FCS hat eine Woche Zeit zur Stadionsuche für Pokal-Knaller gegen Köln

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußball : Eine Woche Zeit zur Stadionsuche

Der 1. FC Saarbrücken sucht einen „heimatnahen“ Austragungsort für das große Pokal-Spiel gegen den 1. FC Köln und Jonas Hector.

Eigentlich war der Gewinn des Saarlandpokals für Fußball-Regionalligist 1. FC Saarbrücken nur ein Trostpreis nach dem mehr als deutlich verpassten Aufstieg in die 3. Liga. Doch nach dem Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals mit dem 3:2-Erfolg gegen Zweitligist Jahn Regensburg brachte die Auslosung einen echten Hauptgewinn: Der FCS trifft auf den Erstligisten 1. FC Köln, den Ex-Verein von Trainer Dirk Lottner und Stürmer José Pierre Vunguidica. „Mein Traumlos“, meinte Vunguidica. Und Trainer Lottner sagte dem Kölner Express: „Jeder, der mich kennt, weiß, was es heißt, einmal als Trainer gegen meinen Verein zu spielen. Ich hätte mir keine bessere Nachricht wünschen können.“

Seine weiteren Ausführungen gegenüber der Boulevard-Zeitung sorgen bei vielen Saarbrücker Fans allerdings für verständnisloses Kopfschütteln: „Wir können eh nicht in unserem Stadion spielen. Von daher habe ich meinen Jungs gesagt: Lasst uns nach Köln gehen, wir spielen das Ding da.“

Spaß oder Wunschdenken? FCS-Präsident Hartmut Ostermann erteilte einem Umzug ins 49 968 Plätze umfassende Kölner Rhein-Energie-Stadion direkt eine Absage und klärte nicht nur den Trainer auf. „Ein Tausch des Heimrechts ist nach den Statuten des DFB doch gar nicht möglich“, sagte Ostermann. Dass Atlas Delmenhost gegen Werder Bremen in der ersten Runde im Bremer Weserstadion spielte, lag nur daran, weil der Oberligist ohnehin das Stadion des benachbarten Bundesligisten als Ausweichspielstätte angegeben hatte. „Nachdem wir nun um die Qualität des Gegners wissen, wollen wir natürlich möglichst heimatnah spielen“, sagte Ostermann: „Es ist eine Begegnung, die für alle saarländischen Fußballfreunde seit Langem wieder ein Höhepunkt darstellt.“

Der Saarbrücker Ludwigspark wird am Austragungstermin 29. oder 30. Oktober noch immer eine Baustelle sein. Das Ausweichquartier im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion fasst nur 6800 Zuschauer. Zudem ist das Flutlicht nicht ausreichend für ein Abendspiel. Eine mobile Anlage würde einen knapp sechsstelligen Betrag kosten, der auch über den Aufbau einer Zusatztribüne nur schwer abzudecken wäre.

Alternativen gibt es verschiedene. Ins Stadion an der Kaiserlinde in Elversberg passen etwa 10 000 Besucher, genauso viele wie auf der Husterhöhe in Pirmasens. Die Rechnung dabei ist einfach: 40 Prozent der zusätzlichen Zuschauereinnahmen (so hoch ist der Anteil der im Pokal antretenden Clubs) müssen mehr einbringen, als Stadionmiete und diverse Nebengeräusche kosten. „Es bringt auch nichts, ein Hochsicherheitsspiel zu machen und dann 1000 Ordner bezahlen zu müssen“, schließt FCS-Geschäftsführer David Fischer etwa das Trierer Moselstadion aus.

Im Homburger Waldstadion gibt es 16 488 Plätze. Das wäre wohl kapazitätsmäßig ausreichend, die Sicherheitsbedenken müssten ausgeräumt werden. Die bestünden auch bei einem Umzug ins 49 850 Plätze große Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern. Da der FCK aber selbst Heimrecht gegen Zweitligist 1. FC Nürnberg genießt, sind zwei Pokalspiele in 24 Stunden in einer Spielstätte nicht organisierbar.

Der gegen die Pfälzer ausgeschiedene FSV Mainz 05 hat gleich zwei Stadien: das mit nur noch drei Tribünen am Bruchweg und die neue Opel-Arena (33 305 Plätze). In Wiesbaden steht die Brita-Arena mit 12 566 Plätzen, dort war Ostermann mal Sponsor. „Wir prüfen derzeit alle Optionen und werden ganz bewusst keine Namen nennen“, sagt FCS-Geschäftsführer Fischer. Der DFB erwartet innerhalb der nächsten sieben Tage eine Entscheidung. Dann sollen auch die Modalitäten des Karten-Vorverkaufs geklärt sein.

Als der Saarländer Stefan Kuntz am Sonntag in der ARD-Sportschau die vom Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder gezogene Partie verkündete, zitterte nicht nur „meine Heimat, das Nauwieser Viertel und der St. Johanner Markt“, wie Kuntz sagte. Auch der Kölner Kapitän Jonas Hector, der beim SV Auersmacher das Kicken gelernt hat und seit 2010 bei den Geißböcken spielt, freute sich riesig. „Ich war zu Hause, als die Auslosung lief, habe selbst aber nicht zugeschaut, weil ich gerade im Haus beschäftigt war. Meine Frau hat mich dann direkt informiert“, sagte der Nationalspieler: „Ich freue mich natürlich auf das Spiel und denke, dass einige aus Auersmacher vorbeikommen.“

FCS-Trainer Dirk Lottner trifft auf seine große Liebe, den 1. FC Köln. Foto: Andreas Schlichter
FCS-Chef Hartmut Ostermann will möglichst heimatnah spielen lassen. Foto: Andreas Schlichter
Nationalspieler Jonas Hector freut sich auf seine Rückkehr ins Saarland. Foto: dpa/Roland Weihrauch

In Köln nimmt man den Gegner ernster als den Wirrwarr um die Spielstätte. „Das ist ein spannendes Los gegen einen tollen Traditionsverein“, sagt Kölns Trainer Achim Beierlorzer: „Wir werden diese Aufgabe gegen einen sehr ambitionierten Regionalligisten top-professionell angehen und wollen in die dritte Runde einziehen.“

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