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FC Homburg steuert nach Lizenz-Verzicht für 3. Liga in ungewisse Zukunft

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußball-Regionalliga Südwest : FC Homburg steuert in ungewisse Zukunft

Der Verzicht auf die Drittliga-Lizenz wird spürbare Folgen haben. In Zukunft müsste der Verein im Aufstiegsfall dauerhaft umziehen.

Wie kam es dazu, dass der FC Homburg keinen Lizenz-Antrag für die 3. Liga eingereicht hat? Das ist die zurzeit am heftigsten diskutierte Frage im Umfeld des Fußball-Regionalligisten. Und welche Folgen die Antwort auf diese Frage bei Sponsoren, Fans oder Spielern haben wird, ist noch nicht abzuschätzen. Der FCH steuert in eine ungewisse Zukunft, das ist sicher.

Vereins-Chef Herbert Eder verweist beim Verzicht auf den Lizenz-Antrag auf die sportliche Situation. Zum Zeitpunkt der Entscheidung hatte der Tabellenvierte kaum aufholbare zwölf Punkte und ein um 24 Tore schlechteres Torverhältnis hinter Spitzenreiter 1. FC Saarbrücken – mittlerweile ist der Abstand auf neun Punkte geschrumpft. Elf Spiele sind noch bis zum Saisonende zu absolvieren. Zwischen dem FC Homburg und dem FCS liegen noch die zweitplatzierte SV Elversberg (drei Punkte vor dem FCH) und der TSV Steinbach-Haiger (zwei Punkte Vorsprung und ein Spiel weniger).

Herbert Eder ist der Vorstands-Vorsitzende des FC Homburg. Foto: Thomas Wieck

Der Vorstands-Vorsitzende Eder begründet den Schritt des FCH als „rein rationale Entscheidung“ und mit der Verantwortung für die Vereinsfinanzen angesichts der Kosten des Lizenzantrags, die sich nach seiner Rechnung auf rund 60 000 Euro beziffern lassen. Darüber hinaus liegt der Stadt Homburg als Eigentümer des Waldstadions laut Eder ein neues Gutachten vor, aus dem hervorgeht, dass die Renovierung des Waldstadions deutlich mehr verlangt, um der saarländischen Versammlungsstättenverordnung zu entsprechen, als bisher angenommen. „Es geht in Richtung eines zweistelligen Millionenbetrags, damit das Stadion den Ansprüchen entspricht“, sagt Eder und fügt hinzu: „Das Homburger Waldstadion wird in den nächsten drei bis vier Jahren keine Drittligatauglichkeit erlangen. Punkt.“

Angesichts dessen stünden die finanziellen und administrativen Aufwendungen, um eine Drittliga-Lizenz zu erhalten, in keinem vernünftigen Verhältnis zu der Minimalchance, den Aufstiegsplatz in dieser Saison tatsächlich noch zu erreichen. Der laut Eder bei einem Aufstieg unumgängliche Schritt in ein Ausweichstadion – naheliegendster Kandidat wäre vermutlich das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern – würde darüber hinaus Miet- und Betriebskosten von jährlich nahe einer Million Euro verursachen sowie eine entsprechende Bürgschaft im Voraus verlangen.

Was einerseits nach vernünftigen Argumenten eines umsichtigen Vereinslenkers klingt, hat allerdings eine Kehrseite. Mit der Entscheidung hat der Verein mehr als ein Drittel seiner Saisonspiele zur Makulatur degradiert. Dass das beim Anhang der Grün-Weißen, nicht zuletzt bei den Dauerkarteninhabern, alles andere als gut ankommen würde, war nicht anders zu erwarten.

Ebenso klar war, dass die sportlich Verantwortlichen und die Mannschaft wenig Verständnis für diesen Schritt aufbringen würden. Wenn Mittelfeldstratege Daniel di Gregorio davon spricht, dass die Mannschaft mit dem jüngsten 2:1-Sieg gegen den Bahlinger SC es „den Leuten gezeigt hat, die nicht an uns glauben“, dann spricht das in Bezug auf das Verhältnis von Teilen der Mannschaft zur Vereinsführung eine deutliche Sprache. Dass man dem entgegenhalten kann, dass die Mannschaft mit zu vielen unnötigen Niederlagen erst die Basis für die Entscheidung gelegt hat, mag seine Berechtigung haben, kann den Konflikt aber kaum lösen.

An dieser Stelle greift dann auch die Argumentation, der Lizenzantrag mache keinen Sinn, weil der FCH kaum noch Chance auf den Aufstieg habe, zu kurz. Wird der FCS, wie zu erwarten ist, aufsteigen, wird der FC Homburg in der nächsten Saison zum engsten Favoritenkreis zählen – vorausgesetzt, dass er seine besten Spieler halten kann und weitere gute hinzukommen. Nur waren die Spieler ja zum größten Teil aufgrund der hohen Zielsetzung (Aufstieg in die 3. Liga) nach Homburg gekommen. Leistungsträger wie Maurice Neubauer, Christopher Theisen (soll bereits mit dem FCS in Kontakt stehen), Kevin Maek oder di Gregorio werden ohnehin nicht leicht zu halten sein. Wenn der Aufstieg nicht realisierbar ist, fällt ein starkes Argument des Vereins weg.

Dass di Gregorio voraussagt, dass sich „manche Spieler Gedanken machen werden, wie es jetzt weitergeht“, lässt erahnen, dass das Klima für Trainer Jürgen Luginger und Sportdirektor Michael Berndt in den anstehenden Vertragsverhandlungen nochmals rauer werden dürfte. Zumal auch Luginger selbst gesteht, mit der Entscheidung des Vereins nicht glücklich zu sein, wenngleich er sie akzeptieren müsse.

Auch wie die Sponsoren, etwa Hauptsponsor Dr. Theiss Naturwaren, mit der Perspektive, dass es in Homburg selbst bis auf weiteres keine 3. Liga geben wird, umgehen, ist unklar. Dass der Aufsichtsrat des FC Homburg angesichts der Tragweite nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen wurde, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Knicker auf Nachfrage der SZ bestätigt, erscheint – vorsichtig ausgedrückt – zumindest überraschend.