Fast auf Augenhöhe mit den Giganten

London. Es hörte sich ganz leicht an. "Wir müssen einfach drei Punkte machen", sagte Tischtennis-Spieler Bastian Steger vom 1. FC Saarbrücken vor dem olympischen Halbfinale. Einfach drei Punkte - die aber gegen die schier unschlagbaren Chinesen. Eine Mannschaft, die aus der Nummer eins, zwei und vier der Welt besteht

 Timo Boll (hinten links) und Bastian Steger knöpften Zhang Jike (vorne links) und Wang Hao immerhin einen Satz ab. Foto: Charisius/dpa

Timo Boll (hinten links) und Bastian Steger knöpften Zhang Jike (vorne links) und Wang Hao immerhin einen Satz ab. Foto: Charisius/dpa

London. Es hörte sich ganz leicht an. "Wir müssen einfach drei Punkte machen", sagte Tischtennis-Spieler Bastian Steger vom 1. FC Saarbrücken vor dem olympischen Halbfinale. Einfach drei Punkte - die aber gegen die schier unschlagbaren Chinesen. Eine Mannschaft, die aus der Nummer eins, zwei und vier der Welt besteht. Wie sollten Steger, Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov das bewerkstelligen? "Wie, ist eigentlich egal", sagte Steger, der im Achtel- und Viertelfinale ein Einzel und zwei Doppel absolviert hatte - und alle drei Spiele souverän gewann.Die meisten der exakt 5003 Zuschauer in der ausverkauften Excel-Arena in London hatten die Deutschen schon vor dem ersten Aufschlag auf ihrer Seite. Zuerst schritt Ovtcharov an die Platte - gegen den viermaligen Mannschafts-Weltmeister Ma Long. Und "Dima" zeigte gegen die Nummer zwei der Welt, dass der Gewinn der Bronzemedaille im Einzel-Wettbewerb kein Zufall war. Der Chinese gewann den ersten Satz mit 12:10, aber dann hatte Ovtcharov das Spiel vor allem dank seiner überragenden Rückhand im Griff. 11:5 in Satz zwei, und im dritten lag er 9:6 in Führung. Ma Long wackelte, aber Ovtcharov machte drei, vier unerklärliche Fehler, und der Satz war mit 9:11 weg. Demoralisiert ging "Dima" im vierten Satz mit 1:11 unter - 1:0 für den Favoriten.

Aber dann kam der große Auftritt von Timo Boll. Der dreimalige Europameister, im Einzel schon im Achtelfinale ausgeschieden und im Mannschafts-Wettbewerb mit einer Pleite gegen Schwedens Altmeister Jörgen Persson, lieferte gegen Olympia-Sieger Zhang Jike sein bestes Tischtennis ab. Der Hesse riss die deutschen Fans zu "Timo, Timo"-Begeisterungsstürmen hin und knackte den besten Spieler der Welt mit 8:11, 11:8, 11:9, 11:8.

Boll machte im anschließenden Doppel mit Steger dort weiter, wo er gegen Jike aufgehört hatte. Die Deutschen harmonierten prächtig und waren bis Mitte des dritten Satzes gleichwertig, ehe die Einzel-Finalisten Jike und Hao - Jike holte Gold - das Tempo noch höher zogen. Boll und Steger verloren 12:10, 8:11, 5:11, 5:11.

Die glatte 3:11, 5:11, 7:11-Niederlage von Steger gegen einen wie entfesselt aufspielenden Ma Long setzte dann den Schlusspunkt unter ein Spiel, im den die Deutschen lange auf Augenhöhe agiert hatten. "Man spielt auch zu selten gegen solche Leute, um dieses Level mitgehen zu können, vor allem bei den Aufschlägen", analysierte Steger. "Ich bin sehr traurig, wir hatten eine große Chance. Timo war fantastisch. Hätten wir 2:0 geführt, hätten wir gewonnen", sagte Ovtcharov.

Was bleibt, ist das Bewusstsein, den Giganten einen großen Kampf geliefert zu haben. Und das Spiel morgen, 12 Uhr, um Bronze gegen Hongkong. China trifft auf Südkorea. "Wir müssen die Niederlage abhaken und uns auf das nächste Spiel konzentrieren. Das wird unser Finale", sagte Boll. Drei Punkte sollen morgen ab 12 Uhr her. Wie, ist egal. mwe

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