| 20:37 Uhr

Fußball-Regionalliga Südwest
„Alle haben eine Superleistung gebracht“

Herbert Eder, der Vereins-Chef des FC Homburg, klatscht nach dem Spiel mit Marco Gaiser (links) ab. Mit dem bisherigen Saisonverlauf ist Eder sehr zufrieden.
Herbert Eder, der Vereins-Chef des FC Homburg, klatscht nach dem Spiel mit Marco Gaiser (links) ab. Mit dem bisherigen Saisonverlauf ist Eder sehr zufrieden. FOTO: Andreas Schlichter
Homburg. Der Vereins-Chef des FC Homburg sieht die kleine Aufstiegs-Chance, vermeidet aber eine Kampfansage und damit eine Drucksituation. Von Ralph Tiné

Der FC Homburg ist, wie erwartet, kein normaler Aufsteiger. Vor dem letzten Regionalliga-Spiel in 2018 an diesem Freitag bei der SV Elversberg (19 Uhr) steht der Verein auf Rang vier – in Reichweite zum einzigen Aufstiegsplatz. Dass der FCH perspektivisch hoch will in die 3. Liga, ist kein Geheimnis. Im SZ-Interview spricht Vereins-Chef Herbert Eder über die Wahrscheinlichkeit, dieses Ziel schon am Ende der Runde zu erreichen, und über die Väter des aktuellen Erfolgs.


Herr Eder, wie lautet ihr Saisonfazit vor dem letzten Spiel des Jahres?

HERBERT EDER Ich glaube, dass wir als Aufsteiger deutlich besser stehen, als man das in Wirklichkeit erwarten konnte. Wir haben oft am oder über dem Limit gespielt. Unser Trainerteam, die Spieler und alle, die dazu beigetragen haben, haben eine Superleistung gebracht. Der Tabellenplatz vier, auf dem wir jetzt stehen, ist als überragendes Ergebnis zu bezeichnen.



Der FC Homburg hat sich nach dem Aufstieg im Sommer mit zum Teil namhaften Spielern verstärkt. Wo liegen darüber hinaus die Gründe für den Erfolg?

EDER Unsere Stärke liegt darin, dass sich bei uns die sportlich Verantwortlichen ausschließlich auf den sportlichen Bereich konzentrieren können. Ich lasse sie in Ruhe arbeiten und sorge dafür, dass sie eine gewisse Rückendeckung haben.

Innenverteidiger Kevin Maek sieht den FCH auf Schlagdistanz nach ganz oben. Geht da noch was?

EDER Nicht nur wegen seiner fußballerischen Qualität, sondern auch wegen dieser Einstellung haben wir Maek geholt. Solche Spieler braucht jede Mannschaft. Man muss trotzdem aufpassen, wenn man solche Sachen befeuert – wenn man über Jäger und Gejagte spricht. Vielleicht ist der FCH zurzeit besser in der Rolle des Jägers als des Gejagten.

Aber müsste der FCH nicht alles versuchen, die Chance auf den Aufstieg zu nutzen, wenn sie sich denn irgendwie bietet?

EDER Wenn man sich diesen Aufstieg erkaufen möchte, dann muss man soviel Geld ausgeben, dass es keinen Sinn macht. Es bringt nichts, dass man alle Ressourcen verbläst, denn der Aufstieg ist eine Sache. Das Halten der dann vielleicht erreichten Liga ist etwas ganz anderes. Wenn man weiß, dass der Durchschnittsetat in der 2. Liga neun Millionen beträgt, dieser Etat bei den meisten Clubs aber deutlich über deren Einnahmen liegt, dann macht es keinen Sinn, alle Gelder zusammenzuziehen, um auf diese eine Karte zu setzen. Um nach einem Aufstieg auch die 3. Liga halten zu können, braucht man einen Kader mit 15 bis 18 gleichwertigen Spielern. Es gibt viele Vereine, die dafür über ihre Grenzen gehen und nachher weniger Luft im Ballon haben als notwendig. Das ist eher etwas für Roulette-Spieler als für Vereinsvorstände. Und man muss bedenken, dass man sich in der 3. Liga einem Lizenzierungsverfahren stellen muss, das sich deutlich von dem der Regionalliga unterscheidet.

