschwerden an der Ferse) verzichten muss.

Den FKP zu unterschätzen, wäre wohl ein fataler Fehler, auch wenn die Pfälzer in Abstiegsgefahr schweben. „Sie haben seit dem sechsten Spieltag nur zwei Spiele verloren, sind gegen den 1. FC Kaiserslautern im Pokal bis ins Elfmeterschießen gekommen“, warnt Lottner: „Wir müssen auf ihr Umschaltspiel achten, gleichzeitig aber extremen Druck aufbauen, um sie zu Fehlern zu zwingen.“ Die größten Fehler werden aber derzeit offenbar auf einer anderen Baustelle gemacht.

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