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FCS ringt Rekordmeister Düsseldorf nieder und steht im Finale

Meisterschaft : Tischtennis von einem anderen Stern

Der 1. FC Saarbrücken besiegt Düsseldorf und zieht ins Finale um die Meisterschaft ein. Darko Jorgic lässt Timo Boll ganz alt aussehen.

Nach seinem letzten Punkt gegen Kristian Karlsson riss Patrick Franziska die Arme hoch. Sein Freudenschrei aber ging im frenetischen Jubelsturm in der mit 1200 Zuschauern zum Bersten vollen Joachim-Deckarm-Halle unter. Selbst die Lautsprecher-verstärkte Stimme des Hallensprechers hatte ihre liebe Mühe, sich gegen die ohrenbetäubende Lärmkulisse durchzusetzen. Im Stakkato verkündete sie: „Wir – sind – im – Finaaaale! Jungs, das ist unglaublich.“ Keine Frage, der 3:1-Sieg des 1. FC Saarbrücken gegen Borussia Düsseldorf im Halbfinal-Rückspiel um die deutsche Tischtennis-Meisterschaft am späten Freitagabend war ein Spektakel, wie es der Sport im Saarland lange nicht erlebt hat.

„Vor 1200 Zuschauern so ein Spiel abzuliefern, ist einfach unglaublich. Mehr geht einfach nicht“, sagte der sportliche Leiter des FCS, Erwin Berg, und strahlte aus allen Poren. FCS-Trainer Slobodan Grujic befand nach dem Spiel: „Nach dem 3:2-Sieg im Hinspiel hatten wir mit den supertollen Zuschauern heute einen Heimvorteil, und den haben wir ausgenutzt. Mit seinen zwei Siegen war Patrick wieder einmal eine richtige Nummer eins. Aber der größte Gewinner, das ist jedem klar, war heute Darko Jorgic.“

Bevor Jorgic und Timo Boll das vielleicht beste Tischtennisspiel der gesamten Saison hinlegten, lief alles im erwartbaren Rahmen. Zum Auftakt machte Franziska mit 3:0 kurzen Prozess mit Anton Källberg. Dass Saarbrückens Tomas Polansky anschließend gegen Kristian Karlsson mit 0:3 unterlag, war keine große Überraschung. Vielmehr aber, dass der Düsseldorfer Superstar Boll aus taktischen Gründen an Position drei spielte. „Ich hatte erwartet, wieder gegen Karlsson zu spielen. Als ich sah, dass es gegen Boll geht, wusste ich, dass ich nichts zu verlieren habe. Also wollte ich nur kämpfen und versuchen, irgendwie dieses Spiel zu gewinnen“, sagte Jorgic.

So kam es beim Gesamtstand von 1:1 zum Duell des 20-jährigen Saarbrückers Jorgic mit dem Weltranglistenfünften Boll. Was folgte, war mitunter Tischtennis von einem anderen Stern. Der Düsseldorfer gewann zwar den ersten Satz mit 11:7, stieß aber von Beginn an auf einen Gegner mit grenzenlosem Siegeswillen. Der junge Saarbrücker spielte taktisch klug, brachte Boll vor allem mit seiner starken Rückhand immer wieder in Bedrängnis und holte sich nach furiosen Ballwechseln den zweiten Satz mit 11:8.

Die Halle bebte und wurde auch nicht leiser, nachdem Jorgic im dritten Durchgang einen Satzball nicht nutzen konnte und mit 10:12 unterlag. Bevor der Saarbrücker im vierten Satz den Satzball zum 12:10 nutze, schallte es aus über tausend Kehlen „Darko, Darko“. Im Entscheidungssatz hielt es dann endgültig niemand mehr auf den Sitzen. Nach jedem Punkt sprangen die jeweiligen Fanlager auf und peitschten ihren Mann lautstark nach vorne. Nach dem finalen 11:9-Erfolg versetzte Jorgic schließlich die Halle in komplette Ekstase und stellte die Weichen in Richtung Endspiel. „So ein Spiel habe ich noch nie zuvor erlebt. Es war einfach unglaublich, wie mich die Fans unterstützt und mitgerissen haben. Ja, ich glaube, das war das beste Spiel meines Lebens“, sagte Jorgic überglücklich.

 Patrick Franziska (vorne) ist nicht zu bremsen und macht beim 3:0-Erfolg gegen Kristian Karlsson den Gesamtsieg gegen Düsseldorf perfekt.
Patrick Franziska (vorne) ist nicht zu bremsen und macht beim 3:0-Erfolg gegen Kristian Karlsson den Gesamtsieg gegen Düsseldorf perfekt. Foto: Ruppenthal
 Die Sensation schlechthin in diesem Halbfinal-Rückspiel: Darko Jorgic besiegt Düsseldorfs Star Timo Boll (im Hintergrund).
Die Sensation schlechthin in diesem Halbfinal-Rückspiel: Darko Jorgic besiegt Düsseldorfs Star Timo Boll (im Hintergrund). Foto: Ruppenthal

Danach verfolgte die Bank des amtierenden Meisters und Champions League-Siegers Düsseldorf mit versteinerten Mienen, wie der bärenstarke Franziska den Schlusspunkt setzte. Beim 3:0-Sieg gegen Karlsson fand die Saarbrücker Nummer eins auch gegen die besten Schläge seines Gegners eine noch bessere Antwort. „Was Darko gespielt hat, war sensationell. Und ich denke, ich war heute auch ganz gut“, sagte Franziska. Auf die Frage, wer der nächste Meister wird sagt er: „Hoffentlich Saarbrücken. Jetzt wollen wir alles.“ Das große Finale steigt am 25. Mai in Frankfurt gegen Ochsenhausen.