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Fast wie ein Fußball-Märchen

Fast wie ein Fußball-Märchen

Nur 33 Spiele als Profi hatte Serge Gnabry vor seinem Debüt in der Nationalmannschaft bestritten. Mit seinem Dreierpack beim 8:0 in San Marino ist er plötzlich in aller Munde. Der junge Profi weiß aber aus der Vergangenheit, dass dies noch nichts bedeutet.

Mit dem Dreifach-Torepack der Qualitätsmarke Fritz Walter in der Tasche dachte Fußball-Nationalspieler Serge Gnabry kurz an seinen noch wichtigeren Jahres-Höhepunkt in Brasilien. "Olympia war für mich natürlich ausschlaggebend, dass es so weit gekommen ist. Zuvor war es schwer", fasste der frech aufspielende Länderspiel-Neuling den Knackpunkt seiner Karriere zusammen.

Der 21 Jahre alte Gnabry sicherte sich im Regenspiel von San Marino gleich bei seinem Einstand in der deutschen Elite-Auswahl einen Platz in den Geschichtsbüchern. Drei Tore bei der Premiere waren zuvor nur fünf Nationalspielern gelungen, auch dem späteren Weltmeister und Ehrenspielführer Fritz Walter . "Das ist klasse für ihn, für seine Entwicklung und für sein Selbstbewusstsein", lobte Joachim Löw den effektivsten Debütanten seiner Bundestrainer-Zeit: "Egal gegen welchen Gegner ist das ein sehr guter Auftakt in der Nationalmannschaft."

Vom Abstellgleis beim FC Arsenal in knapp vier Monaten zu einer Alternative für die nächste WM - das klingt nach Fußball-Märchen. "Erst einmal kann ich zufrieden sein, beim Debüt drei Tore zu schießen", kommentierte der 21 Jahre alte Sohn eines Ivorers und einer Schwäbin den Auftritt beim 8:0-Sieg am Freitagabend im verregneten und kalten San Marino. Eine überschwängliche Hochstimmung war daraus nicht zu lesen. "Es war jetzt mein erstes Spiel. Natürlich gegen einen Gegner, der nicht Italien war. Da wird es schwerer. Daher sollte man nicht so viel draus machen", bemerkte Gnabry zurückhaltend.

Der gebürtige Stuttgarter kann sich noch gut an bedrückende Zeiten erinnern. Das Talent war schon als 16-Jähriger mit großen Ambitionen zum FC Arsenal nach London gewechselt, gab dort bereits 2012 sein Profi-Debüt. Dann aber kam Gnabry über die Trainingsrolle kaum hinaus, daran änderte auch die Ausleihe zu West Bromwich Albion nichts. Nur 34 Profi-Spiele hat er bestritten, die Hälfte davon für das U21-Team des DFB. Coach Horst Hrubesch holte ihn schließlich aus der Versenkung - beim olympischen Turnier im Sommer war Gnabry als Torschützenkönig einer der Garanten für die glanzvolle Silbermedaille. "Ich habe keine Spielzeiten gehabt. Die habe ich jetzt wieder bekommen. Ich fühle mich körperlich gut und hoffe, dass es so weitergeht", sagte Gnabry, der mit dem Olympia-Schwung plötzlich als begehrter Mann zu Werder Bremen wechselte. Und jetzt wurde der Drei-Tore-Profi sogar verpflichtet, eine Rede zu halten vor den Weltmeistern Mats Hummels , Thomas Müller und Co. Gnabry selbst meinte: "Der Bundestrainer hat mir mitgegeben, einfach mein Spiel zu machen und mein Selbstvertrauen zu zeigen", berichtete Gnabry: "Das Selbstbewusstsein wächst mit den Toren." Joachim Löw hat seinen Job als Bundestrainer für einen Tag getauscht. Der Weltmeistercoach startete am Sonntag mit 20 Nationalspielern zu einer Stadt- und Kulturrundfahrt in Rom. "Heute geht es ins Kolosseum. Das ist gut für den Teamgeist. Ich finde Rom von der Geschichte unheimlich interessant. Es gibt wahnsinnig viel zu sehen. Italien ist erst morgen wieder wichtig", sagte Löw gestern vor der Abfahrt der zwei Reisebusse mit dem DFB-Tross. Nur die Begleitung von Polizei-Motorrädern machte in der italienischen Hauptstadt unweit der Villa Medici auf die prominente Reisegruppe aufmerksam.

Nach der Audienz heute um 9 Uhr bei Papst Franziskus geht es nach Mailand, wo am morgigen Dienstag der Klassiker gegen Italien (20.45 Uhr/ARD) auf dem Programm steht. "Das ist für jeden Spieler, für uns alle eine außergewöhnliche Sache", sagte Löw vor dem Testspiel, das das letzte deutsche Länderspiel in diesem Jahr ist.