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Tischtennis-Bundesliga
Der Saisonstart hat es gleich in sich

Neuzugang Darko Jorgic vom 1. FC Saarbrücken feierte heute vor einem Monat seinen 20. Geburtstag. Das Tischtennis-Toptalent aus Slowenien ist so jung, dass er noch eine Zahnspange trägt.
Neuzugang Darko Jorgic vom 1. FC Saarbrücken feierte heute vor einem Monat seinen 20. Geburtstag. Das Tischtennis-Toptalent aus Slowenien ist so jung, dass er noch eine Zahnspange trägt. FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken. Tischtennisspieler Darko Jorgic trifft mit seinem neuen Verein 1. FC Saarbrücken auf die Top-Clubs der vergangenen Runde. Von Ralph Tiné

Für den 1. FC Saarbrücken Tischtennis geht es an diesem Wochenende wieder los – und wie. Viel schwerer hätte der Doppelspieltag zum Auftakt kaum sein können. Am morgigen Freitag um 19 Uhr muss der FCS-TT beim Vizemeister TTF Ochsenhausen ran. Am Sonntag können sich die Saarbrücker Tischtennisfreunde dann auf den Knaller gegen die Übermannschaft Borussia Düsseldorf freuen. Das Spiel gegen den amtierenden deutschen Meister und Champions League-Sieger beginnt um 15 Uhr in der Saarbrücker Joachim-Deckarm-Halle.


Nach den Abgängen von Tiago Apolonia, Bojan Tokic und Patrick Baum ist aus der Vorjahresmannschaft nur Patrick Franziska übriggeblieben. So erwartet die Zuschauer ein deutlich verjüngter FCS-TT. Der aus der zweiten Mannschaft aufgerückte Tscheche Tomas Polansky (20) wurde allerdings an der Schulter operiert und kann vorerst nicht eingesetzt werden. Der erst 18-jährige Rumäne Cristian Pletea tritt für Saarbrücken nur in der Champions League an. Und ob der neue Taiwaner Liao Cheng Ting dabei sein wird, entscheidet sich erst kurzfristig.

Mit Darko Jorgic ist allerdings der Überraschungsmann der vergangenen Bundesliga-Saison am Wochenende am Start. Mit einer Spielbilanz von 13:12 (nach der Hinrunde betrug diese sogar 10:5) für den Außenseiter TSV Bad Königshofen konnte der 20-jährige Slowene in seiner Debüt-Saison nachhaltig auf sich aufmerksam machen. „Um ehrlich zu sein, hatte ich vor der ersten Saison in Deutschland sogar etwas Angst. Ich hatte gehofft, dass ich vielleicht ein paar Spiele gewinnen kann. Eine positive Bilanz hätte ich aber niemals erwartet“, sagt Jorgic mit sympathischer Offenheit.



Der aus dem slowenischen Hrastnik stammende Rechtshänder ließ auch international aufhorchen, überzeugte im März mit dem dritten Platz bei der U21-Europameisterschaft. Dort verlor er im Halbfinale gegen seinen neuen Mannschaftskollegen Pletea. U21-Europameister wurde der dritte Saarbrücker Polansky. Deswegen sagt Erwin Berg, der Sportchef der Saarbrücker, nicht ohne Stolz: „In dieser Saison haben wir die drei besten U21-Spieler Europas unter Vertrag.“

Als Höhepunkt seiner noch jungen Laufbahn beschreibt Jorgic allerdings den dritten Platz bei der Team-Europameisterschaft 2017 mit Slowenien. „Die Bronzemedaille im Seniorenbereich war auf jeden Fall das Highlight. Das war der beste Moment in meinem Leben“, sagt der Nachwuchsmann. Dass ihm dabei der Stolz aus allen Poren strahlt, ist kein Wunder. Schließlich hatte er im mit 2:3 verlorenen Halbfinale gegen Deutschland die damalige Nummer eins der Welt, Deutschlands Topspieler Dimitrij Ovtcharov, besiegt.

Für Jorgic ist der Wechsel nach Saarbrücken ein Schritt in eine sportliche Zukunft, für die er sich sehr viel vorgenommen hat. „Saarbrücken ist ein Top-Club, der es jedes Jahr in die Playoffs geschafft hat. Jeder will die Liga gewinnen, auch wir. Das ist natürlich sehr schwer, aber auch wir haben eine Chance. Persönlich möchte ich im nächsten Jahr den Sprung unter die besten 30 der Weltrangliste schaffen. Das wird ebenfalls sehr schwer, aber ich denke, dass ich das schaffen kann“, sagt die aktuelle Nummer 69.

Damit ist der Ehrgeiz des jungen Slowenen aber noch nicht gestillt. „Jeder, der Pro Tour spielt, will die Nummer eins in der Welt werden. Das ist natürlich ein harter Weg, aber man muss immer dafür kämpfen“, sagt Jorgic. Dass er bereit ist, die Strapazen und Entbehrungen, die ein solcher Kampf erfordert, auf sich zu nehmen, hat der 20-Jährige schon gezeigt. Den Rückhalt seiner Familie hat er ebenfalls: „Meine Familie kennt meine Ziele und weiß, was mir der Sport bedeutet. Sie unterstützt mich auf ganzer Linie.“ Seine große Bewunderung für Novak Djokovic erklärt Jorgic damit, dass seine Familie wie der Tennis­star aus Serbien stammt. Im Tischtennis selbst ist sein Vorbild der Chinese Zhang Jike. Natürlich – wie kann es anders sein – eine ehemalige Nummer eins der Weltrangliste.