Im Mittelfeld fällt mit Daniel di Gregorio der vielleicht wichtigste Spieler der Mannschaft bis Saison­ende aus. Im Sturm hängt fast alles von Patrick Dulleck als einzigem echten Torjäger ab. Wird es im Winter Neuzugänge geben?

EDER Ich will es mal neutral formulieren: Jeder einigermaßen professionelle Verein mit einem Scouting-System schaut sich 365 Tage im Jahr nach Spielern um. Dazu zählt auch der FC Homburg. Wenn wichtige Spieler ausfallen, ist es umso mehr die Aufgabe, sich im Markt zu orientieren. Das wird allerdings final von unserem Trainerteam entschieden. Was den Sturm angeht, haben wir noch einige Spieler in der Mannschaft, die in dieser Saison noch nicht ihr Optimum erreicht haben. Wir gehen davon aus, dass sich diese Spieler im Winter noch einmal weiterentwickeln werden, sodass wir da keine Zukunftsangst zu haben brauchen.

Zum Jahresabschluss treffen sie beim Derby in Elversberg auf einen angeschlagenen Gegner, der nach der 0:3-Niederlage gegen den FCH im Hinspiel mit Sicherheit auf Revanche aus ist. Was erwarten Sie in diesem Spiel von ihrer Mannschaft?

EDER Ich habe keine andere Erwartung als bisher auch. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Mannschaft in der kompletten Saison das Beste gegeben hat. Und ich erwarte, dass sie das auch in Elversberg tun wird. Mit dem Wort Revanche kann ich nicht viel anfangen. Die drei Punkte aus dem Hinspiel sind vergeben, und die drei Punkte aus dem Rückspiel muss man sich wieder erarbeiten. Was sich Elversberg denkt und ob das ein angeschlagener Gegner ist, ist mir relativ egal.

Dass Elversberg in dieser Saison bisher weit hinter den eigenen Erwartungen zurückbleibt, lässt sich aber nicht wegdiskutieren.

EDER Man kann sich nicht alle Jahre neu erfinden. Ich bin kein Fan von allzu häufigen Trainerwechseln. Ich habe auch keinen Antrieb, dass ich sage: Das einzige, was zählt, ist der Aufstieg. Damit belaste ich die Mannschaft, und das kann dazu führen, dass manche Leute blockieren. Ich mache mir ja nicht so viele Gedanken über Elversberg. Aber wenn man das wie ich seit fast zwei Jahrzehnten in vorderster Front beobachtet, dann stellt man fest, dass man mit sehr viel Geld es eigentlich nur geschafft hat, dass Hamsterrad teurer zu machen, aber keine Ausgangstür gefunden hat.

Vor zwei Jahren ist der FCH mit einer Mannschaft abgestiegen, von der damals jeder sagte, sie könne nicht absteigen, bis es am Ende doch passiert ist. Lassen sich aus ihrer Sicht Parallelen zur heutigen Situation in Elversberg ziehen?

EDER Nein, das glaube ich nicht. Die Gründe, dass wir damals abgestiegen sind, lagen im Wesentlichen im sportlichen Bereich. In Elversberg ist dagegen das Verhältnis zwischen dem sportlichen und dem administrativen Bereich nicht optimal. Dieses Druckszenario, das man seit Jahren dem sportlichen Bereich von außen überstülpt, war schon oft kontraproduktiv.

Die SV Elversberg ist im Titelrennen abgeschlagen. Der 1. FC Saarbrücken steht in der Tabelle knapp vor dem FCH, der allerdings beide Saarderbys gewonnen hat. Wer ist denn nun derzeit die Nummer eins im Saarland?

EDER Auch wenn das nicht jeder gerne hört: Wenn man alles berücksichtigt, muss man sagen, dass der 1. FC Saarbrücken final gesehen die Nummer eins ist – wenn auch der Abstand zu uns immer kleiner wird. Ich denke, das ist eine realistische Einschätzung. Und ich neige nicht dazu, irgendwelche Fantasien zur Wirklichkeit zu erklären.

Und wer steigt am Ende der Saison auf?

EDER (lacht) Der FC Homburg!