Traum vom Viertelfinale geplatzt FC Homburg fliegt aus dem DFB-Pokal – St. Pauli siegt im Waldstadion

Homburg · Der Traum vom Viertelfinale für den FC Homburg ist geplatzt: Zweitligist St. Pauli konnte vor allem in der zweiten Halbzeit ordentlich punkten. Und kickte die Homburger aus dem DFB-Pokal.

FC Homburg gegen St. Pauli – Fotos vom DFB-Pokal- Achtelfinale​
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FC Homburg gegen St. Pauli – Fotos vom DFB-Pokal- Achtelfinale

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Foto: IMAGO/Jan Huebner

Fußball-Regionalligist FC Homburg hat die nächste Sensation im DFB-Pokal am Dienstagabend klar verpasst. Nach einer lange Zeit sehr beherzten Vorstellung musste sich der krasse Außenseiter aus der vierten Liga im Achtelfinale Zweitligist FC St. Pauli am Ende doch deutlich mit 1:4 (1:1) geschlagen geben.

Beim FC Homburg schwand die Gegenwehr

Vor 12 232 Zuschauern im Homburger Waldstadion kam der FCH nach dem Rückstand durch Hauke Wahl nach einer Hamburger Ecke (24. Minute) in Person von Kapitän Markus Mendler rasch zum 1:1 (28.) und machte dem Spitzenreiter der 2. Bundesliga das Leben in der Folge nach Kräften schwer. Nach dem 1:2 durch St. Paulis zur Pause eingewechselten Offensivspieler Elias Saad (64.) schwand beim Viertligisten zusehends die Gegenwehr und die Gäste machten durch Marcel Hartel (69.) und Johannes Eggestein (73.) binnen kurzer Zeit den Deckel drauf. Während St. Pauli nun mit Spannung auf den Gegner im Viertelfinale wartet, darf sich der FCH damit trösten, eine herausragende Pokalsaison hingelegt zu haben.

Von Piechowski ersetzt Quirin, St. Pauli mit drei Wechseln

Homburgs Trainer Danny Schwarz schickte im Pokalhöhepunkt nahezu die identische Mannschaft ins Rennen, die zuletzt in der Regionalliga ein 1:1 bei der TSG Hoffenheim II erreicht hatte und damit zum zehnten Mal in Folge in der Liga ungeschlagen geblieben war. Nur einen Wechsel nahm Schwarz vor. Anstelle von Lukas Quirin rückte Laurin Von Piechowski in die erste Elf und ergänzte die übliche Viererabwehr um Tim Steinmetz (rechts) Benjamin Kirchhoff, Michael Heilig und Max Dombrowka zu einer Fünferkette, die bereits in den beiden vorherigen DFB-Pokalrunden gegen den SV Darmstadt (3:0) und die Spvgg. Greuther Fürth den Erfolg gebracht hatte. Im Tor kam erneut Tom Kretzschmar zum Zug, vor der Abwehr agierten Maximilian Jansen und Patrick Weihrauch in etwas offensiverer Rolle hinter der einzigen Spitze Phil Harres. Auf den offensiven Außenbahnen sollten wie gehabt Philipp Hoffmann und der vornehmlich über links kommende Kapitän Markus Mendler für Offensivakzente sorgen.

Gegner St. Pauli, in dieser Saison in Pflichtspielen noch gänzlich ungeschlagen, nahm fürs Pokal-Achtelfinale zwischen den Pfosten den von Trainer Fabian Hürzeler vorher bereits angekündigten Wechsel vor: „Pokaltorwart“ Sascha Burchert kam für Nikola Vasilj. Darüber hinaus tauschte Hürzeler zwei weitere Male gegenüber dem jüngsten 2:2 im Hamburger Stadtderby gegen den Hamburger SV: Lars Ritzka und Etienne Amenyido ersetzten Manolis Saliakas und Elias Saad, die wie Vasilj zunächst auf der Bank Platz nahmen. Gegen den HSV hatte St. Pauli am 21. April diesen Jahres übrigens seine letzte Pflichtspielniederlage kassiert (3:4). In Homburg wurde der Zweitliga-Spitzenreiter von gut 3000 eigenen Anhängern gewohnt lautstark unterstützt.

Homburg verteidigt stark, gerät in Rückstand – und kontert sofort

Vor dem Anpfiff verbreiteten die Homburger Fans mit einer sehenswerten Fahnen-Choreografie zusätzliche Festtagsstimmung auf den Rängen. Die Partie bei trockenen, aber kalten Bedingungen begann gleich mit einem Mutmacher für den Außenseiter. Nach 40 Sekunden ging erstmals ein Raunen durchs Stadion, nachdem Harres über rechts Hoffmann bei einem Umschaltmoment der Gastgeber auf die Reise geschickt hatte. Der Flügelspieler hatte freie Fahrt, fand mit seiner Hereingabe Richtung Mendler aber nicht den erhofften Abnehmer (1. Minute). Gegenüber gab es nach drei Minuten die erste Ecke, die aber nichts einbrachte. Kurz darauf hatte Hoffmann erneut über rechts ein wenig Platz, bekam aber kein Anspiel in die Mitte zustande (5.). Auch in der elften Minute war der auffällige Hoffmann wieder über rechts unterwegs, passte in den Strafraum zu Harres, der sich im Zweikampf mit Hauke Wahl aber nicht durchsetzen konnte. Dennoch: Es gab einige Szenen, die dem Außenseiter Mut machten.

