| 21:01 Uhr

Regionalliga Südwest
FCS bringt sich selbst um den Sieg

FCS-Trainer Dirk Lottner (links) schimpft nach dem späten Ausgleich durch den FSV Mainz 05. Schiedsrichter Philipp Lehmann ließ über vier Minuten nachspielen, was Lottner sichtlich erzürnte.
FCS-Trainer Dirk Lottner (links) schimpft nach dem späten Ausgleich durch den FSV Mainz 05. Schiedsrichter Philipp Lehmann ließ über vier Minuten nachspielen, was Lottner sichtlich erzürnte. FOTO: Andreas Schlichter
Völklingen. Regionalliga-Spitzenreiter 1. FC Saarbrücken hat erneut einen Sieg in letzter Minute hergegeben. FCS-Trainer Lottner war stinksauer. Von Patric Cordier

Im Kampf um die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga hat der 1. FC Saarbrücken erneut zwei Punkte verschenkt. Wie beim 2:2 gegen die SV Elversberg vor drei Wochen musste der Tabellenführer der Fußball-Regionalliga Südwest am Samstag beim 2:2 (1:0) gegen den FSV Mainz 05 II in der Nachspielzeit den Ausgleich hinnehmen. Zwar kündigte FCS-Trainer Dirk Lottner an, die eigenen Fehler intern „in aller Härte“ zu analysieren. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, der Wut über die seiner Meinung nach überschaubaren Schiedsrichterleistungen freien Lauf zu lassen. „Ich habe die Schnauze voll. Wir haben sechs Gegentore bekommen seit dem Winter. Davon waren fünf Standards, zwei Elfer, zwei Tore nach der angegebenen Nachspielzeit, darunter zwei Abseitstore“, schilderte der Kölner und polterte: „Es geht nicht, dass mit solchen Leistungen unser möglicher Aufstieg gefährdet wird, weil Schiedsrichter eine andere Idee haben. Für uns steht da richtig was auf dem Spiel.“


Die drei Minuten von Schiedsrichter Philipp Lehmann angezeigte Nachspielzeit waren um 35 Sekunden verstrichen, als der Mainzer Heinz Mörschel den Ball zum 2:2 vor 2200 Zuschauern über die Linie schob. Das ist richtig. Falsch dagegen war in dieser Situation fast alles am Abwehrverhalten des FCS. Am ersten Pfosten verloren die eingewechselten Markus Obernosterer und Lukas Quirin das Kopfballduell, in der Mitte ließ sich Torwart Daniel Batz vom aufgerückten Mainzer Schlussmann Finn Dahmen irritieren, und am zweiten Pfosten verlor Patrick Schmidt den Torschützen aus dem Auge. „Egal wie lange der spielen lässt, wir müssen das einfach besser verteidigen“, schimpfte der ausgewechselte Kevin Behrens. Lottner fehlten ohnehin kopfballstarke Spieler wie Marco Kehl-Gomez (Faserriss) oder Manuel Zeitz (fiebrige Erkältung). Warum er dann aber ausgerechnet „Kopfball- und Mentalitätsungeheuer“ Behrens in der 89. Minute vom Feld holte, bleibt sein Geheimnis.

Dabei war der FCS lange die dominierende Mannschaft. Mainz machte mit, erspielte sich aber nur eine einzige echte Torchance. Ein Kopfball von Mörschel landete am Innenpfosten (80.). Ansonsten stand die Innenverteidigung mit Oliver Oschkenat, der erneut trotz angebrochener Rippe spielte, und dem starken Jordan Steiner sicher. Das 1:0 leitete Debütant Fanol Perdedaj ein. Der Neuzugang zeigte eine gute Leistung im defensiven Mittelfeld. „Außer mit dem Ergebnis war ich ganz zufrieden“, sagte Perdedaj, dessen Pass zur Grundlinie Markus Mendler ablegte und Patrick Schmidt mit seinen 18. Saisontreffer (32. Minute) vollendete.



Dem 2:0 (65.) ging erneut das FCS-typische schnelle Umschaltspiel voraus. Mendler musste nur noch den Fuß hinhalten. Doch auch er war nach dem Spiel stinksauer: „Wir führen 2:0 und bringen uns durch einen dummen Elfmeter selbst wieder in die Bredouille.“ Denn auch Lottners erster Wechsel war nach hinten losgegangen. Obernosterer (er kam für Tobias Jänicke) verursachte mit geradezu dilettantischem Defensivverhalten einen Strafstoß, den man nicht geben muss, den aber der Mainzer Torjäger Karl-Heinz Lappe zum 1:2 (75.) nutzte.

Die Konkurrenz konnte Saarbrückens erneuten Patzer zwar nicht nutzen – Waldhof Mannheim unterlag und auch Kickers Offenbach kam nur zu einem Punkt. Dennoch bleibt festzuhalten: Der 1. FC Saarbrücken ist nicht gut aus der Winterpause gestartet, und Trainer Lottner hat die ein oder andere Baustelle abzuarbeiten.

Da war die Welt des 1. FC Saarbrücken noch in Ordnung: Torjäger Patrick Schmidt (rechts, in blau) bringt den FCS mit 1:0 in Führung.
Da war die Welt des 1. FC Saarbrücken noch in Ordnung: Torjäger Patrick Schmidt (rechts, in blau) bringt den FCS mit 1:0 in Führung. FOTO: Ruppenthal