FCS löst eine ganz neue Euphorie aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Pokal-Sensation gegen Köln : Der FCS löst eine neue Euphorie aus

Nach der DFB-Pokal-Sensation träumt Siegtorschütze Tobias Jänicke schon vom Finale. Das Achtelfinale ist am 4. oder 5. Februar 2020.

„Gegen Saarbrücken kann man mal verlieren“, sangen über 5000 Anhänger des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken am Dienstagabend nach dem sensationellen 3:2 (0:0)-Erfolg ihrer Mannschaft gegen Bundesligist 1. FC Köln völlig euphorisiert. Und viele der fast 1800 mitgereisten Geißbock-Fans forderten dagegen einen Trainerwechsel in der Domstadt: „Lottner, Lottner komm nach Köln.“

Gillian Jurcher war nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 nicht zu halten – wie zuvor von seinem Gegenspieler Jorge Meré. Foto: Andreas Schlichter

Der angesprochene FCS-Trainer Dirk Lottner war nach dem Spiel platt. „Die Emotionen mussten beim 3:2 schon richtig raus. Aber ich muss meine Gedanken erst mal sammeln, dafür brauche ich bestimmt noch ein, zwei Tage“, sagte die Kölner Vereins-Ikone: „Es war kein normales Spiel, auch weil die Berichterstattung gerade um meine Person schon vor Wochen angefangen hatte. Wir konnten das aber von der Mannschaft fernhalten.“

Diese feierte mit den Fans unter dem gleißenden Licht der mobilen Zusatz-Flutlichtanlage. Doch deren Strahlen waren höchstens ein Teelicht im Vergleich zum Gesichtsausdruck von Tobias Jänicke. „Vor dem 2:2 habe ich den entscheidenden Fehlpass gespielt, das passiert mir eigentlich nie. Dass ich dann das Tor mache, war eine ganz gute Antwort“, beschrieb der Siegtorschütze seine ganz persönliche Achterbahnfahrt: „Solche Abende sind der Grund, warum die Leute zum Fußball kommen. Ich glaube, wir dürfen richtig stolz sein. Es ist unglaublich, was wir für eine Moral an den Tag gelegt haben.“ Voller Euphorie und augenzwinkernd ergänzte er mit Blick auf die Auslosung am Sonntag (18 Uhr/ARD): „Bayern München oder Dortmund würde ich in der nächsten Runde gerne noch aus dem Weg gehen. Es reicht, wenn wir im Finale in Berlin auf einen der großen Clubs treffen.“

Möglich war das alles wegen der letzten Minute der regulären Spielzeit. Boné Uaferro fing einen Einwurf von Nationalspieler Jonas Hector ab, sechs Ballkontakte später bediente Kianz Froese den mitgelaufenen Jänicke – das 3:2 ist schon heute blau-schwarze Fußball-Geschichte. „Wir haben gezeigt, was wir für eine Mannschaft sind, was wir für eine Mentalität haben“, sagte Uaferro: „Viele haben nach dem Ausgleich vielleicht gedacht, das war es jetzt. War es nicht. Wir können zu jeder Zeit zulegen, selbst gegen einen Erstligisten.“ Das sah auch Lottner so: „Wenn du gegen einen Bundesligisten nach so einem tollen Kampf noch den Ausgleich kassierst, bist du normalerweise mausetot. Doch wir haben etwas Besonderes geschafft.“

Ein Klassenunterschied zwischen dem Viert- und Erstligisten war die gesamte Partie über nicht wirklich zu sehen. Immer wieder hatte der pfeilschnelle Gillian Jurcher Akzente gesetzt. Als Froese ihn nach 57 Minuten mit glänzender Übersicht anspielte, war Jurcher nicht mehr zu bremsen. Er umkurvte Kölns Torwart Timo Horn und besorgte das zu diesem Zeitpunkt hochverdiente 2:0, nachdem Christopher Schorch zuvor nach einer Standardsituation getroffen hatte (54.). „Es ist unfassbar schön. Für die Mannschaft und für ganz Saarbrücken. Wir sind weit übers Limit gegangen, sind in alles reingeflogen, was da kam“, sagte Maskenmann Schorch, der nach seinem Nasenbeinbruch nahezu jedes Kopfballduell für sich entscheiden konnte – auch das beim Treffer: „Ich habe mich reingehauen. Augen zu und irgendwie ist der Ball dann über Horn rein.“

FCS-Trainer Dirk Lottner holt sich nach dem 3:2 gegen den 1. FC Köln von seiner Ehefrau Sarah den verdienten Siegerkuss ab. Foto: Andreas Schlichter

Köln schien bereits geschlagen, kam aber durch Jonas Hector (71.) und Simon Terodde (84.) noch zum späten Ausgleich. Doch der FCS schlug zurück und steht zum ersten Mal seit 2013 im Achtelfinale des DFB-Pokals. Gespielt wird am 4. oder 5. Februar 2020. Das bedeutet aber auch, dass Saarbrückens Winterurlaub kürzer wird. „Wir dürfen den Trainingsauftakt drei, vier Tage nach vorne verlegen und werden auch das Trainingslager verschieben“, sagte Sportdirektor Marcus Mann, „aber unter diesen Umständen machen wir das gerne.“ Die Regionalliga beginnt erst am 22. Februar wieder. Aber hier scheint der FCS in dieser Saison ohnehin nicht mehr zu stoppen zu sein. 5:0 gegen Kickers Offenbach, 3:2 gegen den 1. FC Köln. Am Samstag gegen die SV Elversberg „wollen wir diese wahnsinnige Woche vergolden“, sagte Pokal-Held Jänicke.

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