Auf der Gegenseite musste Kretzschmar dann erstmals eingreifen, packte bei einem Kopfball vom Marcel Hartel aber sicher zu (12.). Kurz darauf machte sich Eric Smith zu einem Freistoß aus gut 20 Metern zentraler Position bereit, nachdem Von Piechowski Amenyido gelegt hatte, setzte die Kugel aber deutlich über den Kasten (14.). Den ganz großen Druck konnten die Kiezkicker in der ersten Viertelstunde noch nicht entfachen. Nach wenig ereignisreichen Minuten war es dann ein Standard, der den Favoriten auf Kurs brachte: Hartel brachte eine Ecke von links in die Mitte, wo Eric Smith das Kopfballduell gewann und an den zweiten Pfosten verlängerte. Dort war Hauke Wahl zur Stelle und vollendete abgeklärt zum 0:1 ins linke Eck (24.). Der Gegentreffer war natürlich erst mal ein Stimmungskiller unter den Homburger Fans – aber nicht lange, denn der Außenseiter fand schnell zurück, begünstigt vom Hamburger Keeper. Karol Mets spielte die Kugel zurück zu Torwart Burchert, der sie kurz vor der eigenen Linie nicht kontrolliert bekam. Mendler ging gedankenschnell dazwischen und drückte aus kürzester Distanz zum euphorisch umjubelten Ausgleich ein – 1:1 (28.).

Pauli wirkt planlos gegen mutige Homburger

Nach dem Treffer war das Waldstadion ein Tollhaus – und die Gastgeber machten mutig weiter. Weihrauch chippte den Ball über die Pauli-Abwehr und fand halblinks Mendler, dessen geplante Hereingabe ins Zentrum aber missriet (31.). In der Folge tat sich der Favorit gegen defensiv gut gestaffelte und immer wieder mutig nach vorne spielende Grün-Weiße schwer, kam kaum zu gelungenen Offensivaktionen. Kurz vor der Pause holte sich Ritzka für sein rüdes Einsteigen am Homburger Strafraum gegen Mendler die zweite Gelbe im Spiel ab (42.), nachdem zuvor bereits der Hamburger Smith für sein Vergehen an Hoffmann verwarnt worden war (27.). Hoffmann kam dann nach Weihrauchs Anspiel erneut gut über rechts durch, seine scharfe Hereingabe wurde aber von Torschütze Wahl zur Ecke geklärt (44.). Der Standard brachte trotz Unsicherheiten bei den Gästen letztlich nichts ein (45.). Kurz darauf beendete Schiedsrichter Martin Petersen die aus Homburger Sicht gut verlaufene erste Hälfte.

Zur zweiten Halbzeit brachte Gästetrainer Hürzeler zwei neue Akteure: Saliakas und Saad kamen für Amenyido und Ritzka in die Partie. Homburg kehrte unverändert zurück – und auch am Spiel änderte sich zunächst wenig. St. Pauli belagerte den grün-weißen Strafraum, suchte nach der Lücke, die der Außenseiter aber weiterhin nicht gewährte. Die ersten zehn Minuten nach Wiederbeginn überstand der FCH ohne wirklich bangen Moment. Nach einer knappen Stunde hatte Torschütze Mendler, der unheimlich viel Laufarbeit verrichtete, sein Tagwerk vollbracht, für ihn kam Angelos Stavridis (58.). Auch Pauli wechselte nochmal, Oladapo Afolayan ersetzte Connor Metcalfe (61.). Und dann war es nach 63 Minuten doch passiert: Nach einer starken Hereingabe von rechts Richtung Tor durch Smith funktionierte die Homburger Abseitsfalle nicht. Gleich drei Paulianer tauchten frei vor Kretzschmar auf, der letztlich vom eingewechselten Saad umkurvt und bezwungen wurde. Die Überprüfung durch den VAR bestätigte die Korrektheit des Treffers – 1:2 (64.).

Nach Saads 2:1 sorgt Hartels Traumtor für die Vorentscheidung

Der erneute Rückstand war natürlich ein Schock für Homburg und seine Anhänger. Und anders als nach dem 0:1 kamen die Grün-Weißen nicht mehr sofort zurück – im Gegenteil: Der Favorit legte direkt das 3:1 nach. Hartel fasste sich nach Vorlage von Saad aus der zweiten Reihe ein Herz und setzte die Kugel vom Strafraumrand sehenswert zum dritten Gästetor in den linken Winkel des Homburger Kastens – ein echtes Traumtor vom Hamburger Zehner (69.). Danach holten die Kiezkicker schnell zur endgültigen Entscheidung aus: Johannes Eggestein nutzte einen Fehler der kräftemäßig angeschlagenen Homburger zum 1:4 (73.). Kurz nach dem vierten Gegentor tauschte Schwarz gleich dreifach, verhalf auch Dominic Schmidt, Ivan Knezevic und Fabian Eisele noch zu ihrem Pokalerlebnis (77.). Jansen, Hoffmann und Dombrowka gingen runter. Die letzten Minuten passierte daraufhin vor beiden Toren nicht mehr allzu viel. Am Ende wurde der Außenseiter vom eigenen Anhang nach einer bärenstarken Pokalsaison mit wohlwollendem Applaus verabschiedet.

Nach dem DFB-Pokal-Höhepunkt gegen St. Pauli muss der FC Homburg nun noch einmal in der Liga ran, bevor es in die Winterpause geht. Am kommenden Sonntag um 14 Uhr empfangen die Grün-Weißen als Regionalliga-Spitzenreiter die sechstplatzierte SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. Die Tabellenführung könnte der FCH aber auch im Falle eines klaren Siegs noch an die Stuttgarter Kickers verlieren. Der punktgleiche Tabellenzweite (beide 37 Zähler) wird sein zuletzt witterungsbedingt ausgefallenes Heimspiel gegen den KSV Hessen Kassel noch in diesem Jahr, nämlich am Samstag, den 16. Dezember (14 Uhr) nachholen.

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