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Fast schon wieder erstligareif

Die Stuttgarter Mannschaft um Kapitän Christian Gentner (Zweiter von links) gilt als Topfavorit in der 2. Bundesliga. Foto: Maurer/dpa
Die Stuttgarter Mannschaft um Kapitän Christian Gentner (Zweiter von links) gilt als Topfavorit in der 2. Bundesliga. Foto: Maurer/dpa FOTO: Maurer/dpa
Stuttgart. Nach 39 Jahren ist der VfB Stuttgart erstmals wieder zweitklassig. Die schnelle Rückkehr in die Bundesliga ist Pflicht, der Start in der 2. Liga verlief holprig. Am Samstag ist der VfB im DFB-Pokal beim Regionalligisten FC Homburg zu Gast. sid-Mitarbeiter Thomas Niklaus

Der Abstiegsfrust ist längst einer Aufbruchstimmung gewichen. Doch der Topfavorit VfB Stuttgart sieht sich nicht als "FC Bayern der 2. Liga". "Es gibt einen ganzen Kreis von Anwärtern, die in die Bundesliga wollen. Das wird ein langer und harter Weg", sagt Kapitän Christian Gentner. Die ersten beiden Saisonspiele belegen seine Einschätzung. Auf dem knappen 2:1-Erfolg zum Auftakt gegen den FC St. Pauli folgte eine 0:1-Niederlage bei Fortuna Düsseldorf . Das dritte Pflichtspiel bestreiten die Stuttgarter am Samstagabend im Saarland - sie sind in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Regionalligisten FC Homburg zu Gast (18.30 Uhr/Sky).


"Vom Kopf her müssen wir uns im Vergleich zur Liga umstellen. Im Pokal treffen wir auf einen Underdog, der uns kämpferisch sicherlich alles abverlangen wird", sagt Co-Trainer Olaf Janßen : "Es wird eine ganze Menge auf unsere Einstellung ankommen. Uns muss bewusst sein, dass uns nichts geschenkt wird. Ohne Kampf wird es nicht gehen."

Nach 39 Jahren spielt der VfB Stuttgart erstmals wieder zweitklassig. Die Ansprüche bei den Schwaben, die immerhin Weltmeister Kevin Großkreutz im Kader haben, sind nach wie vor erstklassig, weshalb der Betriebsunfall Abstieg schnellstmöglich korrigiert werden soll und muss. Um die Ziele zu realisieren, wurde der Verein komplett umgekrempelt. Mit Jos Luhukay kam für den glücklosen Jürgen Kramny ein neuer, in Sachen Aufstieg sehr erfahrener Trainer. Jan Schindelmeiser ersetzt als Sportvorstand Robin Dutt . Ein geeigneter Kandidat für den zurückgetreten Präsidenten Bernd Wahler wird gesucht.



Und auch im Abstiegs-Kader gab es etliche Veränderungen. Noch sehen die Verantwortlichen nach den Abgängen von Filip Kostic (Hamburger SV/14 Millionen Ablöse), Timo Werner (RB Leipzig/10), Lukas Rupp (1899 Hoffenheim/5), Serey Dié (FC Basel/1,2), Martin Harnik (Hannover 96 ), Daniel Didavi (VfL Wolfsburg ) oder Daniel Schwaab (PSV Eindhoven/alle ablösefrei) aber Nachholbedarf. Er wolle nicht "die Euphoriebremse" sein, sagt Schindelmeiser, "aber im Moment haben wir noch nicht die Mannschaft, der man das Ziel Aufstieg in den Rucksack legen kann". Auch Gentner betont, "dass der Kader noch Ergänzungen vertragen kann. Bei einigen Dingen sind wir spät dran. Und unsere Mannschaft hat noch nicht die Zusammensetzung, dass wir mal eben durch die 2. Liga marschieren", sagt der Kapitän.

Dennoch werden die Schwaben neben Mitabsteiger Hannover 96 von der Konkurrenz als Topfavorit auf den Aufstieg gehandelt. Wenn der VfB noch gute Spieler dazubekommen würde, sei er "guter Hoffnung", dass das Ziel auch erreicht werden könnte, meint Luhukay, der mit Gladbach, Augsburg und Hertha BSC bereits der Sprung nach oben gelungen war. Man müsse vor allem "mannschaftliche Geschlossenheit ausstrahlen".

Kurz vor dem Saisonstart nahm Stuttgart Tobias Werner vom FC Augsburg unter Vertrag. Zuvor hatte der VfB Jean Zimmer (Kaiserslautern/2,5 Millionen Euro), Simon Terodde (Bochum/2,5), Anto Grgic (FC Zürich/2,0), Hajime Hosogai (Hertha BSC /700 000), Marcin Kaminski (Lech Posen) und Jens Grahl (Hoffenheim/beide ablösefrei) verpflichtet.

Als Königstransfer gilt Torjäger Terodde, letztjähriger Torschützenkönig der 2. Liga mit 25 Treffern. Er sei "die Verstärkung, die wir uns erhofft haben", sagt Gentner. Zumal Angreifer Daniel Ginczek mit einer Knieverletzung noch länger ausfallen wird.

Die Fans zumindest glauben an den VfB. Trotz des Absturzes konnte die Mitgliederzahl auf über 47 000 gesteigert werden. Zudem setzten die Schwaben 24 500 Dauerkarten ab, für das erste Saisonspiel gegen St. Pauli wurden sogar 54 000 Tickets verkauft - das ist erstligareif.