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LSVS-Finanzskandal
Fachverbände laufen Sturm gegen Sanierungskonzept

Der Eingang der Verwaltung des Landessportverbandes für das Saarland.
Der Eingang der Verwaltung des Landessportverbandes für das Saarland. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Das Sanierungskonzept, mit dem der hoch verschuldete Landessportverband für das Saarland (LSVS) wieder in die richtige Bahn zurückfinden soll, schlägt weiter hohe Wellen. Von Stefan Regel, Mark Weishaupt und Patric Cordier
Stefan Regel

LSVS-Konsolidierungsberater Michael Blank hatte das Konzept in der vergangenen Woche dem LSVS-Präsidium präsentiert, dieses segnete das mit massiven Einschnitten gespickte Papier „schweren Herzens“ (LSVS-Vize-Präsident Franz Josef Schumann) einstimmig ab.


Doch der Widerstand ist groß - nicht nur bei denjenigen, die laut Sanierungskonzept nun um ihre Arbeit fürchten müssen. 62 Stellen sollen wegfallen, die Mensa soll geschlossen werden, verschiedene Arbeitsbereiche an externe Dienstleister ausgelagert werden. Der Gesamtvorstand des LSVS muss über dieses Konzept nun entscheiden – am Donnerstag, 21. Juni. Aber wie?

Bernd Wegner, der Präsident des Saarländischen Ringerverbandes (SRV), der am Montagabend seine Mitgliederversammlung an der Hermann-Neuberger-Sportschule durchgeführt hat, bringt es auf den Punkt: „Ich lese davon in der Zeitung, dass Herr Blank etwas vorgelegt hat und dass sich das Präsidium damit beschäftigt hat. Aber sowohl ich als auch viele Verbandskollegen wissen nicht, was in diesem Konzept steht. Ich sehe mich derzeit nicht in der Lage, über irgendetwas zu entscheiden.“



Wegner geht es damit nicht anders wie vielen seiner Kollegen aus anderen Fachverbänden. Und die Fachverbände – auch die großen - wehren sich. Mehrere, darunter auch der Saarländische Leichtathletik-Bund (SLB) und der Saarländische Radfahrer-Bund (SRB), haben Konsolidierungsberater Blank aufgefordert, ihnen das gesamte Konzept binnen zwei Tagen zur Verfügung zu stellen.

So schreibt etwa SRB-Präsident Jörg Aumann an Blank und LSVS-Hauptgeschäftsführerin Karin Becker: „Wir sollen entscheiden, wissen aber nur rudimentär Bescheid. Die hier zu treffenden Entscheidungen sind von solcher Tragweite, dass ich mich als Präsident nicht im Stande sehe, sie ohne Rücksprache mit meinem Präsidiums- und Gesamtvorstandskollegen zu treffen.“ Das SRB-Präsidium trifft sich am Mittwochabend zu einer Präsidiums- und Gesamtvorstandssitzung, um über die weitere Vorgehensweise zu beraten. „Ich kann aber mit den Kolleginnen und Kollegen nichts beraten, was wir nicht vorher gelesen, überdacht und verstanden haben“, schrieb Aumann am Dienstag in einem Facebook-Post, „auch auf meine dringende Bitte hin, mir eine Ausfertigung zukommen zu lassen, sieht sich die Geschäftsführung des LSVS dazu nicht in der Lage. Aber ein Telefongespräch mit Herrn Blank wurde mir angeboten.“

Ähnlich formuliert es Ringer-Präsident Wegner. „Es sollen Entscheidungen fallen, ob Leute entlassen werden oder wie künftig Mensa oder Verwaltung gehandelt werden", sagte er, „das bedarf einer gründlichen Vorarbeit. Ich unterstütze den Vorstoß der Leichtathleten. Wir brauchen diese Woche, um die Pläne durchzuarbeiten und auch um innerhalb unserer Gremien uns abzustimmen."

Ob der Saarländische Schwimm-Bund (SSB) dem Sanierungskonzept zustimmt, kann auch SSB-Präsident Martin Bartels nicht sagen, weil er schlichtweg das Konzept nicht kennt. Bartels will nicht spekulieren. „Ich habe am Freitag einen Termin mit Herrn Blank und werde danach hoffentlich klarer sehen. Grundsätzlich ist es wichtig, dass wir vorher Bescheid wissen.“ Bisher kennt Bartels das Konzept nur aus den Medien, er kann daher verstehen, dass es auch die anderen Verbände möglichst bald sehen wollen. Ob bei der LSVS-Vorstandssitzung am Donnerstag, 21. Juni, auch Ministerpräsident Tobias Hans teilnehmen sollte, vermag er nicht zu beurteilen. Grundvoraussetzung für eine Zustimmung ist, „dass wir weiter unseren Spitzensport ausüben können“, sagt Bartels.