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FC Bayern fürchtet das vorzeitige Aus

München. Das Triple von Jupp Vorgänger Heynckes verfolgt Pep Guardiola auch im zweiten Jahr beim FC Bayern. Noch mehr hängt dem Katalanen das Aus in der Champions League 2014 nach. Das darf heute nicht passieren. Dpa-Mitarbeiterklaus Bergmann

Pep Guardiola ist ein Pessimist - und das findet er auch gut so. "Wenn du Optimist bist, bist du ruhig. Ein Trainer aber kann nie ruhig sein. Und bis jetzt war es in meiner Karriere nicht schlecht, Pessimist zu sein", sagt der 44 Jahre alte Katalane auch mit dem Blick auf seine beachtliche Titelsammlung als Fußball-Trainer: zwei Mal Champions-League-Sieger, drei Mal Club-Weltmeister, dazu deutscher und spanischer Meister.

"Ich habe immer Angst, ich bin immer besorgt vor einem Spiel", gesteht Guardiola. Vor dem heutigen Achtelfinal-Rückspiel des FC Bayern in der Königsklasse gegen Schachtjor Donezk (20.45 Uhr/ZDF ) dürfte dieser Zustand intensiver sein als bei gewöhnlichen Partien. Es geht um das höchste Saisonziel. Ein Ausscheiden in der ersten K.o.-Runde würde den erfolgsverwöhnten Topclub gehörig durchschütteln.

Guardiola weiß, dass die Champions League das Richtmaß ist - besonders für ihn selbst in seinem vorerst verabredeten Dreijahresplan beim Rekordmeister. Ein wenig Flunkern gehört darum zum Geschäft, das weiß auch Guardiola: "Es tut mir leid, aber für mich ist der wichtigste Titel die Bundesliga", behauptet er immer und immer wieder in der gerade angebrochenen Phase der ganz großen Spiele.

Meisterschaft und DFB-Pokal - alles schön und gut. Aber von einem Trainer-Genie, das mit dem FC Barcelona 2009 und 2011 zwei Mal die Champions League gewinnen konnte und mit seinem Tiki-Taka-Stil den Fußball in Europa prägte, wird Größeres erwartet. Guardiola spürt den Druck, den er sich auch selbst auferlegt. "Es ist eine große Aufgabe für mich, das Niveau von Jupp Heynckes zu halten", bekennt er. Das historische Triple, das Trainer-Rentner Heynckes 2013 mit der Generation um Kapitän Philipp Lahm erobern konnte, lastet bisweilen wie Blei auf Guardiolas schmalen Schultern.

Ebenso das Trauma gegen Real Madrid , besonders jenes 0:4 im eigenen Stadion im Halbfinal-Rückspiel vor einem Jahr. Seit Saisonbeginn weist Guardiola regelmäßig auf diesen Tiefschlag hin, wenn er eine stetige Weiterentwicklung der Münchner Spielweise einfordert. Das soll, das darf ihm nicht noch einmal passieren. Vor allem nicht gegen Schachtjor Donezk .

Das 0:0 im Hinspiel ist aber gefährlich. Und ein Ausscheiden im Achtelfinale wäre "fatal", sagt Torhüter Manuel Neuer : "Wir haben die Pflicht weiterzukommen, gerade in der Anfangsphase der K.o.-Runden." Xabi Alonso wird nicht helfen können. Der 33-Jährige hatte im Hinspiel die Gelb-Rote Karte gesehen. Für ihn dürfte Bastian Schweinsteiger die Position im defensiven Mittelfeld einnehmen.

Wobei auch Guardiola weiß, dass die Besetzung bei der Auswahl an Top-Spielern vielleicht zweitrangig ist. "Wir müssen den Mut haben, das Spiel zu entscheiden, sonst scheiden wir aus", sagt er. Guardiola ist und bleibt halt Pessimist.


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HintergrundBayern München ist in seiner langen Europacup-Historie erst einmal nach einem 0:0 im Hinspiel auswärts ausgeschieden. Das geschah 1981 gegen den FC Liverpool im Halbfinale des Meistercups. Das Rückspiel in München endete 1:1, Liverpool zog wegen des Auswärtstores ins Endspiel ein. In den übrigen fünf Fällen, die alle 32 oder mehr Jahre zurückliegen, kam der deutsche Fußball-Rekordmeister jeweils weiter. Das soll auch heute im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Schachtjor Donezk nach dem 0:0 vor drei Wochen in Lwiw gelingen. dpa