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Fußball-Regionalliga Südwest
Lage des FCS ist „nicht zufriedenstellend“

Marcus Mann, der Sportdirektor des 1. FC Saarbrücken, sieht die erste Saisonhälfte seiner Mannschaft sehr kritisch.
Marcus Mann, der Sportdirektor des 1. FC Saarbrücken, sieht die erste Saisonhälfte seiner Mannschaft sehr kritisch. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Sportdirektor Marcus Mann zieht eine erste Zwischenbilanz der Regionalliga-Saison – und die fällt ernüchternd aus. Von Patric Cordier

Zur Halbzeit der Fußball-Regionalliga Südwest hat der Meisterschaftsfavorit 1. FC Saarbrücken zehn Punkte weniger geholt als Tabellenführer Waldhof Mannheim. Der Abstand beträgt nach dem Punktabzug für Mannheim (nach Randale beim Aufstiegsspiel im Sommer gegen Uerdingen) zwar nur sieben Zähler, dies ist aber noch nicht endgültig rechtskräftig. Unabhängig davon zieht FCS-Sportdirektor Marcus Mann für sich und seinen Verein eine ernüchternde Zwischenbilanz: „Das ist natürlich nicht zufriedenstellend. Der Abstand nach vorne ist viel zu groß. Keiner hat erwartet, dass wir vorneweg marschieren, aber wir sollten schon auf Augenhöhe sein oder engere Tuchfühlung zum Tabellenführer haben.“


Die unerwarteten Punktverluste begannen mit einer 0:3-Heimniederlage gegen den FSV Frankfurt. „Wir hatten uns den Start anders vorgestellt. Aber er war die Fortsetzung der Vorbereitung, in der wir nicht ein überzeugendes Testspiel hatten. So gab es die Quittung am ersten Spieltag“, sagt Mann: „Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, ins Detail zu gehen, weil wir mit dem Pokalspiel gegen den FC Homburg am Samstag noch insgesamt vier ganz wichtige Spiele vor der Winterpause haben. In der mannschaftlichen Leistung, aber auch bei jedem einzelnen konnten wir uns nicht auf einem konstant hohen Niveau einpendeln. Wir hatten selbst innerhalb eines Spiels oft Schwankungen drin. Dafür war das Ligaspiel in Homburg ein Paradebeispiel.“ Das gewann der FCH mit 2:1. „Fußball ist ein Ergebnissport, und um die Ergebnisse langfristig einfahren zu können, muss die Leistung stimmen. Und das tat sie über weite Strecken der Vorrunde einfach nicht“, sagt Mann unmissverständlich.

Ganz vorne ist der FCS bei der Zahl der muskulären Verletzungen. Aktuell müssen Fanol Perdedaj und José Pierre Vunguidica aufgrund von „Verhärtungen“ kürzer treten. „Pech haben wir nie als den alleinigen Grund dafür angeführt“, sagt Mann: „Wir haben uns lange damit beschäftigt und auch im Kontakt mit dem Olympiastützpunkt einiges geändert. Aber es gibt auch nicht nur bei uns muskuläre Verletzungen.“



Trainer Dirk Lottner hatte vor der Saison Geduld gefordert, bis sich neue Automatismen im Spiel einstellen. Die Suche nach der richtigen Formation dauerte aber gefühlt bis zum 16. Spieltag, dem 5:0 gegen Hoffenheim II. „Wir haben 33 Tore geschossen, das ist nach Mannheim der höchste Wert“, sagt Sportdirektor Mann: „Ob es immer am System liegt, weiß ich nicht. Wir hatten lange das Problem mit der Balance, uns vorne Chancen zu erarbeiten und hinten sicher zu stehen.“

Neben der Entwicklung der Mannschaft lässt Mann auch die Entwicklung einzelner Spieler in seine Halbzeit-Bilanz einfließen: „Wir haben einige Spieler, die dauerhaft oder zeitweise nicht die Leistung gebracht haben, die wir uns vorstellen. Dass sich die jungen Spieler in einer Mannschaft wie der unseren schwer tun, ist klar. Aber ein Gillian Jurcher macht das mit seiner Unbekümmertheit gut. Fatih Köksal war jetzt aufgrund guter Trainingsleistungen im Kader. Auch Lukas Quirin ist einer, der es auf Dauer gesehen schaffen kann.“

Ob der FCS in der Winterpause am Team etwas ändern wird, hängt nicht nur von den kommenden Spielen ab. „Die Größe des Kaders gibt es her, dass wir einen oder zwei abgeben“, sagt Mann: „Inwieweit man tätig werden muss, wird man sehen.“ Bislang habe es keine Freigabe-Anfrage gegeben. „Im Sommer laufen dann 13 oder 14 Verträge aus, da muss man sehen, wo die Reise hingeht. Der ein oder andere hat auch eine Option – meistens bei Aufstieg. Aber man braucht auch eine gewisse Blutauffrischung“, sagt Mann. Es soll sich also einiges tun.

Auch an der Seitenlinie, wenn der Aufstieg auch im dritten Anlauf unter Dirk Lottner nicht gelingt? „In den letzten Wochen war auch die Tendenz da, dass Punkte und Leistung – manchmal beides, manchmal nur eins – gepasst hat“, sagt Mann: „Der Punkteschnitt war in Ordnung. Ein Spiel wie in Dreieich darf uns aber in unserer Situation nicht passieren. Wir haben den Vertrag mit Dirk nicht im Sommer um zwei Jahre verlängert, um im Herbst schon wieder darüber zu sprechen.“

Dennoch ist klar, dass Trainer und Mannschaft in den kommenden 17 Partien einen überragenden Punkteschnitt erspielen müssen, will man den Waldhof noch abfangen. „Wir können außer in den direkten Duellen nicht beeinflussen, was die vor uns machen“, sagt Mann und betont: „Wir haben die Pflicht, da rauszugehen und zu gewinnen.“ Auch im Pokal-Achtelfinale am Samstag (14.15 Uhr) im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion gegen den FC Homburg.

Mit Trainer Dirk Lottner (links) ist Marcus Mann regelmäßig in Kontakt. Richtig ins Rollen haben sie den FCS aber noch nicht bekommen.
Mit Trainer Dirk Lottner (links) ist Marcus Mann regelmäßig in Kontakt. Richtig ins Rollen haben sie den FCS aber noch nicht bekommen. FOTO: Andreas Schlichter